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„Maischberger“: Stürzt der rechte AfD-Flügel jetzt Meuthen?

Berlin.  Bei „Maischberger“ versuchte AfD-Chef Meuthen, den Machtkampf in der Partei kleinzureden. Seine Gegner dürfte das wenig beeindrucken.

Bei Sandra Maischberger zeigte sich AfD-Chef Jörg Meuthen demonstrativ gelassen.

Bei Sandra Maischberger zeigte sich AfD-Chef Jörg Meuthen demonstrativ gelassen.

Foto: Max Kohr / WDR

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Gestern Bernd Lucke und Frauke Petry – und morgen Jörg Meuthen? Nachdem der Bundesvorstand der AfD ihren Brandenburgischen Fraktionsvorsitzenden Andreas Kalbitz aus der Partei geworfen hat, könnte der nächste Parteivorsitzende vom rechten Flügel der Partei zu Fall gebracht werden. Bei „Maischberger“ versuchte Jörg Meuthen das Problem kleinzureden.

Doch all die Gelassenheit, die der Parteivorsitzende demonstrativ zu versprühen versuchte, scheint nur schwerlich begründet. Der Thüringer Fraktionschef Björn Höcke warf ihm nun gar Verrat vor, ebenso mehren sich die Stimmen aus anderen Teilen der Partei, die Meuthen loswerden wollen. Doch Meuthen nahm gegenüber Sandra Maischberger seine parteiinternen Gegner noch mit einer interessanten Bezeichnung in Schutz.

„Maischberger. Die Woche“ – das waren die Gäste am Mittwochabend:

  • Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern
  • Claus Ruhe Madsen, Oberbürgermeister Rostock
  • Jörg Meuthen (AfD), Bundesvorsitzender
  • Lamya Kaddor, Autorin und Kolumnistin
  • Werner Bartens, Wissenschaftsjournalist
  • Christiane Hoffmann, „Spiegel“-Autorin

Ob als Drohungen zu verstehende Stellungnahmen der „Jungen Alternative“ oder drastische Kritik durch Bundestagsabgeordnete – für Meuthen sei das in den vergangenen Tagen lediglich eine „emotionale Überreaktion“ gewesen. Ob die Gemeinten das auch so sehen, kann gewiss bezweifelt werden.

Die steile These

Ebenso verblüffte der Parteivorsitzende mit einer Analyse, die ziemlich fern jeder Realität ist. Nachdem er erklärte, warum Andreas Kalbitz‘ Mitgliedschaft in der AfD annulliert wurde, wollte er noch einmal eine Lanze für seinen nun ehemaligen Parteikollegen brechen: „Herr Kalbitz hat in seiner Tätigkeit für die Partei keinerlei rechtsextreme Positionen vertreten“, sagte Jörg Meuthen da ernsthaft.

Immerhin: Gegenbeispiele gibt es genug, das musste selbst Meuthen auf Nachfrage von Sandra Maischberger zugeben. Doch offensichtlich ist, dass Meuthen nun versucht, seine Kritiker offensiv zu umgarnen. Ob das gelingen wird, ist dagegen ungewiss.

Der steile Popularitätsaufstieg

Erstaunlich wenige Kritiker hingegen hat derzeit in Deutschland ein Mann, der eigentlich auch das Gegenteil gewohnt ist: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Für seine Corona-Krisenpolitik erhält er weitgehende Zustimmung, selbst eine mögliche Kanzlerkandidatur ist denkbar. Bei „Maischberger“ konnte er sich zunächst ganz in der Rolle des kümmernden Landesvaters präsentieren.

Da erklärte er gut gelaunt die derzeitigen Corona-Maßnahmen und Lockerungen in Bayern. Und hatte eine Spitze für seine Kollegen parat, die sich bei den Lockerungen immer weiter überbieten: „Das überstürzte Vorgehen ist falsch – aber das ist in Bayern ja glücklicherweise nicht der Fall“, sagte Söder.

Dass er momentan nicht nur für die bayrische Krisenpolitik Zuspruch erhält, liegt aber auch an seinem Auftreten. Söder präsentierte sich auch bei „Maischberger“ überzeugend, er verzichtete auf Plattitüden und zeigte klare Kante gegen Rechts. Die Zeiten, in denen er weit am rechten Rand fischte, scheinen zumindest vorerst vorbei.

Die vernachlässigten Themen

Der „Maischberger“-Talk war diesmal eine unpassend routinierte Sendung. Natürlich ist die Corona-Pandemie weiter das bestimmende Thema – doch gerade in dieser Woche gab es einige Themen, die ebenfalls große Relevanz haben. Dass die CDU plötzlich den Weg frei gemacht hat für ein Verbot von Werkverträgen in der Fleischindustrie, war vor wenigen Tagen beinahe undenkbar.

Und die „Hygiene“-Demonstrationen, bei denen auch am vergangenen Wochenende Zehntausende auf die Straße gingen, bedürfen noch weiterer Analyse. Doch beiden Themen schenkte Sandra Maischberger wenig Raum. Stattdessen vergingen die ersten zehn Minuten mit subjektiven Eindrücken der Gäste über die Einhaltung der Abstandsregeln in Deutschland. Der Erkenntnisgewinn war dadurch, wenig überraschend, überschaubar: Manche halten sich dran, manche nicht.

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