140 Rinder sterben auf der Autobahn bei Görsbach

Görsbach (Nordhausen). Viehtransporter aus Holland kommt von der Fahrbahn ab und kippt um. 310 Tiere auf drei Etagen eingepfercht

Die Tiere wurden vor Ort in einen provisorischen Pferch aus Bauzäunen getrieben. Foto: R. Kandel/MZ

Die Tiere wurden vor Ort in einen provisorischen Pferch aus Bauzäunen getrieben. Foto: R. Kandel/MZ

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Es war ein Anblick, wie ihn auch ein Feuerwehrmann nur selten erlebt: ein umgekippter Lkw, darin Tiere, die kreuz und quer, zum Teil übereinander liegen. Einige Kälber sind über ein aufgerissenes Dach entkommen und irren nun auf der Autobahn umher. Dazu das Blöken. "Das war schon ein Schock für die Tiere - klar, wenn man in so einer Konservendose eingeklemmt ist", sagt Jörg Hoffmann. Der Feuerwehr-Chef von Berga war Einsatzleiter bei einem Unfall, der sich in der Nacht zum Mittwoch kurz vor 2 Uhr auf der Autobahn 38 zwischen Berga und Görsbach ereignete.

Laut Polizei war der holländische Fahrer des Tiertransporters eingeschlafen. Der mit 310 Zuchtkälbern beladene Laster kippte um, als er die Kontrolle verlor. Fahrer (20) und Beifahrer (22) wurden leicht verletzt. Bis in die Morgenstunden dauerten allerdings Rettung und Bergung der Tiere. Die letzten, so Hoffmann, konnten erst aus dem Lkw geholt werden, als der schon aufgerichtet war. Tot. Insgesamt sind 140 Tiere verendet oder notgeschlachtet worden. Sie waren laut Polizei auf dem Weg von Dresden nach Belgien.

Beim Deutschen Tierschutzbund registriert man solche Fälle mit mehr als einem Stirnrunzeln - nicht nur wegen des Unfalls an sich, sondern grundsätzlich wegen der Tiertransporte - noch dazu so junger, wenig widerstandsfähiger Kälber. Rund 360 Millionen Tiere (ohne Geflügel) würden jährlich allein zum Schlachten kreuz und quer durch Europa gefahren, kritisieren die Tierschützer. Da meist auch Aufzucht und Mast an getrennten Orten stattfänden, vervielfache sich die Zahl. Nach Angaben der Grünen in einer jüngst veröffentlichten Kleinen Anfrage im Bundestag haben vor allem Transporte über längere Strecken zugenommen - zwischen 2005 und 2009 um 37 Prozent.

Im Bergaer Fall waren die Kälber in dem Lkw auf drei Etagen verladen. Der Transport sei vom Landkreis Mittelsachsen zertifiziert und die Ladeflächen seien nach dem Unfall routinemäßig überprüft worden, hieß es beim Veterinäramt des Kreises Mansfeld-Südharz. Einem Zuchtkalb bis zu einem Gewicht von 50 Kilogramm stehen den Angaben zufolge 0,3 bis 0,4 Quadratmeter Platz zur Verfügung. Zulässig ist, Schweine 24 Stunden und Rinder 29 Stunden zu transportieren, bevor sie das erste Mal abgeladen werden müssen und eine Ruhepause von 24 Stunden bekommen. Auch erlaubte Temperaturen bis zu 35 Grad seien zu viel, sagen die Tierschützer. Die Autobahn Richtung Göttingen blieb bis 11 Uhr gesperrt.

Die Autorin schreibt für die Mitteldeutsche Zeitung, Halle.

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