In ihrem Heimatland werden Besucher mit grünem Tee bewirtet

Weimar  Mahri Böck aus Turkmenistan lebt in Kranichfeld und registriert aufmerksam Unterschiede (Teil 2 und Schluss)

Mahri Böck aus Kranichfeld ist Journalistin.

Foto: Christiane Weber

Die turkmenische Journalistin Mahri Böck machte ein Praktikum in der Lokalredaktion Weimar. In zwei Beiträgen schildert sie ihre Eindrücke:

Als ich an der roten Fußgängerampel stehen bleibe, wundere ich mich, dass keiner sich traut, die Straße zu überqueren, obwohl kein Fahrzeug zu sehen ist. Im Übrigen fällt mir auf, dass die Menschen trotz frühlingshaften Wetters sehr warm bekleidet sind, und mir wird in diesem Augenblick bewusst, wie warm es gleichzeitig in meiner Heimat ist. 21 Grad sind in meiner Heimat. Auf dem Weg vom Bahnhof in die Stadt begegnen mir mehrmals Fahrradfahrer. Das ist auch etwas, das ich bisher nicht gewohnt war. Radfahren konnte ich bis vor wenigen Monaten nicht. Ich habe es in Kranichfeld gelernt. Als ich das erste Mal mit meinem Fahrrad auf der Straßen entlangrollte, habe ich mich gefreut wie ein kleines Kind. Weil in meinem Heimatdorf alle turkmenischen Frauen bis zu den Fußknöcheln reichende traditionelle Kleider tragen, ist Radfahren bei uns nicht üblich. Man könnte das Kleid beim Radfahren zwar hochziehen, doch das wäre in unserer Kultur nicht angemessen.

In der Redaktion trinke ich Kaffee, wenn ich dazu zu Hause keine Zeit gehabt habe. Ein sehr beliebtes Getränk in Deutschland. Kaffeemaschinen gibt es hier überall. An Arbeitsplätzen, in Studentenwerken, im Haushalt. Als ich erstmals in unserem Studentenwerk an der TU Ilmenau Kaffeemaschinen gesehen habe, wusste ich gar nicht, wie man sie benutzt. In Turkmenistan ist unser Lieblingsgetränk grüner Tee. Im heißen Sommer trinken wir ihn kalt als Eistee, aber ohne jegliche Zusatzstoffe. Wenn man in Deutschland eingeladen wird, gibt es wahrscheinlich Kuchen mit Bohnenkaffee. In unserer Heimat dagegen eine Schale grünen Tee mit Teebecher. Aufgefallen ist mir auch, dass man in Deutschland nicht ohne Einladung zu Besuch kommen und dann wie in Turkmenistan zum Abendessen bleiben kann.

In der Dämmerung fahre ich mit dem Zug zurück nach Kranichfeld. Schon ein paar Mal habe ich aus dem Zugfenster Rehe gesehen, häufig zwischen Legefeld und Bad Berka. In Turkmenistan haben wir Gazellen in der Wüste, doch ich habe sie noch nie gesehen. Dafür viele Schlangen, Warane, Spinnen und Skorpione. Wie viele andere Wüstentiere sind sie sehr giftig. Nachts hörten wir immer das Geheul der zum Dorf kommende Schakale.

Zu Hause machen wir Pläne fürs Wochenende. Während wir in Turkmenistan sonntags shoppen gehen, das volkstümliche Wort für Sonntag ist in turkmenisch Bazargün („Tag des Basars“), sind in Deutschland alle Geschäfte und Einkaufszentren geschlossen.

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