Jenaer Wissenschaftler klärenGenom des Schwarzen Todes auf

Jena  Ein Forscherteam des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Jena identifiziert mittelalterliches Pest-Bakterium.

Der Fund von Altenerding-Klettham: In einem Münchner Institut werden die bei archäologischen Grabungen geborgenen menschlichen Relikte aus dem Frühmittelalter aufbewahrt. Foto: Museum Erding

Der Fund von Altenerding-Klettham: In einem Münchner Institut werden die bei archäologischen Grabungen geborgenen menschlichen Relikte aus dem Frühmittelalter aufbewahrt. Foto: Museum Erding

Foto: zgt

Dem fürchterlichsten Killer-Bakterium aller Zeiten sind Wissenschaftler des Jenaer Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte hart auf den Fersen: dem Schwarzen Tod.

Im Mittelalter breitete sich diese Form der Pest mit rasender Geschwindigkeit pandemisch aus; in Europa forderte die Seuche seriösen Schätzungen zufolge 25 Millionen Tote – ein Drittel der gesamten Bevölkerung. Schwere Epidemien sind schon aus früherer Zeit bekannt: Im 6. Jahrhundert grassierte die sogenannte Justinianische Pest, vom Vorderen Orient ausgehend, ebenfalls in Europa – mit weltweit 50 Millionen Opfern.

Diesen Erreger – Yersinia pestis – hat ein Jenaer Forscherteam um Professor Johannes Krause jetzt erstmals aus einem bereits vor 50 Jahren auf einem bayerischen Friedhof geborgenen Skelett isolieren und genetisch aufklären können. Sie stellten fest, dass es sich um dasselbe Bakterium handelt, das im 14. Jahrhundert abermals auftauchte, den Kontinent verheerte und Panikreaktionen auslöste – darunter schreckliche Pestpogrome. Warum das Bakterium zwischenzeitlich für Jahrhunderte von der Bildfläche verschwand, bleibt vorerst ein Rätsel.

Krause, Michal Feldmann und die anderen Paläogenetiker aus Jena arbeiteten dabei eng mit Kollegen aus der Staatssammlung für Anthropologie und Paläoanatomie in München zusammen. Dort werden unter anderem zwei Skelette aus dem 6. Jahrhundert aufbewahrt, welche in den 1960er-Jahren bei archäologischen Grabungen aus dem Reihengräberfeld in Altenerding-Klettham geborgen wurden. Schon damals war aufgefallen, dass ein junger Mann mit einer Frau die letzte Ruhestätte teilte. Diese völlig unübliche Praxis erklärt sich offenbar aus der gebotenen Eile bei der Bestattung.

In einem hoch komplizierten genetischen Verfahren ist es den Jenaer Experten gelungen, aus dem DNA-Material des männlichen Skeletts das Genom des Yersinia-pestis-Erregers zu isolieren. Auf solche Verfahren für alte DNA, gestützt von Spitzentechnologie, sind die Jenaer spezialisiert. Krause war schon an der Entschlüsselung des Neandertaler-Genoms am Leipziger Max-Planck-Institut beteiligt.

Nun konzentriert er sich in Jena auf die jüngere Menschheitsgeschichte. Ein Spezialgebiet dabei sind "historische" Mikroorganismen – vor allem, wenn sie das Schicksal des Menschengeschlechtes beeinflussten.

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