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Heizung auf Wärmepumpe umsrüsten: So hoch sind Ihre Kosten

| Lesedauer: 9 Minuten
Die Kosten für eine Wärmepumpe werden von verschiedene Faktoren beeinflusst. Was auf Eigentümer in etwa zukommt, lesen Sie hier.

Die Kosten für eine Wärmepumpe werden von verschiedene Faktoren beeinflusst. Was auf Eigentümer in etwa zukommt, lesen Sie hier.

Foto: iStock/Creativebird

Berlin.  Die Heizung auf die Wärmepumpe umrüsten – wie teuer wird es für Verbraucher tatsächlich? Eine Musterrechnung schafft Klarheit.

  • Die Wärmepumpe ist bei der Wärmewende in aller Munde: Doch oftmals schrecken Hausebesitzer noch vor den hohen Kosten in der Anschaffung zurück
  • Doch sind die wirklich so hoch? Mit welchen Anschaffungs- und Installationskosten müssen Hausbesitzer rechnen?
  • Eine einfache Rechnung schafft Klarheit

Vom Verkehr über die Wirtschaft bis zum privaten Haushalt – die Energie- und damit einhergehend die Wärmewende betrifft fast alle Bereiche in unserem Leben. Das Ziel der Politik: Deutschland soll bis 2045 klimaneutral werden – hier ist sich die Ampel-Koalition einig. Nur über das "Wie" wird viel gestritten. Das hat sich jüngst in der Debatte um das Heizungsgesetz gezeigt. Weg von der klassischen Gas- oder Ölheizung und in Zukunft auf klimafreundliche Alternativen wie die Wärmepumpe setzen – allen voran die Kosten sind hier der Casus Knaxus.

Heizung ab 2024: Kosten einer Wärmepumpe – wie viel die Umrüstung in der Praxis kostet

Die Wärmepumpe ist mit die kostspieligste Öko-Heizung – dafür aber in vielen Bereichen einsetzbar. Selbst im Altbau kann eine Wärmepumpe die Lösung sein. Ein simpler Test schafft Klarheit – und zeigt die Effizienz der Wärmepumpe in einem Haus. Doch unabhängig der Effizienz oder Machbarkeit ist die Frage nach den Kosten für eine neue Wärmepumpe für viele Eigentümer oft die drängendere. Viele Produzenten oder Fachportale nennen meist Referenzwerte – die beziehen sich aber in der Regel nur auf die Anschaffungs- und Installationskosten.

Das Öko-Zentrum NRW – ein Beratungsunternehmen mit Schwerpunkt auf ökologischem Bauen und Sanieren – hat diese Kostenfrage in einer Analyse für das "Handelsblatt" auf die Praxis übertragen. Konkret haben die Experten drei Haustypen untersucht und die Investitionskosten für den Umstieg von einer Öl- oder Gasheizung auf eine Wärmepumpe berechnet. In ihren Musterrechnungen wurden die Förderungen für eine neue Heizung außer Acht gelassen. Doch die Musterrechnungen können dennoch eine Orientierung sein – ein Überblick:

Gebäudetyp Heizung Wärmepumpe Kosten
Einfamilienhaus (unsaniert) Ölheizung Luft-Wasser-Wärmepumpe 35.000 Euro
Einfamilienhaus (unsaniert) Nachtspeicherheizung Luft-Wasser-Wärmepumpe 57.500 Euro
Wohnung im Mehrfamilienhaus Gasetagenheizung Luft-Wasser-Wärmepumpe 9000 Euro
Wohnung im Mehrfamilienhaus Gasetagenheizung und dezentrales Warmwasser Wärmepumpe mit elektrischer Warmwasseraufbereitung 20.000 Euro
Mehrfamilienhaus (6 Wohneinheiten) Ölheizung Luft-Wasser-Wärmepumpe 65.000 Euro
Mehrfamilienhaus (6 Wohneinheiten) Stromheizung und dezentrales Warmwasser Wärmepumpe mit elektrischer Warmwasseraufbereitung 155.000 Euro

Wärmepumpe in Bestands- und Altbauten: Energieexperte rät zu dieser günstigen Alternative

