Göttingen. Das Evangelische Krankenhaus Göttingen-Weende stellt die Geburtsmedizin ein. Ein gravierendes Personalproblem zwingt zur Neuausrichtung.

Neu ausrichten wird das Evangelische Krankenhaus Göttingen-Weende seine Fachabteilung Geburtshilfe und Gynäkologie am Standort Neu-Mariahilf. „Am 31. August 2024 muss die Geburtsmedizin aufgrund eines Personalengpasses schließen“, teilte Prof. Michael Karaus, der medizinische Geschäftsführer, am Montagnachmittag mit.
Die Abteilung konzentriere sich zukünftig auf die Frauenheilkunde „mit der gleichen breiten Aufstellung wie bisher“.

Laut Karaus hätten sich alle eine andere Lösung gewünscht und bedauerten die Entscheidung sehr. Das gelte auch für den Aufsichtsrat und die Mitgliederversammlung, die man aufgrund der plötzlich eingetretenen Zuspitzung der Situation sehr kurzfristig informiert habe. Die Personalsituation in der Abteilung lasse aber – aus Verantwortung den werdenden Müttern und ihren Babys gegenüber – den Weiterbetrieb nicht zu.

Chefarzt geht unersetzlich in den Ruhestand

Bereits seit längerem, so Karaus, sei klar gewesen, dass der langjährige Chefarzt Dr. Georg Fleckenstein in den Ruhestand gehen und nur schwer zu ersetzen sein würde. Man habe daher schon seit einigen Wochen darüber diskutiert, wie es mit der Fachabteilung, auch vor dem Hintergrund der anstehenden Krankenhausreform und der sich damit ändernden gesundheitspolitischen Vorgaben in der Geburtsmedizin, weitergehen könne. „Jetzt hat uns die Realität leider überholt und uns die Entscheidung aus der Hand genommen.“

Zum September beziehungsweise Oktober hatten teilweise erst in der vergangenen Woche sowohl eine Oberärztin als auch zwei Assistenzärztinnen aus persönlichen Gründen gekündigt, heißt es in der Mitteilung des Krankenhauses. Den Hebammen, die am Evangelischen Krankenhaus freiberuflich als Beleghebammen tätig sind, sei daraufhin das Risiko einer nicht ausreichenden ärztlichen Präsenz bei den Geburten zu groß gewesen. So hätten zahlreiche Hebammen ebenfalls ihre Verträge zum 31. August dieses Jahres gekündigt.

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Und die Hebammen haben mit ihrer Sorge leider Recht, heißt es weiter. „Ab dem 1. September können wir keinen ausreichenden ärztlichen Dienst für die Geburtshilfe aufrechterhalten“, nennt Michael Karaus die Fakten. Gynäkologische Fachärztinnen und -ärzte, aber auch freiberufliche Hebammen seien am Arbeitsmarkt kaum verfügbar, sodass man auf diese personelle Entwicklung nicht zeitgerecht reagieren könne. Versorgungsrechtliche und medizinische Gründe machten daher den Weiterbetrieb unmöglich. „Der geburtshilfliche Versorgungsauftrag ist ab diesem Zeitpunkt objektiv von uns nicht mehr zu erfüllen“, macht der medizinische Geschäftsführer deutlich.

Bis Ende August könnten Frauen, die sich bereits zur Geburt angemeldet haben oder das noch möchten, wie gewünscht und mit der gewohnten Betreuung im Krankenhaus Neu-Mariahilf entbinden. Auch alle auf der Homepage des Krankenhauses angebotenen Hebammenkurse, zum Beispiel Geburtsvorbereitung oder Rückbildung, würden bis zu diesem Zeitpunkt wie geplant durchgeführt.

Alle werdenden Mütter, deren Geburtstermin voraussichtlich im September oder danach liegen wird, würden von ihren Hebammen und bei Bedarf auch vom Krankenhaus bei der Suche nach einer Alternative unterstützt. „Werdende Eltern müssen sich über diese Entwicklung auf keinen Fall Sorgen machen“, so Karaus. Die geburtsmedizinische Versorgung in Göttingen bleibe weiterhin gut.

Geburtshilfeabteilung war die kleinste in Göttingen

Die Geburtshilfeabteilung am Krankenhaus Weende sei die kleinste der drei Fachabteilungen in Göttingen. Dort hatten in den vergangenen Jahren durchschnittlich weniger als zwei Frauen am Tag entbunden. „Wir sind im Gespräch mit den Leitungen der Universitätsmedizin Göttingen und des Krankenhauses Neu-Bethlehem und gehen davon aus, dass diese den Wegfall unseres Angebots gut kompensieren können.“

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Die Gynäkologie am Krankenhaus Neu-Mariahilf, so Karaus, sei von der Veränderung nicht betroffen und behalte ihren hohen Stellenwert. „Keiner unserer Mitarbeitenden verliert seinen Arbeitsplatz: Das Pflegepersonal der Geburtshilfe sowie Ärztinnen und Ärzte werden weiterhin im Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende beziehungsweise am Standort Neu-Mariahilf gebraucht.“ Auch die ambulante gynäkologische und geburtshilfliche Versorgung durch das Medizinische Versorgungszentrum am Standort Neu-Mariahilf bleibe bestehen. Das MVZ biete weiterhin Leistungen aus der Geburtshilfe an, darunter unter anderem Schwangerschaftsbetreuung, Empfängnisverhütung und Familienplanung.

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