Ausbruch des Vesuv

Italien: Fund in Pompeji enthüllt geheime Rituale der Antike

Sebastian Kohler
| Lesedauer: 3 Minuten
Der Vulkanausbruch von Pompeji

Der Vulkanausbruch von Pompeji

Der Vulkanausbruch von Pompeji fasziniert seit Jahrhunderten die Menschen. Ein neuer grausamer Fund zeigt das Ausmaß der Katastrophe.

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Berlin.  Eine 2000 Jahre Schmuckschatulle, die im zerstörten Pompeji ausgegraben wurde, deutet auf obskure Rituale hin. Waren Hexen am Werk?

  • Seit ihrer Entdeckung fasziniert die antike Stadt Pompeji Archäologie-Fans auf der ganzen Welt
  • Durch einen Vulkanausbruch verschüttet blieben viele Artefakte dort ungewöhnlich gut erhalten
  • Ein neuer Fund ermöglicht nun besondere Einblicke in das Leben vor 2000 Jahren

In Italiens berühmtester Ausgrabungsstätte beflügelt ein aufsehenerregender Fund heidnische Fantasien. Im vor 2000 Jahren von einem Vulkanausbruch ausradierten Pompeji entdeckten Archäologen eine Schmuckschatulle mit sonderbaren Devotionalien. Von Asche begraben, konservierte die Truhe Amulette, Statuetten, Schmuck und Talismane. Das Ausgrabungsintitut geht davon aus, dass die Fundstücke für rituelle Zeremonien, der Wahrsagung und zur Vermeidung von Unglück fungierten.

Magische Artefakte, Miniatur-Penisse, Götzenbilder: Die Werkzeugkiste eines Magiers?

Rund 100 Artefakte förderten die Archäologen zutage. Darunter befinden sich Miniaturen von Penissen, orientalische Hirschkäfer, Knöpfe, Schmuck aus Knochen und Quarzgestein, Perlen, Kristalle und Amulette. Auch Bernstein und Glasscheiben mit eingearbeiteten Götzenbildern des griechischen Gottes des Weins und der Fruchtbarkeit, Dionysos, befanden sich darunter. Von früheren Schmuckfunden unterscheidet die Sammlung, dass kein verarbeitetes Gold entdeckt wurde.

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Dabei befand sich die Schatulle im "Haus des Giordano", einer herrschaftlichen Villa im Abschnitt V der Ausgrabungsstätte. Das Haus, das eine einflussreiche Familie beherbergte, ist ausgestattet mit aufwendigen Fresken und weitläufigen Balkonen. Daher geht Massimo Osanna, Direktor der Ausgrabungsstätte Pompeji, davon aus, dass die Schatulle einer Sklavin oder Bediensteten gehörte. Die entdeckten Devotionalien seien außergewöhnlich, da sie Einblick in "Biografien der Stadtbewohner" lieferten, bevor sie vor dem Vulkanausbruch flohen.

Archäologen finden einen Leichenberg im "Skelettraum" und das Datum der Katatstrophe

Womöglich offenbart die Truhe den "Werkzeugsatz eines Magiers", wie das Ausgrabungsinstitut in einer Pressemitteilung bekannt gab. Einige der Objekte in der Ruinenstadt am Fuße des Vesuv fungierten wahrscheinlich in Fruchtbarkeitsritualen oder waren Behelfsmittel für Wahrsagerei. Auch Talismane, die zur Beschwörung von Glück geeignet waren, wurden in der verwitterten Schatzkiste identifiziert.

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Das "Casa del Giordano", benannt nach seiner üppigen Gartenanlage, offenbarte bei der Aushebung weitere spektakuläre Funde. Neben gewaltigen Wandmosaiken, die Gottheiten und vermutlich die Hausherrin abbildeten, wurde das "Gartenhaus" zum Massengrab. Im sogenannten "Skelettraum" fanden zehn Menschen den Tod. Außerdem konnten Archäologen dank einer Inschrift mit Holzkohle den Untergang Pompeijs von August auf den 17. Oktober 79 datieren.

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Rund 45.000 fanden in Lava und heißem Rauch den Tod

Von der hölzernen Schatulle ist kaum etwas geblieben. Lediglich die brozenen Scharniere überdauerten die Zeit seit dem verheerenden Ausbruch des Vesuv, an dessen Fuß heute die Millionenstadt Neapel liegt. Doch die darin verwahrten Gegenstände, durch vulkanische Asche über Jahrtausende konserviert, werfen ein neues Licht auf das kulturelle und religiöse Leben in der einstigen Mittelmeer-Metropole.

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Im Jahr 78 nach Christus fegte ein pyroklastischer Strom von glühender Lava über die Stadt am Golf von Neapel und vernichtete das Zuhause von Schätzungsweise 45.000 Menschen. Unter meterdicker Asche konserviert, dient die Geisterstadt heute als Freilichtmuesum und gewährt mit immer neuen Ausgrabungen Einblicke in das Leben zur Zeit des antiken Roms.