1225 Jahre Kölleda: Glockenguss als große Attraktion

Kölleda. Die Zunftstraße mit 84 Ständen gab am Sonnabend in Kölleda Einblicke in den Handwerkeralltag. Der nächtliche Glockenguss lockte Hunderte von Schaulustigen auf das Rittergut.

Höchste Konzentration war gefragt, als Josef Flier und Sohn Jascha . Uhr vor unzähligen Zuschauern die Stadtglocke gossen. Foto: Peter Hansen

Höchste Konzentration war gefragt, als Josef Flier und Sohn Jascha . Uhr vor unzähligen Zuschauern die Stadtglocke gossen. Foto: Peter Hansen

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Im Jubiläumsjahr war aus dem Wippertusfest eine Zunftstraße geworden, die am Samstag sehr viele Besucher in die Stadt zog. Die Fäden hatten dabei Heide Stottmeier, Marlen Friedrich und Achim Götte in der Hand, die am frühen Abend leicht geschafft, aber überglücklich waren.

„Das Besondere war diesmal, dass nicht der Handel, sondern die Vorführungen im Vordergrund standen. Gut war, dass der Bürgermeister die Hauptstraße sperren und den Verkehr umleiten konnte. Dadurch war alles viel entspannter. Nächstes Jahr werden wir 20 Jahre Handwerker- und Gewerbeverein feiern − vielleicht können wir da an diese Form des Marktes anknüpfen“, blickte Geschäftsinhaber Achim Götte voraus.

HGV-Vorsitzender Christian Beck ist eher vorsichtig: „Wir wollen keine falschen Hoffnungen wecken. Die Zunftstraße war fantastisch, aber auch sehr aufwendig“. Insgesamt konnten 84 Stände präsentiert werden, an denen ortsansässige Gewerbetreibende, aber auch angereiste Händler und Handwerker Interessantes boten.

Burghardt Hölzel und Ronny Vogt, Zimmermänner aus der Oberlausitz, zeigten, wie sie auf traditionelle Weise aus einem Baumstamm einen stattlichen Balken herausarbeiten. Am Ende reichte Burghardt Hölzels Puste noch für ein respektables Trompetensolo. Natürlich ist bei so einer Präsentation so manches nur noch Folklore.

„Die Zünfte sind ganz stark rückläufig. Der Meister hat nicht mehr den Stand wie einst, und viele Berufe sind freigegeben“, sagte Christian Beck, ein viel gefragter Uhrmachermeister und Glockenspezialist.

Kölledas Hufschmied Jürgen Pohlmann, in fünfter Generation Chef einer Schmiede, die auf das Jahr 1852 zurückgeht, tat am Samstag auf dem Markt, was zu seinem Alltag gehört − er verpasste vier Pferden, allesamt seine eigenen, neue Hufeisen. Gleich in der Nachbarschaft bot Apothekerin Yvonne Heinze, Inhaberin der Wippertus- Apotheke, an ihrem schön ausstaffierten Stand (dank der Unterstützung durch Familie Herb von der Altenbeichlinger Mühle) Produkte, die längst nicht mehr für ihr Geschäft typisch sind − Pfefferminzpillen, Zahnputzpulver und Kräutersalz. Für und mit Kindern wurden außerdem unzählige Haarkränzchen geflochten.

Ein Erfolg war der Tag auch für die Kirchgemeinde, die 31 selbstgebackene Kuchen anbot und so Geld für die Treppe zum Hochaltar sammelte. Am Ende musste Heidrun Spittel mehrfach die Kirchtür aufschließen, weil Besucher noch schnell einen Blick in St. Wigbert werfen wollten. Für dessen neues Bronze-Geläut wurde 22.30 Uhr auf dem Rittergut die 180 Kilo schwere Stadtfestglocke gegossen, unter großer öffentlicher Anteilnahme (800 Menschen) und mit dem Segen von Pfarrer Joachim Justus Breithaupt.

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