Warum Mittel gegen Sodbrennen Allergien fördern können

Wien  Magensäureblocker helfen unter anderem gegen Sodbrennen. Laut einer Studie könnten sie auch Allergien fördern – vor allem bei Frauen.

Verschiedene Tabletten gegen Sodbrennen, Aufstoßen oder Magenschmerzen. Laut einer Studie sollen sie Allergien fördern (Symbolbild).

Verschiedene Tabletten gegen Sodbrennen, Aufstoßen oder Magenschmerzen. Laut einer Studie sollen sie Allergien fördern (Symbolbild).

Foto: Susann Prautsch/dpa

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Magensäureblocker erhöhen einer Studie zufolge das Risiko für Allergien. Das berichten österreichische Forscher nach der Auswertung von Krankenkassen-Daten.

Menschen, denen Medikamente gegen Magensäure verschrieben wurden, bekamen demnach in den Jahren darauf häufiger auch Medikamente gegen Allergien. Ein deutscher Experte rät daher dazu, die Mittel nicht unbedarft zu nehmen.

Magensäureblocker sind weit verbreitete Medikamente, die zum Beispiel bei Sodbrennen und Aufstoßen sowie Entzündungen des Darms oder der Speiseröhre eingesetzt werden, aber auch begleitend zum Beispiel bei der Einnahme von Schmerzmedikamenten.

Sodbrennen-Mittel sollen Allergien fördern – vor allem Frauen betroffen

Die Forscher um Galateja Jordakieva von der Universität Wien hatten Daten österreichischer Krankenversicherungen ausgewertet. Sie boten Einblick in die Behandlung von mehr als 8,2 Millionen Patienten, was nahezu der gesamten österreichischen Bevölkerung entspricht. Die Wissenschaftler prüften, wie oft die Menschen zwischen 2009 und 2013 bestimmte Medikamente verschrieben bekamen.

Dabei zeigte sich ein Zusammenhang zwischen zwei Erkrankungen: Die Wahrscheinlichkeit, ein Allergiemedikament zu benötigen, war bei Patienten, die schon einen Magensäureblocker verordnet bekommen hatten, zweimal so hoch wie bei anderen Patienten.

Besonders stark waren demnach Frauen von der erhöhten Allergiegefahr betroffen, zudem auch ältere Menschen, berichtet das Team im Fachmagazin „Nature Communications“.

Dabei machte es keinen Unterschied, welches Medikament verschrieben wurde. Da Magensäureblocker auf ganz unterschiedliche Weise wirken, vermuten die Forscher, dass ihr Effekt – der veränderte Säurewert (pH) im Magen – für die Allergien verantwortlich ist.

Magensäureblocker sollen wieder abgesetzt werden

Proteine, die über die Nahrung aufgenommen werden, könnten demnach im Magen nicht mehr so gut zerlegt werden und dann Allergien hervorrufen. Es könnte auch sein, so die Forscher, dass die Medikamente Signalwege aktivieren, über die Allergien ausgelöst werden.

Ulrich Fölsch vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein rät, Magensäureblocker nicht unbedarft zu nehmen. „Das sind sehr gute Medikamente, welche bei einigen Patienten die Lebensqualität erheblich verbessern können, wobei die Nebenwirkungen sich in einem überschaubaren Rahmen bewegen.“ Sie sollten aber nicht vorsorglich, zum Beispiel grundsätzlich zu Schmerztabletten, eingenommen werden.

Außerdem sollten Magensäureblocker nach einiger Zeit wieder abgesetzt werden, so Fölsch. Manche nähmen sie jahrelang ein. „Wir haben einen Zusammenhang mit Allergien zwar bisher nicht gesehen, aber die Studie zeigt das auf und interessanterweise ganz unabhängig davon, welches Medikament zur Hemmung der erhöhten Magensäure genommen wird.“

Millionen bekommen Magensäureblocker verordnet

Schon seit einigen Jahren kritisieren Experten, dass Magensäureblocker zu oft und leichtfertig verschrieben würden. Laut Zahlen der Barmer Krankenversicherung bekamen im Jahr 2018 rund 11,5 Millionen Versicherte in Deutschland eine Verordnung von Magensäureblockern. Die sogenannten Protonenpumpenhemmer sind zudem auch rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Einige Apotheker waren derzeit, dass Lieferengpässe bei Arzneimitteln zunehmen. Indes stellt vor allem für ältere Menschen eine Mixtur aus mehreren Medikamenten ein Problem dar: Bei der Pflege Angehöriger kann ein Medikamenten-Mix zur Gefahr werden.

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