Romanverfilmung

„Die Mittagsfrau“: Auf Identitätssuche mit Mala Emde

Von Sabine Maurer, dpa
| Lesedauer: 3 Minuten
Max von der Groeben als Wilhelm und Mala Emde als Helene im Film «Die Mittagsfrau».

Max von der Groeben als Wilhelm und Mala Emde als Helene im Film «Die Mittagsfrau».

Foto: Ricardo vaz Palma/ Wild Bunch/dpa

Frankfurt/Main -   Die Verfilmung des Romans von Julia Franck ist mit Mala Emde besetzt. 2007 sorgte das Buch für Aufsehen und gewann den Deutschen Buchpreis.

Es ist ein großer Stoff, den sich die österreichische Regisseurin Barbara Albert mit dem Kinofilm „Die Mittagsfrau“ vorgenommen hat. Der gleichnamige Roman von Julia Franck ist vielschichtig, geht in die Tiefe, 2007 wurde er mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet.

„Das Buch überzeugt durch sprachliche Eindringlichkeit, erzählerische Kraft und psychologische Intensität“, lautete damals die Begründung der Jury. Erzählt wird die Geschichte von Helene Würsich, die nach dem Zweiten Weltkrieg scheinbar grundlos ihren kleinen Sohn an einem Bahnhof in der Provinz zurücklässt und einfach geht.


Dabei war sie doch früher ein „Engelchen“, so wurde Helene - gespielt von Mala Emde - von ihrer Schwester Martha (Liliane Amuat) genannt. Damals ist Helene noch hilfsbereit, emotional, wissbegierig, ehrgeizig: Sie will unbedingt Ärztin werden. Zusammen mit ihrer Schwester flieht sie vor ihrer psychisch kranken Mutter zu einer Tante ins lebenslustige Berlin der 1920er Jahre. Statt braver Zöpfe trägt sie die Haare nun kurz, sie gewöhnt sich das Rauchen an, verliebt sich in den sensiblen Literaturstudenten Karl (Thomas Prenn), gemeinsam rennen sie nackt durchs nächtliche Berlin.

Auf der Suche nach einer alten Identität

Es ist die letzte schöne Zeit in ihrem Leben. Karl stirbt, die Nazis lauern bereits. Die lebenshungrige Frau verschließt sich: Statt Ärztin wird sie Krankenschwester, die Haare wachsen wieder, sie trägt nicht mehr flirrende Kleider, sondern hochgeschlossene Blusen. Im Krankenhaus wird ein „Ariernachweis“ von ihr verlangt, niemand weiß von ihrer jüdischen Herkunft.


Vielleicht rettet der uniformierte Wilhelm (Max von der Groeben) ihr das Leben, er verliebt sich in Helene, sie erwidert seine Gefühle nicht. Und doch heiratet sie ihn, denn Wilhelm verschafft ihr gefälschte Papiere und damit Sicherheit. Doch der Preis ist hoch: Aus der einst intellektuellen, kraftvollen Helene wird Alice, die biedere, frustrierte Hausfrau. Sie hat nicht nur ihre äußere, sondern auch innere Identität verloren. Nur selten flackert die alte Willenskraft noch einmal auf - etwa, als Wilhelm sie und das Baby verlässt. Sie würden überleben, sagt sie ihrem Mann zum Abschied. Tatsächlich bringt sie sich und ihren Sohn als alleinerziehende und berufstätige Mutter durch die Kriegsjahre. Dann geht sie und macht sich auf die Suche nach ihrer alten Identität.


Natürlich kann der Film die Geschichte nicht so eindringlich und ausführlich schildern wie das Buch, viele Stränge wie zum Beispiel das Schicksal von Helenes Vater oder ihrer Schwester Martha werden nur angedeutet. Doch der Film ist spannend, die Geschichte fesselt, was auch an den vielschichtig gespielten Charakteren liegt. So wird Ehemann Wilhelm in all seiner Brutalität nicht nur als der Böse dargestellt - sondern auch als ein Mann, dessen Traum vom Leben und der Liebe ebenfalls zerstört ist.