Schüler wollen Professoren in Jena schlagen

Wie die Friedrich-Schiller-Universität eine Fernsehshow kopiert: Mit der ungewöhnlichen Aktion "Schlag den Prof." will sie Schüler zum Informationstag in die Hörsäle locken. Ein Schüler-Team tritt am Sonnabend gegen Professoren im Wissensquiz an.

Gehört zu den Herausforderern: Hendrik Bachmann legt sein Abitur in Stadtroda ab. Foto: Tino Zippel

Gehört zu den Herausforderern: Hendrik Bachmann legt sein Abitur in Stadtroda ab. Foto: Tino Zippel

Foto: zgt

Jena. Hendrik Bachmann ist 17 Jahre alt und Abiturient am Pestalozzi-Gymnasium in Stadtroda. Uwe Hoßfeld, 44 Jahre, lehrt als Professor an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Beide kennen sich nicht, werden sich aber kennenlernen: am Samstag beim Wettbewerb "Schlag’ den Prof." an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena.

Der Höhepunkt des Hochschulinfotages ist angelehnt an eine Fernsehshow von Stefan Raab. Zuschauer fordern den TV-Moderator heraus. Holen sie aus 15 Spielen mehr Punkte als der Entertainer, gewinnen sie eine halbe Million Euro. "Um so viel Geld geht es bei uns natürlich nicht", sagt Dr. Beate Gräf, Leiterin des Bereiches Studienplatzmarketing. Welche Aufgaben auf die Teilnehmer warten, will sie noch nicht verraten. Soviel steht fest: Ein Quiz wird es sein, aber "die Teilnehmer brauchen auch gute Augen und eine gutes Näschen", sagt sie.

Die Universität rechnet mit vielen Besuchern. Sicherlich nehmen nicht nur Schüler Platz in den Reihen des Hörsaales 1 am Ernst-Abbe-Platz, der mehr als 1000 Plätze bietet. "Schlag’ den Prof." beginnt um 12 Uhr. Eine halbe Stunde vorher lernen sich Schüler und Professoren in der benachbarten Cafeteria kennen. "Mehr wissen wir noch nicht", sagt der Biodidaktiker Prof. Uwe Hoßfeld.

Im Gegensatz zur Fernsehsendung kämpft nicht ein Kandidat allein gegen einen Professor. Fünf Schüler stehen fünf Wissenschaftlern gegenüber, dürfen untereinander beraten, bevor sie eine Antwort abgeben. Nur bei einigen Aufgaben geht es in den Einzelkampf.

"Das nimmt ein bisschen das Risiko", sagt der Professor. Er meldete sich spontan, als ihn die Anfrage erreichte, ob er mitwirken will. "Klar, ist doch eine schöne Werbung für den Hochschulstandort Jena", sagt Hoßfeld. Die Originalshow kennt er aus dem Fernsehen, obwohl er nicht gerade zu den TV-Quizfreunden zählt. Wie der erste Kandidat bei "Wer wird Millionär" den Hauptpreis gewann, verfolgte er zufällig vor dem Bildschirm. Wie hieß das Forschungsschiff von Charles Darwin, lautete die Millionenfrage. Der Biodidaktiker lächelt. Sofort wusste er die Lösung: Beagle. "Dafür wäre ich wohl davor gescheitert, gar nicht erst bis zur Millionenfrage gekommen", sagt der Wissenschaftler, der im berühmten Bienenhaus der Jenaer Universität sitzt.

Je näher der Wettbewerb rückt, desto höher steigt das Lampenfieber. "Mut zur Lücke", nennt er sein Motto. "Ich rate den angehenden Lehrern, gegenüber ihren Schülern zuzugeben, wenn sie etwas nicht wissen. Und so halte ich es persönlich auch", sagt Hoßfeld und wartet gespannt auf Sonnabend, welch’ pfiffige Schüler sich angemeldet haben.

Hendrik Bachmann gehört zu ihnen. Freunde von ihm lästern, dass er in seiner Freizeit Wikipedia auswendig lerne, berichtet der Abiturient, der seit jeher viel liest. Er habe begeistert das Kinderlexikon durchgeblättert, sich immer dafür interessiert, wie etwas funktioniert. "Wissenszuwachs war für mich wie ein Abenteuer."

Manchmal amüsiert sich Bachmann über Mitschüler, die eifrig vor Arbeiten lernen. Er selbst nehme lieber Wissen aus dem Unterricht mit und behalte es länger im Gedächtnis als nur beim Lernen für die Klausur. "Auf die Noten kommt es doch nicht so an", sagt der Stadtrodaer. Eine Zensur schlechter als zwei findet sich dennoch nicht in seinem Zeugnis.

Auf den Wettbewerb "Schlag’ den Prof." bereitet er sich nicht vor. Wie auch. Und außerdem fehlt die Zeit. Nebenbei managt Bachmann als Chefredakteur die Schülerzeitung. Eine Reportage über die Jugendpsychiatrie wollen sie für die nächste Ausgabe schreiben. Die Funktion als Schülersprecher hat er ebenso inne, besucht nebenbei Seminare für Geschichte und Philosophie.

Am Wettbewerb in Jena reizt ihn vor allem das "Rundum-Programm", sagt er. Die Universität sammelt die Teilnehmer mit dem Auto ein, lädt sie zum Essen und in den Studentenclub Rosenkeller ein. Die Übernachtung und ausführliche Informationen beim Hochschulinfotag sind inklusive.

Am Sonnabend präsentiert die Universität alle 150 Bachelor-Angebote. Erster und bester Anlaufpunkt ist der Ernst-Abbe-Platz im Zentrum Jenas. "Wir erwarten viele Schüler aus der Region, denen wir eine Orientierung in Sachen Studium geben wollen", sagt Organisatorin Gräf.

Das Angebot will Hendrik Bachmann gern wahrnehmen. Noch kann er sich nicht so recht entscheiden, welchen Weg er nach der Schule einschlägt. Ein Studium in Jena könne er sich gut vorstellen, wolle in die Saalestadt umziehen. Der Schnuppertag eigne sich gut, das Klima an der Hochschule kennenzulernen.

Lampenfieber vor dem Duell mit den Wissenschaftlern verspürt der Schüler nicht. "Bei Günther Jauch scheitern die schlauesten Leute an den einfachsten Fragen", sagt er selbstbewusst. Sein Kontrahent Hoßfeld ist sich dessen bewusst. "Fragen zur Bravo-Hitparade kann ich sicherlich nicht beantworten", sagt er. "Hoffentlich kennt sich einer der anderen Professoren auf diesem Gebiet aus."

Hochschulinformationstag in Jena, Samstag von 9 bis 15 Uhr

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.