Jens Lehnert über Weimarer Busse und ihre Namensgeber

Die Stadtwirtschaft will im nächsten Jahr sechs weitere Wasserstoffbusse in Betrieb nehmen und diese wie schon die ersten dieser Art nach Weimarer Persönlichkeiten benennen. Doch was folgt auf „Goethe“, „Schiller“ und „Anna Amalia“? Vorschläge? Herder und Wieland – damit wären die Klassiker vereint. Cranach – selbstverständlich. Liszt und Bach – natürlich. Feininger und Gropius – unbedingt. Carl August, Bertuch, Coudray, Falk, Hufeland, Nietzsche...? Alles denkbar. Aber! Fällt Ihnen etwas auf? In der Aufzählung findet sich keine einzige Frau.

Jens Lehnert ist Redakteur in der Lokalredaktion Weimar.
Jens Lehnert ist Redakteur in der Lokalredaktion Weimar. © Candy Welz | Candy Welz

Weitere Vorschläge! Großherzogin Sophie – hatte gerade 200. Geburtstag, wäre aber schon die zweite Herzogin am Bus. Maria Pawlowna – dito, außerdem scheint eine russische Biografie dieser Tage nicht jedem derart ehrenwert. Charlotte von Stein – birgt die Gefahr, dass ein Spanier den Bus kauft und ihn vergammeln lässt. Marie Juchacz – für die Weimarer Demokratie hinlänglich bedeutend, aber keine Weimarerin. Marlene Dietrich – erlangte ihren Weltruhm erst nach ihren 13 Monaten in Weimar.

Keine Vorschläge mehr? Es muss ja nicht immer das überkommene Weimar sein, dem man ein Denkmal setzt. Was spräche dagegen, den Namenszug auf dem Bus Weimarerinnen zu widmen, die Menschen heute besonders am Herzen liegen und die nicht im Rampenlicht stehen? Die liebenswürdige Oma, die aufopfernde Mama, die beispielhafte Schwester, die fleißige Kollegin, die clevere Forscherin, die selbstlose Helferin, die unermüdliche Lehrerin, die motivierende Trainerin und und und. Sie alle hätten sich genau so einen Platz verdient.

Die Aufschrift sollte nicht in Stein gemeißelt sein. Der Name könnte in bestimmten Abständen wechseln. Sicher würde das einen Mehraufwand bedeuten, aber eben auch für einen Hingucker sorgen, der alles andere als vorhersehbar ist. Nur mal so als Vorschlag.