Forscher: Informationsbereitschaft zu Corona könnte sinken

Wissenschaftler der Erfurter Universität untersuchen Kommunikation zwischen Behörden, Ärzten und Bürgern zum Corona-Virus.

(Symbolbild)

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Foto: Robert Michael / dpa

Das Forscherteam um Constanze Rossmann, Professorin für Kommunikationswissenschaft mit Schwerpunkt Soziale Kommunikation an der Universität Erfurt, untersucht das Zusammenspiel zwischen behördlicher, medialer und Social Media-Kommunikation und dem Informationsverhalten von Ärztinnen und Ärzten und der Bevölkerung im Rahmen der Coronavirus-Pandemie. Alle aktuellen Entwicklungen in Thüringen in unserem Corona-Liveblog

Online befragt werden mehr als 1000 Personen ab 18 Jahren zu zwei Zeitpunkten. Die Ergebnisse der ersten Befragungswelle wurden am Donnerstag veröffentlicht.

Danach ist das Vertrauen in zuständige Ministerien und Gesundheitsinstitutionen, die Ausbreitung des Coronavirus zu minimieren und die Bevölkerung vor dem Virus zu schützen, in der Bevölkerung hoch. Wissensfragen zu Schutzmaßnahmen seien überwiegend richtig beantwortet worden. Verbesserungspotenzial sehen die Wissenschaftler bei der Husten-und-Nies-Ettikette (32% falsche Antworten) oder bei der richtige Kontaktaufnahme mit Ärztinnen und Ärzten im Falle von Krankheitszeichen (knapp 25% falsche Antworten). „Dennoch ist die deutsche Bevölkerung mehrheitlich der Meinung, bereits genug über das Coronavirus zu wissen, um sich schützen zu können“, sagt Rossmann. junge und Alte denken allerdings unterschiedlich über Wissen und Verhalten zu Corona. Während Jüngere angaben, mehr Informationen zu haben als sie benötigen, um mit dem Coronavirus umgehen zu können, nähmen Ältere ihr vorhandenes im Vergleich zum benötigten Wissen als geringer wahr. Altersbedingte Unterschiede machen sich auch in Bezug auf das berichtete Verhalten während der vergangenen zwei Wochen bemerkbar. Demnach haben die Älteren mehr als die Jüngeren einen Abstand von 1 bis 2 Metern zu anderen Personen eingehalten.

Bei den Verhaltensweisen stellten die Forscher Unterschiede zwischen Jungen und Alten fest. Insgesamt sind Wissen, Vertrauen in die Behörden und das Informationsverhalten zum Coronavirus stark ausgeprägt, auch die Verhaltensempfehlungen zum eigenen Schutz werden weitgehend eingehalten. Laut Forscherteam sie der wahrgenommene Wissensstand jedoch bereits nahezu gesättigt, weshalb es denkbar ist, dass die Informationsbereitschaft in nächster Zeit eher rückläufig sein wird. „Das wahrgenommene Wissen im Vergleich zum wahrgenommenen benötigten Wissensstand ist sehr hoch. Daher besteht die Gefahr einer Informationsüberfrachtung und Informationsvermeidung“, sagt Rossmann. Die wichtigsten Informationskanäle sind Fernsehen, Gespräche mit Familie und Freundinnen bzw. Freunden und das Internet. Medizinische Expertinnen und Experten sind als Quelle für Gesundheitsinformationen im Vergleich zu Nicht-Krisenzeiten von geringerer Bedeutung, was sich durch den fehlenden Arztkontakt erklären dürfte.

Auch konkrete Handlungsempfehlungen leiten die Wissenschaftler bereits aus ihrer ersten Befragungswelle ab. So zeige sich Verbesserungsbedarf in der zielgruppenspezifischen Kommunikation für Jüngere und Menschen mit geringerer Gesundheitskompetenz: „Damit auch sie Informationsangebote wahrnehmen, sollten diese gezielt aufbereitet werden, etwa durch digitale Angebote wie YouTube-Videos, Edutainment-Ansätze, Spiele sowie einfache Sprache und grafische Darstellung“, sagt Rossmann. Zudem sollten Menschen auch jetzt Möglichkeiten erhalten, sich mit ihren Ärztinnen und Ärzten austauschen zu können (z. B. durch telefonische Erreichbarkeit, Videosprechstunde, Telemedizin). Wegen der Übersättigung mit Wissen müsse darüber nachgedacht werden, ob Informationen stärker kanalisiert und auf das Nötige reduziert werden können.

In der ersten Befragungswelle der repräsentativen Online-Umfrage wurden zwischen dem 23. und 31.03.2020 insgesamt 1378 deutsche Bundesbürgerinnen und -bürger, quotiert nach Alter, Geschlecht und Bildung, befragt. Die Befragten sind zwischen 18 und 74 Jahre alt, im Schnitt 47 Jahre, 51.2% sind weiblich, 33% niedrig gebildet (kein Abschluss oder Hauptschulabschluss), 32% weisen ein mittleres Bildungsniveau auf (mittlere Reife) und 35% haben mindestens Fachhochschulreife. Inwieweit Änderungen im Informationsverhalten eintreten oder es sogar zu einer Informationsvermeidung kommt, werden die Daten der zweiten Befragungswelle zeigen.

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