Claudia Roth stellt in Berlin Buch von Ex-DFB-Chef Zwanziger vor

Die Grünen-Politikerin Claudia Roth stellt das Buch "Zwanziger Jahre" des ehemaligen DFB-Präsidenten vor.

Claudia Roth und Theo Zwanziger bei der Buchvorstellung in Berlin.  Foto: dapd

Claudia Roth und Theo Zwanziger bei der Buchvorstellung in Berlin. Foto: dapd

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Berlin. Früher wäre er im Stadion gewesen – am Mittwochabend in Amsterdam. Aber Theo Zwanziger ist inzwischen kein DFB-Präsident, sondern "mehr oder weniger Privatmann". Am Mittwoch, ausgerechnet, spielte er sein eigenes Spiel: Er zog es vor, in Berlin seine Autobiographie vorzustellen. Sie heißt "Die Zwanziger Jahre" und ist seit Tagen das Skandälchen-Buch des deutschen Fußballs. Grünen-Chefin Claudia Roth hat das Werk, das er mit Hilfe eines Sportreporters verfasste, fast zu Ende gelesen. Sie kam bis Seite 280 und kann die Aufregung nicht verstehen. Einerseits. – Andererseits will Freund Theo das Honorar spenden.

Der Mann kommt also nicht vom Stamme Steinbrück. Weil es einem guten Zweck dient, ist "vielleicht der Medienwirbel ganz gut", spekuliert Roth. Da ist was dran. Zwanziger hat sich bemüht, "ein diskretes Buch zu schreiben". Und doch sei er nicht "zum lebenslangen Schweigen verurteilt". Soll heißen: Ein paar ausgesuchte Bosheiten finden sich schon. Oliver Bierhoff wird als gierig dargestellt, Uli Hoeneß als Macho beschrieben, Jürgen Klinsmann hat er als einen Trainer auf Bewährung in Erinnerung. Es gab nämlich einen Plan B bei der WM 2006: Klinsmanns Entlassung. Dazu kam es nie, weil es am Ende doch ein "Sommermärchen" wurde.

Über seinen Vorgänger schreibt und redet Zwanziger nicht immer nett. Von Wolfgang Niersbach also hätte er sich zuletzt bei der EM in der Ukraine eine klare Distanzierung vom Regime gewünscht. "Ich hätte die Klitschkos eingeladen", zur Debatte mit der Nationalmannschaft über Politik. "Das hätte ich mir gewünscht, fertig, aus." Niersbach ist nicht gut auf ihn zu sprechen, Bayern-Münchens Präsident Hoeneß auch nicht. "Da prallen Alphatiere aufeinander", meint Roth. Von wegen Abrechnung! Zwanziger erklärt sich den Wirbel damit, dass viele das Buch nicht gelesen hätten.

Bayern-Manager Matthias Sammer hat es kritisiert und beteuert, dass er es nicht lesen werde. Schräge Logik. So schräg wie die Charakterisierung von Fifa-Präsident Sepp Blatter, den Zwanziger für einen Reformer hält. Letztlich ist der Stoff, aus dem er das Skandälchen-Buch schrieb, kleines Karo, "Pepita", wäre die korrekte Stoffbezeichnung. Wie die frühere First Lady Bettina Wulff verspürte da jemand ein Mitteilungsbedürfnis jenseits des Protokolls: Deswegen der eine oder andere Seitenhieb.

Günter Netzer, den er sein sportliches Idol nennt, war das nicht geheuer. Per Fax sagte die Ikone die Teilnahme an der Buchvorstellung ab. Dafür saßen im Publikum "viele alte Freunde" vom DFB. Soll keiner sagen, Zwanziger sei isoliert. Angst vor Isolation hätte Roth nicht gehabt.

Zwanziger kennt sie seit sechs Jahren. Sie ist die Beauftragte des DFB für Klima und Umweltschutz, beide setzten sich für Minderheiten, für Integration ein. Seelenverwandte. Sie störte sich nie daran, dass Freund Theo ein Schwarzer ist, der früher für die CDU Politik machte, erst recht nicht daran, dass er nun wie das schwarze Schaf der großen Fußballfamilie behandelt wird.

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