Arnstadt. Claudia Wanierke von der katholischen Kirche in Arnstadt über das Eingestehen von Fehlern und die Vergebung.

Seit Mittwochabend treffen sich in Erfurt viele Christen zum 103. Deutschen Katholikentag. Unser Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat uns Christen eine interessante Frage mit auf den Weg gegeben: „Unsere kritische Frage an uns selbst, als Christen und als Kirche muss sein: Finden diese ernsthaft Suchenden überzeugende Antworten, finden sie geistliche Kompetenz, finden sie empathische Begleitung in unseren Gruppen, Gemeinden und Initiativen?“

Auf diesem Katholikentag werden sicher viele Anstöße gegeben, die wie Samenkörner ausgestreut werden. Werden sie fruchtbaren Boden finden und wachsen und Frucht bringen? Das wird die Zukunft zeigen. Von der Zukunft spricht auch das Leitwort dieser Tage: „Zukunft hat der Mensch des Friedens“ – Wie sehr wünschen wir uns gerade in diesen Tagen, dass die Kriege auf dieser Welt ein Ende haben.

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Doch geht es bei dieser Vision nur darum, dass kein Krieg mehr auf der Erde ist? Oder geht es darum, einander als würdevolle Menschen zu begegnen? Daran zu glauben, dass wir alle von Gott geliebt sind und deshalb jegliche Gewalt gegenüber einem anderen Menschen tabu ist. Und da ist es egal, ob sie physisch oder emotional ist.

Claudia Wanierke, Pastorale Pfarrbeauftragte der katholischen Pfarrgemeinde „St. Elisabeth“ in Arnstadt.
Claudia Wanierke, Pastorale Pfarrbeauftragte der katholischen Pfarrgemeinde „St. Elisabeth“ in Arnstadt. © Claudia Wanierke | Claudia Wanierke

Wir leben in einer Zeit, die viel davon spricht, dass Menschen zu Opfern werden. Wir vergessen aber oft, dass wir alle auch zu Tätern werden. Immer wieder. Wir alle haben unsere Schablonen im Kopf und verletzen dadurch andere und oft merken wir es nicht. Denn den Schmerz, den wir verursachen, den bekommen wir oft nicht mit.

Die Kirchen laden uns Christen immer wieder dazu ein, dass wir uns besinnen sollen, auch auf unsere Fehler und Vergehen und um Vergebung zu bitten. Wie können wir Frieden erreichen, wenn wir es verlernt haben, um Vergebung zu bitten und anderen zu verzeihen? Im Vaterunser beten wir: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.“ Unsere Kirche leidet daran, dass wir selbst die Schuld von Menschen unter den Teppich gekehrt haben. Uns ist es nicht gelungen, Wege der Reue und Vergebung zu gehen. Wir waren ein schlechtes Beispiel.

Wenn wir Frieden leben wollen, müssen wir hier gute Wege finden, um die Zukunft neu zu gestalten. Wir selbst, unsere Kirche und unsere Gesellschaft muss lernen, Fehler zu erkennen, sie einzugestehen und zu bereuen. Doch wir müssen auch lernen, dass danach eine Vergebung passiert und ein Weiterleben möglich ist. Mögen uns die Impulse des Katholikentages Kraft, Hoffnung und Inspiration geben, sodass die Zukunft des Menschen Frieden ist.