Eichsfeld. Im Eichsfeld spielt Hochwasserschutz eine immer größere Rolle. Die Einwohner können dabei helfen und müssen dafür nicht einmal viel machen. Im Gegenteil:

Für das Team des Gewässerunterhaltungsverbandes Leine/Frieda/Rosoppe (GUV) brechen spannende Tage an. „Bedingt durch die bevorstehende Mahdsaison sowie der teilweise bereits eingetretenen größeren Regenereignisse möchten wir gern für einige Dinge sensibilisieren“, sagt Verbandsingenieurin Juliane Bemmlott. Ihr geht es um Ablagerungen wie Grün- und Gehölzschnitt an den Gewässerböschungen, auf der Böschungsoberkante oder auch im Gewässerrandstreifen. „Das führt vermehrt zu Problemen im schadlosen Abfluss“, sagt sie. „Und verboten sind sie auch.“

Das habe auch einen guten Grund. Das Team des GUV bittet alle Einwohner, nicht nur die Eigentümer der Flächen an Gewässern, ihren Unrat, Mahdgut, Gehölzschnitte, Feuerholz, Baumaterialien, wie Kanthölzer und ähnliches nicht an den Böschungen oder im Gewässerrandstreifen zu lagern. „Bei höheren Abflüssen werden diese dadurch abgeschwemmt und verkeilen sich an der nächsten Engstelle, beispielsweise Rohrdurchlässe, Einläufe oder Brücken. Das Wasser kann nicht mehr abfließen, tritt über die Ufer und führt zu Überschwemmungen. Deshalb ist es wichtig, die Gefährdung durch Treibgut und dessen Anlagerungen, sogenannte ,Verklausungen‘ an Engstellen im weiteren Gewässerverlauf zu minimieren“, erklärt Juliane Bemmlott.

Bei der Mahd gelten für verschiedene Pflanzen verschiedene Regeln

Momentan seien viele Gemeinden stark bemüht, gemeinsam mit dem GUV Hochwasserschutzkonzepte zu erstellen und sie umzusetzen. „Die beste Planung bringt aber nichts, wenn die Gewässer mit Unrat und Ablagerungen aus privaten Gärten verstopft sind.“ Dann könne eine effiziente und nachhaltige Hochwasser- und Starkregenvorsorge nicht gewährleistet werden, ein wirksamer Schutz der Anlieger an Gewässern erst recht nicht.

Juliane Bemmlott erklärt gern, wie der GUV in dieser Hinsicht arbeitet. „In den Bereichen, wo jährlich eine Mahd erforderlich ist, wird auf den Insekten- und Vogelschutz Rücksicht genommen“, sagt sie. Der Zeitraum der Mahd begrenze sich dabei auf Mitte Juli bis Ende Oktober und dürfe auch nur so weit erfolgen, wie es für den ordnungsgemäßen Abfluss des Wassers notwendig sei. „Durch vorherige Kontrolle und Prüfung der Sachlage durch unsere geschulten Mitarbeiter darf der GUV ab Juni teilweise vorab Mahdarbeiten umsetzen.“ Hochstauden zum Beispiel dürften sogar erst ab September gemäht werden, Schilf hingegen in der Zeit von Oktober bis Februar. „Um Rückzugsorte für Insekten und Amphibien sowie Kleinstlebewesen jeglicher Art zu erhalten, ist eine einseitige Böschungsmahd erforderlich. Dies soll durch den jährlichen Wechsel der Böschungsseiten erfolgen. Ausnahmen bestehen dabei, wie gesagt, bei den Stauden- oder Schilfgewächsen. So können Inseln im Bereich der gemähten Böschungsseite entstehen.“

Was am Uferrand schön aussieht, ist nicht immer nützlich

Die Fachfrau schickt gern einen Satz hinterher: Die immer sehr subjektive „Schönheit und Sauberkeit“ am Gewässer ist nicht Ziel der Gewässerunterhaltung und auch nicht die Aufgabe der gegründeten Gewässerunterhaltungsverbände. „Begründet durch die ökologische Arbeitsweise erreichen uns immer wieder Fragen, wie das, nicht mähen‘ mit dem Hochwasserschutz vertretbar ist.“

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Auch das erklärt sie gern. „Der Abfluss in gefährdeten Bereichen ist an den Gewässern II. Ordnung unsererseits gewährleistet. Das hochstehende Gras legt sich durch die Kraft des Wassers in Fließrichtung um, und das Wasser kann in seinem vorgesehenen Bachbett abfließen.“ Rasen, Stauden und Schilf seien schlichtweg hydraulisch unwirksam. „Ganz im Gegenteil sogar, nach höheren Pegelständen werden die Böschungen durch unsere qualifizierten Flussarbeiter kontrolliert, dabei wird immer wieder festgehalten und dokumentiert, dass sich das Gras und das Schilf schützend um die Böschung legt. An den uns bekannten signifikanten Stellen mussten dadurch keine neuen Böschungsabbrüche aufgenommen werden.“

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Somit zeige sich, dass natürliche Gewässer durch standortgerechte Ufervegetation stabilisiert werden. „Probleme entstehen nur dann, wenn Anwohner eigenmächtig die Böschungen mähen, Hecken oder Bäume beschneiden und dabei sämtliches Schnittgut im Gewässer oder an den Ufern liegen lassen.“ Trotz der täglichen Präsenz im Verbandsgebiet sind dem GUV-Team nicht alle kurzfristig auftretenden Problemfälle bekannt, weshalb esr immer auch auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen sei. „Die generelle Unterhaltungspflicht der Gewässer II. Ordnung liegt bei den Gewässerunterhaltungsverbänden und nicht bei den Kommunen. Die Bürgermeister sind somit bei Problemen am Gewässer falsch adressiert.“

Der GUV Leine/Frieda/Rosoppe ist erreichbar unter der Telefonnummer 3606 / 507 580, der Mobilfunknummer 01511 / 496 825 5 und per E-Mail unter info@guv-lfr.de.