Steffi Szumodalsky hilft als Familienhebamme im Südharz

Nordhausen  Sie liebt die Arbeit im Kreißsaal, „ich brauche den Stress dort“, sagt Steffi Szumodalsky und lacht. So anstrengend für die Hebamme die Begleitung einer Geburt, so groß die Freude, der Mutter ihr Kind in die Arme geben zu können.

„Kinder werden nur dann stark, wenn es auch ihre Eltern sind“, ist Steffi Szumodalsky überzeugt.

„Kinder werden nur dann stark, wenn es auch ihre Eltern sind“, ist Steffi Szumodalsky überzeugt.

Foto: Kristin Müller

Ein Baby, das größte Glück. Für die meisten ist das so. „Bei manchen Müttern sehe ich aber auch Angst und Unsicherheit in den Augen.“ Ihr Kind anzunehmen, fällt ihnen schwer: weil sie selbst noch unter 18 sind, ungewollt schwanger wurden, die Vaterschaft nicht geklärt ist, wegen einer kranken Psyche oder anderer Probleme, etwa mit Drogen oder dem Partner.

„Jeder hat seine Chance verdient“, sagt Steffi Szumodalsky (43). Fünf Worte genügen, um zu erklären, weshalb sie sich zur Familienhebamme weiterqualifizierte. Seit zwei Jahren hat sie neben der Halbtagsstelle als Hebamme am Südharz-Klinikum eine Zwölf-Stunden-Stelle beim Kreisjugendring. Der Bund finanziert die Familienhebamme aus dem Fonds „Frühe Hilfen“.

Dass Familien nach einer Geburt nicht allein gelassen werden, sichern normalerweise die Krankenkassen ab. Allerdings sollte ein solch klassischer Hausbesuch einer Hebamme im Rahmen der Nachsorge nach 40 Minuten beendet sein. Das ist für manche Mütter und Väter so wenig ausreichend wie die maximale Anzahl der Hausbesuche von 16.

Für diese Eltern, für deren Kinder, will Steffi Szumodalsky da sein. Denn sie ist überzeugt, dass Kinder nur dann stark werden, wenn es auch ihre Eltern sind. Bis zum 1. Geburtstag des Kindes können ihre Dienste in Anspruch genommen werden. Meist vermitteln Szumodalskys Kollegen die Familien, auch kann das Netzwerk „Frühe Hilfen“ auf seine Kooperationspartner setzen.

Nicht mit dem Anspruch, ihre persönlichen Maßstäbe für ein gutes Leben durchzusetzen, geht Szumodalsky in die Familien. Aber sie hat den Willen, die jungen Eltern „in die Spur“ zu bringen, sie als Mutter und Vater zu stärken. Manche müssten sich erst der Situation bewusst werden, dass sie nun Verantwortung für ein Kind tragen: „Für sie sind die eigenen Probleme so groß, dass sie das Kind aus dem Blick verlieren.“

Szumodalsky mahnt, sich Zeit zu nehmen für das Kleine. Sie ermuntert zum Stillen, können Mutter und Kind doch durchs Trinken aus der Brust ganz natürlich eine Bindung zueinander aufbauen. Sie animiert, selbst das Breichen zu kochen statt Fertiggläschen im Supermarkt zu kaufen. Und sie geht auf die Probleme der Eltern ein. Manchmal spricht sie Mut zu, sich vom Partner zu trennen, der ja doch nur trinkt. Sie erzählt von Müttern, die während der Schwangerschaft Crystal genommen haben. Nicht immer kann sie die Probleme beheben, auch sie stößt an Grenzen – aber sie kann weitere Hilfe vermitteln, etwa von der Sucht- oder der Schuldnerberatung, dem Jugendamt, der Frühförderstelle der Lebenshilfe. Letzter Anker ist für manche auch ein Mutter-Kind-Heim.

Perfekt, sagt Steffi Szumodalsky, ist keine Familie. Hinter der Fassade würden überall Probleme stecken. Nur komme der eine gut damit klar, der andere weniger.

Sie ist für Letztere da, sensibel für deren Schwierigkeiten nicht zuletzt dank ihrer Lebenserfahrung. Drei Kinder hat sie: acht, 14 und 18 Jahre alt. Es gab und gibt Hürden auch in ihrem Alltag, aber sie spürt bis heute das Glück, das nur Kinder bescheren können. „Sie bedeuten mir alles. Kinder halten einen, machen einen stark. Das will ich auch anderen vermitteln.“

Aus ihren Augen sprüht die Lebensfreude. Ohne Zweifel: Die 43-Jährige hat ihren Weg gefunden, auch beruflich. Als Hebamme arbeitet Steffi Szumodalsky seit 1997. Ihr Traumberuf? Wieder lacht sie: „Ich bin ja mehr oder weniger im Kreißsaal groß geworden“, spielt sie auf ihre Mutter an. Siegrun Szumodalsky arbeitete 1971 bis 2015 am Nordhäuser Krankenhaus in diesem Beruf, viele Jahre als leitende Hebamme. Sie war eine Instanz.

Nach der Schule, 1989, wollte Steffi in ihre Fußstapfen treten – nur scheiterte ihre Bewerbung. Also lernte sie zunächst Krankenschwester im Nordhäuser Krankenhaus, schulte 1993 um.

Christin John, die Netzwerkkoordinatorin bei den „Frühen Hilfen“ in Nordhausen, hört zu, ist sodann voll des Lobes: „Steffi ist eine sehr authentische Person mit einem guten Blick für die Probleme. Zugleich erkennt sie schnell die Ressourcen.“