Der Blick in die Tabelle zeigt: Insbesondere die Umrüstung alter Systeme wie der Nachtspeicherheizung auf die Wärmepumpe ist mit Kosten über 50.000 Euro verbunden. Ist in solchen Fällen die Investition in eine Wärmepumpe noch sinnvoll? Oder sind Alternativen wie die Hybrid- oder Pelletheizung in solchen Gebäuden vielleicht sogar kostengünstiger? Wir haben im Öko-Zentrum NRW nachgefragt. Bernd Winterseel – Teamleiter im Bereich Energieeffizienz – bestätigt:

"Es gibt immer mehrere Optionen, erneuerbare Energien zur Wärmebereitstellung nutzen." Gerade in den genannten Beispielen – wo eine Zentralheizung fehlt – können sogenannte Luft-Luft-Wärmepumpen eine Lösung sein. Schon vor wenigen Wochen hatten wir über die Wärmepumpe – oft auch als Klima-Splitgerät bekannt – für unter 5000 Euro berichtet. Ein Haken an der Technologie ist die fehlende Aufbereitung von Warmwasser. "Hier wäre zusätzlich eine Warmwasser-Wärmepumpe oder ein klassischer Durchlauferhitzer eine ergänzende Lösung."

Alte Heizung im Altbau tauschen: Wärmepumpe mit Durchlauferhitzer – über 25.000 Euro sparen

Die Kosten für eine Luft-Luft-Wärmepumpe kombiniert mit einer Warmwasser-Wärmepumpe oder einem Durchlauferhitzer können laut Winterseel für ein Einfamilienhaus mit 130 Quadratmeter bei circa 30.000 Euro liegen. Im Vergleich zu der Lösung Nachtspeicherheizung auf Luft-Wasser-Wärmepumpe wären Betroffene mit der Luft-Luft-Wärmepumpen-Kombi rund 27.000 Euro günstiger dabei. In Asien seien die Luft-Luft-Systeme schon weitverbreitet – auch, weil sie im Sommer als Klimagerät genutzt werden können.

Die vom Öko-Zentrum NRW errechneten Werte sind laut Martin Brandis von der Energieberatung der Verbraucherzentralen durchaus realistisch und entsprechen den Preisen, die aktuell aufgerufen werden. Allerdings sind die Endkosten von einer Vielzahl von Faktoren abhängig. Dazu zählen etwa Kosten für die Sanierung oder Optimierung. Brandis: "Für die optimale Nutzung einer Wärmepumpe ist eine Fußbodenheizung heute nicht mehr zwingend erforderlich." Größere Heizflächen könne aber die effizient steigern und somit den Energieverbrauch senken.

Und die Hybrid- oder Pelletheizung? Im oben genannten Fall mit der Nachtspeicherheizung seien diese beiden Optionen nicht kostengünstiger. Winterseel: "Für diese Systeme wird ebenfalls ein klassisches Heizsystem benötigt." Bedeutet: Verbraucher müssen neben der Heizung auch in Leitungen und Co. Geld investieren. Die Pellet- oder Hybridheizung ist damit eher für Eigentümer mit einem bestehenden Heizsystem – etwa von einer Gas- oder Ölheizung – interessant.

Neue Heizung im Bestands- und Altbau: Wärmepumpe eine Option? Ein Wert ist entscheidend

Ein großer Kostenfaktor ist neben der eigentlichen Heizung das Thema Sanierung. Diese Kosten haben die Analysten im Fall der Nachtspeicher- und der Gasetagenheizung in ihrer Kalkulation berücksichtigt. Winterseel: "Doch auch in Gebäuden – die schon über ein klassisches Heizsystem verfügen – kann es sinnvoll sein, einzelne Heizkörper zu tauschen." Das Ziel: Die Systemtemperatur (Vorlauftemperatur) senken und damit die Effizienz der Heizung erhöhen. "Oft reicht es, nur ein paar Heizkörper zu wechseln, um die Effizienz signifikant zu steigern."

Die Vorlauftemperatur können Verbraucher mithilfe eines simplen Tests ermitteln. Im Idealfall liegt der Wert zwischen 50 und 55 Grad. Bei höheren Werten sollten Eigentümer handeln und sich über Maßnahmen beraten lassen. Neben größeren Heizkörpern können auch isolierte Fenster oder Decken eine rasche und kostengünstigere Lösung sein. Die Sanierungsmaßnahmen müssen auch nicht immer alle sofort erfolgen – auch Schritt-für-Schritt-Sanierungspläne sind eine Möglichkeit, um schlagartig hohe Kosten zu vermeiden.

