Berlin. Krabbenfischer haben ein Problem: Die Nachfrage ist groß, doch es gibt kaum Krabben. Woran das liegt. Und was Fischer dagegen tun.

Der Preis für vor allem im Norden Deutschlands beliebten Krabbenbrötchen ist in den vergangenen Monaten rasant gestiegen: Bis zu 15 Euro zahlen Kundinnen und Kunden aktuell in vielen Urlaubsorten an deutschen Küsten.

Denn die Fischerei habe ein Problem, erklärte Philipp Oberdörffer, Fischereiberater der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, gegenüber der WAZ (ebenfalls Funke Mediengruppe): Fischer hätten mit extrem niedrigen Fangmengen vor allem in der ersten Jahreshälfte zu kämpfen. In der Folge hätten einige Discounter keine Nordseekrabben mehr im Sortiment, manche Restaurants würden in ihrer Speisekarte gar komplett auf Krabbengerichte verzichten oder nur geringe Mengen anbieten.

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Ein Unternehmenssprecher des Gastronomie-Unternehmens Gosch erklärte gegenüber der WAZ, man sei froh, dass die Krabben überhaupt verfügbar seien. Denn Ende März und im April habe die Lage noch schlechter ausgesehen: „Da galt es nicht nur die Frage zu klären, ob und zu welchem Preis man die Krabbenbrötchen noch an die Gäste verkauft, sondern auch, ob man überhaupt Ware bekommt“.

Krabbenbrötchen und hohe Preise: Nachfrage übersteigt die Fangmengen

„Die Situation ist besonders, weil die niedrigen Fänge seit Jahren anhalten“, sagte Fischereiexperte Oberdörffer. „In der deutschen Krabbenfischerei erleben wir seit nunmehr vier bis fünf Jahren deutlich unterdurchschnittliche Fänge.“ Eine so geringe Verfügbarkeit wie in diesem Jahr habe das Unternehmen bisher noch nie erlebt. Zum Vergleich: In den Jahren 2000 bis 2015 hätten die deutschen Krabbenfischer jeweils zwischen 12.000 und 13.000 Tonnen angelandet – 2023 gerade einmal 5500 bis 6000 Tonnen.

Ein teurer Genuss: Der Preis für ein Krabbenbrötchen liegt teilweise bei 15 Euro.
Ein teurer Genuss: Der Preis für ein Krabbenbrötchen liegt teilweise bei 15 Euro. © picture alliance/dpa | Mohssen Assanimoghaddam

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Ähnlich schlecht sehe die Situation laut Oberdörffer auch im Ausland aus, weshalb man dort auch nicht günstig zukaufen könne: „Eigentlich hätte hier der Preis schon deutlich ansteigen müssen, aber höhere Preise sind im Markt aktuell kaum umsetzbar. Und daher hat es bis in den Herbst 2023 gedauert, bis die Preise sich deutlich aufwärts bewegt haben.“

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Aktuell übersteige die Nachfrage also deutlich die Fangmengen. Oberdörffer wagt nichtsdestotrotz einen positiven Blick in die Zukunft, auch wenn eine wirkliche Vorhersage nicht möglich sei. Die Anzahl der gefangenen Krabben hänge von vielen verschiedenen Faktoren ab, wie Wetterverhältnisse, Nahrungsangebot und Zahl der Fressfeinde. „Wir hoffen, dass die Lage sich im Spätsommer wieder normalisiert, da dann der neue Krabbenjahrgang in der Fischerei auftaucht und hoffentlich höhere Fangmengen bei auskömmlichen Preisen ermöglicht“.

Bundes- und EU-Ebene: Auswirkungen politischer Entscheidungen

Deutsche Küstenfischer fürchten nicht nur wegen dem zurückgehenden Fangmengen bereits seit Jahren zunehmend um ihre Existenz, sondern auch aufgrund von aktuellen politischen Entscheidungen.

Von Haushaltskürzungen auf Bundesebene ist auch die Fischerei stark betroffen. So waren laut WAZ Gelder aus den Versteigerungserlösen für Flächen für die Offshore-Windkraft, die ursprünglich in die Fischerei fließen sollten, um 80 Prozent auf rund 130 Millionen Euro gekürzt worden. „Über eine halbe Milliarde waren sofort weg, ohne mit uns zu reden“, erklärt der Vorsitzende des Landesfischereiverbandes Weser-Ems, Dirk Sander gegenüber der Zeitung.

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Auf EU-Ebene steht noch eine Entscheidung aus, die großen Einfluss auf den Krabbenfang haben könnte. Die EU-Kommission will die Fischerei mit Grundschleppnetzen in Meeresschutzgebieten untersagen, dies ist die typische Fangmethode von Krabbenfischern. Grundschleppnetze sind für das Fischen am Meeresboden konzipiert und werden in der Regel von einem Kutter geschleppt. Meeresschützer kritisieren laut WAZ diese Fangmethode, da sie den Meeresboden und dort lebende Organismen schädigt.

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Nun hat sich ein Bündnis um Küstenkommunen in Ostfriesland gebildet und den Zukunftspakt Küstenfischerei 2050 erarbeitet. Dieser beinhaltet Vorschläge für den Erhalt und die Zukunft der Küstenfischerei wie beispielsweise den Aufbau eines Fischereifonds. Dieser soll Maßnahmen zur Modernisierung der Schiffe und die Weiterentwicklung durch Forschung finanzieren. Gelder sollen demnach alle Akteure einbezahlen, die Fanggebiete in Anspruch nehmen. Zudem soll ein Fischereirat eingerichtet werden, der helfen soll, die regionale Küstenfischerei dauerhaft zu erhalten.

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