Fälle von Hautkrebs in Thüringen dramatisch angestiegen

Erfurt  In Thüringen sind die Erkrankungen an „weißem“ und „schwarzem“ Hautkrebs zwischen 2007 und 2017 dramatisch angestiegen. Als ein möglicher Grund wird der Klimawandel angeführt.

Sonnencremes schützen.

Sonnencremes schützen.

Foto: Caroline Seidel/dpa

Die mit häufigeren und längeren Hitzeperioden verbundene Sonneneinstrahlung befeuert die Diskussion über eine bessere Hautkrebsvorsorge. In nahezu allen Bundesländern hätten sich die Erkrankungen zwischen 2007 und 2017 mindestens verdoppelt, teilte die Krankenkasse KKH anhand von Daten ihrer Versicherten mit. Als ein möglicher Grund wird der Klimawandel angeführt.

Beim „weißen Hautkrebs“ (Plattenepithelkarzinom) seien die ostdeutschen Bundesländer traurige Rekordhalter. „Thüringen steht mit einem Plus von 222 Prozent an zweiter Stelle, nach Sachsen mit 312 Prozent und vor Brandenburg mit 205 Prozent“, sagt der Thüringer KKH-Sprecher Sebastian Schulz. Fälle von „schwarzem Hautkrebs“ (malignes Melanom) nahmen in Thüringen um 81 Prozent zu, im Saarland sind es 138 Prozent.

An der Hautklinik des Uni-Krankenhauses in Jena verweist man auf die langen Latenzzeit von Hautkrebserkrankungen, die meist mehrere Jahrzehnte betragen. „Es besteht kein Zusammenhang zwischen Hitzeperioden (Temperatur) und der Entstehung von Hautkrebs, der im wesentliche UV-bedingt ist. So kann die UV-Strahlung im Hochgebirge trotz niedriger Temperaturen sehr hoch sein“, sagt Klinikdirektor Peter Elsner.

Licht und Schatten bei Prävention

Unabhängig von den letzten Hitzeperioden hätten Hautkrebserkrankungen über die vergangenen Jahrzehnte zugenommen. „Dies wird vor allem auf veränderte Freizeitaktivitäten zurückgeführt“, so Elsner. Während schwarzer Hautkrebs im wesentlichen mit Sonnenbränden in der Kindheit zusammenhänge, entstehe das Plattenepithelkarzinom in Abhängigkeit vom Ausmaß der UV-Belastung.

Hinsichtlich der Prävention sieht der Jenaer Hautspezialist Licht und Schatten. Auf Initiative der Dermatologen wurde der Besuch von Sonnenstudios für Minderjährige inzwischen verboten. Das 2008 eingeführte Hautkrebsscreening ermöglicht gesetzlich Versicherten ab 35 Jahren Hautchecks, die aber noch besser genutzt werden sollten. Der weiße Hautkrebs ist nun als Berufskrankheit bei Menschen anerkannt, die unter freiem Himmel arbeiten. Damit können sie zulasten der Unfallversicherung behandelt und entschädigt werden.

Keinen Erfolg hatte dagegen eine Initiative, wonach die UV-Vorsorge für Freiluft-Beschäftigte verbindlich festgeschrieben werden sollte. Der Empfehlung, dies in die jüngst auf den Weg gebrachte „Zweite Verordnung zur Änderung der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge“ aufzunehmen, sei der Bund nicht gefolgt.

Forderung von Dermatologen und Arbeitsmedizinern nach Pflichtvorsorge bisher nicht umgesetzt

„Leider wurde auf Druck der Arbeitgeber vor allem der Bauindustrie die Forderung von Dermatologen und Arbeitsmedizinern nach einer Pflichtvorsorge vom Bundesarbeitsministerium bisher nicht umgesetzt. Eine große Chance im Arbeitsschutz für Beschäftigte im Freien wurde somit verspielt“, sagt Peter Elsner.

An Kindergartenkinder wendet sich die Aktion SunPass der Thüringischen Krebsgesellschaft. In sogenannten Sonnenschutz-Kindergärten lernen so bereits die Kleinen, wie man sich vor übermäßiger UV-Bestrahlung schützt. Weitere Kindergärten kommen ständig hinzu.

Tipps für den richtigen Sonnenschutz:

  • Am besten schützt man Körper und Haut damit, die Mittagssonne zwischen 11 und 15 Uhr zu meiden. Lange und weite, engmaschig gewebte Kleidung bietet zusätzlichen Schutz gegen Hautkrebs. Auch Sonnenschutzcremes sind bei starker Sonneneinstrahlung wichtig – diese nicht nur in ausreichender Menge verwenden, sondern auch regelmäßig nachcremen. Vor allem bei heller Haut sollte man zu Produkten mit Lichtschutzfaktor 50 greifen. Auch bei bewölktem Himmel auf Sonnenschutz achten, denn bis zu 90 Prozent der gefährlichen UV-Strahlung dringen durch die Wolkendecke. Quelle: UKJ, KKH

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