Gedanken zum Wochenende: Felicitas Kühn, Pfarrerin der Evangelischen Regionalgemeinde Kölleda, über ein Gemälde

Da ist ein Elefant in der Kirche. Er ist mir gleich als erstes ins Auge gesprungen. Naja gut, nicht direkt gesprungen, aber er steht eben einfach da. Groß und braun-grau. Seine Ohren aufgestellt, es scheint mir, als wär´ sein Kopf ein wenig geneigt, seine dunklen Augen sehen mich an. Ich fürchte mich nicht. Dabei leuchten seine Stoßzähne weiß und klar. Beängstigend wäre es wohl doch, würde ich ihm in freier Wildbahn entgegentreten. Hier aber bin ich sicher. Der Elefant hängt, gemalt auf Leinwand, in der Wippertuskirche in Kölleda. Er gehört zur Ausstellung „Hindurch“ von Christine Hirt, einer Künstlerin und Sozialarbeiterin aus Karlsbad (das liegt zwischen Stuttgart und Pforzheim).

Felicitas Kühn, Pfarrerin in der Evangelischen Regionalgemeinde Kölleda.
Felicitas Kühn, Pfarrerin in der Evangelischen Regionalgemeinde Kölleda. © Evangelische Regionalgemeinde Kölleda | Felicitas Kühn

Die Künstlerin sagt, dass das Unaussprechliche sichtbar wird durch ihre Bilder und so einen Raum bekommt. Das kenne ich. Es gibt Gedanken und Gefühle, die sich schwer fassen lassen. Und doch ist es gut, wenn sie nicht frei herumschwirren. Wenn ich ihnen eine Form geben kann, dann kann ich manches genauer erkennen, verstehen, begreifen.

Ach dieser Elefant! Warum gefällst du mir so? Ich erinnere mich, wie deine Artgenossen, die ich schon im Zoo sehen konnte, gemächlich dahinwandern. Entspannt schlenkert der Rüssel und ich weiß, wie fein und sensibel seine Spitze ist. Wie fühlt sich da eine Seifenblase an, die auf deiner Haut zerplatzt? Ha, eben habe ich die bunten Kugeln noch gar nicht gesehen! Sie schweben da vor deinen Füßen, beinah auf dem Boden angelangt. Und dann sehe ich auch noch: die kleine Tür hinaus ins Himmelblau-Weite. Ganz am Boden ist sie und winzig. Eine Mäusetür. Bist du eingesperrt, frage ich mich? So wirktest du gar nicht auf den ersten Blick. Aber doch: ich sehe, wie dicht die Wände um dich herumstehen.

„Stärke, Enge, Leichtigkeit“ heißt das Bild. Kann alles gleichzeitig da sein? Oder sehe ich Dinge, die eigentlich nacheinander auftauchen? Mich erinnert das Bild an einen Psalm: „Gott, bei dir bin ich wie in einer Burg, bewahrt und beschützt. In Zeiten der Not finde ich Zuflucht. Und so kann ich singen und musizieren, Töne perlen durch den Raum. Ich erlebe Stärke, deine Stärke, Gott, und ich werde stark.“ (nach Psalm 59,17f)

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Christine Hirt malt nicht nur selbst, sondern bietet auch einen Rahmen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an, um selbst kreativ zu werden. „MutmalRaum“ nennt sie das. Nie käme ich auf die Idee, schwebende Murmeln mit einem großen Elefanten in einen Raum zu sperren und davon ein Bild zu malen. Aber mich spricht dieses Bild an und ich entdecke Leichtigkeit, ich sehe nichts Bedrückendes, auch wenn es eng ist. Und die Stärke ist vielleicht gerade deshalb da, weil das große Rüsseltier nicht in der Savanne unter freiem Himmel steht…

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Wochenende! Und uns allen Leichtigkeit und Stärke – beides für die Herausforderungen der neuen Woche im Kleinen und Großen.

Die Ausstellung von Christine Hirt ist bis 30. Juni 2024 in der Wippertuskirche Kölleda zu den Gottesdienstzeiten am Sonntag oder nach Voranmeldung im Pfarramt zu besichtigen. Weitere Infos unter: www.mutmalraum.de.

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