Wärmepumpe auch im Altbau eine Option: Experte sicher – Voraussetzungen kann man schaffen

Und falls doch ein Heizungstausch ansteht – etwa, wenn die Öl- oder Gasheizung von der gesetzlichen Austauschpflicht betroffen ist? Die Energieexperten vom Öko-Zentrum NRW raten dann primär zur Wärmepumpe – doch warum? Winterseel: "Wärmepumpen sind die Heiztechnik mit dem größten Effekt auf den Klimaschutz." Zudem können die Systeme überall zum Einsatz kommen. Auch im Altbau ist eine Wärmepumpe eine Option – worauf zu achten ist und was für Kosten auf Eigentümer zukommen.

Ein Grund für die kontroversen Debatten rund um die Wärmepumpe sieht Winterseel in der komplexeren Integration von Wärmepumpen in bestehende Systeme. "Hier muss man über den Heizungskeller hinaus denken, was bislang nicht die Aufgabe der meisten Installateure war." Die Voraussetzungen können aber geschaffen werden – das zeige der hohe Anteil von 70 Prozent Wärmepumpen in Neubauten. Trotzdem sollten Eigentümer sich über alle verschiedenen Optionen informieren – in Neu-, aber auch Bestandsimmobilien.

Ölheizung tauschen: Für diese Alternativen gibt es eine Förderung
Ölheizung tauschen: Für diese Alternativen gibt es eine Förderung

Heizung tauschen: Energieexperten raten oft zur Wärmepumpe – was hier bedacht werden muss

Das Öko-Zentrum NRW rät zu einer unabhängigen Beratung – dafür bieten sich Energieberater oder auch Energieexperten der Verbraucherzentrale an. Winterseel: "Grundsätzlich kann man aber sagen, dass eine Wärmepumpe in Neu- oder auch Bestandsbauten problemlos integriert werden kann." Ein fast identisches Fazit hat vor einigen Wochen auch Benjamin Weismann – Bundesgeschäftsführer vom Energieberaterverband GIH – gezogen. Zu was für einer neuen Heizung der Energieexperte rät und was Eigentümer beachten müssen.

Auch Martin Brandis legt Verbrauchern eine gute Beratung ans Herz. Dafür bieten die Verbraucherzentralen neben persönlichen Beratungen auch Online-Vorträge an. Nach dem großen Nachfrage-Ansturm in der Debatte um das Heizungsgesetz seien jetzt auch wieder Beratungstermine verfügbar. "Sinnvoll sind auch mehrere Angebotsanfragen." Den neben den Gesamtkosten sind bei der Investition in eine Wärmepumpe auch die enthaltenen Leistungen relevant. Das kann etwa ein hydraulischer Abgleich nach erfolgter Installation sein.

Generell ist zu beachten: Die Kosten für eine neue Heizung sind sehr individuell. Faktoren wie die Preise der lokalen Fachbetriebe oder Kosten für eine Sanierung oder Umbaumaßnahmen lassen sich pauschal schwer beziffern. In ihren Berechnungen haben die Analysten vom Öko-Zentrum versucht, möglichst viele Preisfaktoren abzudecken. Trotzdem sind es Richtwerte – im Einzelfall können die Kosten abweichen. Nicht berücksichtigt wurden zudem die Förderungen für eine neue Heizung.

Förderung für eine neue Heizung: Staatliche Hilfen nicht vergessen – was für Zuschüsse es gibt

Die staatlichen Zuschüsse sollten jedoch immer bedacht werden. Denn im Hinblick auf das geplante Förderkonzept ab 2024 sind Zuschüsse von bis zu 70 Prozent der Gesamtkosten möglich. Gerade bei einer Investition in eine Wärmepumpe sind die staatlichen Förderungen eine Stütze – auch, wenn es nicht der höchstmögliche Fördersatz von 70 Prozent sein sollte. Neben den Zuschüssen gibt es von der Förderbank KfW zudem zinsgünstige Kredite für Sanierungen – auch hier lohnt sich die Prüfung.