Bankräuber in Eisenach erschossen sich selbst

Eine weitere Spur des Verbrechens im Norden von Eisenach führt außerdem zum Polizistenmord in Heilbronn. Die Polizei bestätigt den Zusammenhang mit der Hausexplosion in einem Stadtteil von Zwickau.

Bereitschaftspolizisten nahmen gestern jeden Zentimeter des Fluchtwegs der Eisenacher Bankräuber unter die Lupe und untersuchen sogar die Abfalltonnen in Stregda. Sie befragten Zeugen. Der Fall nimmt immer spektakulärere Ausmaße an. Foto: Sascha Willms

Bereitschaftspolizisten nahmen gestern jeden Zentimeter des Fluchtwegs der Eisenacher Bankräuber unter die Lupe und untersuchen sogar die Abfalltonnen in Stregda. Sie befragten Zeugen. Der Fall nimmt immer spektakulärere Ausmaße an. Foto: Sascha Willms

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Eisenach. Anwohner in Eisenach-Nord und "Am Schafrain" in Stregda kommen auch vier Tage nach dem brutalen Überfall auf die Wartburg-Sparkasse am Nordplatz nicht zur Ruhe. Einsatzkräfte der Bereitschaftspolizei haben am Montag die Flucht der Räuber bis ins beschauliche Stregdaer Wohngebiet noch einmal nachgestellt.

Da war bereits sicher, dass es sich bei den Leichen im Wohnmobil um die toten Bankräuber von Freitag handelt. Laut den Ermittlungen haben sich die 34 und 38 Jahre alten Männer, vermutlich deutscher Herkunft, selbst mit einer großkalibrigen Waffe erschossen.

Der Fall nimmt aber noch spektakulärere Ausmaße an. In dem Caravan hat die Polizei die Dienstwaffen der 2007 in Heilbronn erschossenen Thüringer Polizistin Michele Kiesewetter und ihres damals schwer verletzten Kollegen entdeckt.

Die Kriminalpolizei in Eisenach und Gotha hat zur Aufklärung eine Sonderkommission "Capron" eingerichtet.

Auch ist jetzt klar, dass die Toten für den Raubüberfall am 7. September in Arnstadt-West verantwortlich sind. Das teilte Polizeisprecher Marcel Ehrenreich mit. Auf diese Spur kamen die Ermittler auch, weil die Räuber ähnliche dunkle Jogginghosen wie beim Überfall in Arnstadt vor gut zwei Monaten getragen haben. Und weil sie bei ihrer Flucht wieder Fahrräder verwendet hatten.

Nach Informationen unserer Zeitung soll es bei dem Überfall am Freitag in Nord auch eine kurzzeitige Geiselnahme gegeben haben. Die Täter sollen mit gezogenen Waffen zwei Kunden in die Selbstbedienungszone gedrängt haben. Diese konnten zum Glück in einem unbeobachteten Moment fliehen.

Die Räuber ließen sich von einem Mitarbeiter in den Tresorraum führen, räumten den gesamten Geldschrank aus. Offensichtlich war ihnen die erbeutete Summe aber zu gering, worauf sie den Bankangestellten mit der Waffe niederschlugen. Er soll eine stark blutende Platzwunde davongetragen haben, heißt es.

Nach Informationen unserer Zeitung haben die Männer bei dem Überfall rund 70.000 Euro erbeutet. Danach flüchteten sie mit den Fahrrädern. Das besagte Wohnmobil hatten sie am Stadtweg an der ehemaligen Großdiskothek MAD geparkt. Sie warfen die Räder in den Caravan und fuhren in Richtung Wohngebiet "Wartburgblick". Ein Zeuge war am MAD auf das Fahrzeug aufmerksam geworden, weil es mit quietschenden Reifen losgeprescht war.

Bestätigt hat Marcel Ehrenreich gestern nun endlich auch, ebenso wie die Polizeidirektion Südwestsachsen, dass der Überfall in Eisenach und die Explosion des Wohnhauses im Zwickauer Stadtteil Weißenborn eng zusammenhängen. Anlieger aus Weißenborn hatten das Wohnmobil erkannt und die Polizei informiert. Demnach haben die Räuber hier, so der sächsische Polizeisprecher Oliver Wurdak, gut ein halbes Jahr gelebt. Es sei nach jetzigem Ermittlungsstand davon auszugehen, dass es sich bei den Männern "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit um die Wohnungsnutzer handelt".

Gegen 15 Uhr war am Freitag ein Teil des blassgelben Doppelhauses in der Zwickauer Frühlingsstraße durch die Explosion beschädigt worden. Es handelt sich um eine gute Wohngegend, heißt es. In einer gemeinsamen Pressemitteilung erklären die Staatsanwaltschaft in Zwickau und die sächsischen Ermittler, dass die Frau, die im Wohnumfeld der Frühlingsstraße unter dem Vornamen "Susann" bekannt ist, noch kurz vor der Detonation beim Verlassen des Hauses gesehen wurde. Sie wird jetzt per Haftbefehl gesucht. Spätestens heute soll ein Phantombild der 36-Jährigen veröffentlicht werden. Zu ihrer Identität hielten sich die Ermittler gestern aber noch bedeckt. Man geht jedoch davon aus, dass die Frau bei dem Überfall in Eisenach nicht dabei war.

Das Trio soll etwa ein halbes Jahr in Weißenborn gelebt haben, schilderte Wurdak. Ein Mieter hatte den Männern und der Frau die Wohnung in der Frühlingsstraße überlassen. Die sächsische Polizei geht davon aus, dass das Trio mehrere Identitäten benutzt hat. In welchem Verhältnis der Mieter mit seinen gefährlichen Untermietern stand, muss laut Wurdak noch geklärt werden. Man habe am Sonntag erstmals Kontakt mit dem Mann gehabt.

Ebenso wollen die Kriminalisten in Thüringen und Sachsen wissen, ob die Männer für weitere bisher ungeklärte Überfälle und natürlich den Tod der Thüringer Polizistin verantwortlich gewesen sein können.

Das Wohnmobil mit den zwei Toten wurde zur weiteren Untersuchung in die Kriminaltechnik gebracht. Dort seien, so Polizeisprecher Marcel Ehrenreich, bei einer Durchsuchung mehrere Zehntausend Euro gefunden worden.

Gestern hat die Sparkassenfiliale in Nord mit einer Notbesetzung wieder geöffnet. Alle vier Mitarbeiter, die den Überfall mit erlebten - darunter der verletzte Kollege - sind freiwillig auf Arbeit erschienen. Das sagte Sparkassen-Sprecherin Silvia Röhler. Die vier Kollegen werden noch psychologisch und von einer für solche Fälle ausgebildeten Ersthelferin der Wartburg-Sparkasse betreut. Direkt nach dem Überfall hatten sich die Vorstände Peter Bock und Harald Weiß vor Ort informiert. Laut Röhler werde die psychologische Betreuung aufrecht erhalten, so lange die Kollegen das wünschen.

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