Detroit. Als erster US-Präsident bekundet Joe Biden offen seine Solidarität an einem Streikposten vor Ort. Die Forderung: Einkommenssteigerungen, die prozentual gleichauf mit denen im Top-Management sind.

US-Präsident Joe Biden hat streikenden Auto-Gewerkschaftern bei einem Besuch vor Ort in Detroit seine Solidarität versichert. „Ihr habt viele Opfer gebracht, als die Unternehmen Probleme hatten“, sagte Biden mit einem Megafon vor den mehreren Dutzend Protestierenden. „Jetzt geht es ihnen unglaublich gut und – stellt euch vor – euch sollte es auch unglaublich gut gehen.“

'Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Im beginnenden Präsidentschaftswahlkampf für das kommende Jahr betont Biden immer wieder, der gewerkschaftsfreundlichste Präsident aller Zeiten zu sein. „Die Wall Street hat dieses Land nicht erschaffen. Die Mittelschicht hat dieses Land erschaffen. Und Gewerkschaften haben die Mittelschicht erschaffen“, sagte Biden im Bundesstaat Michigan weiter. Detroit gilt als Zentrum des Autobaus in den Vereinigten Staaten. Die offene Solidaritätsbekundung durch einen Präsidenten an einem Streikposten vor Ort gilt als historisch bisher einmalig. Traditionell sind Gewerkschaften in den USA schwächer als in Deutschland.

Die Gewerkschaft UAW mit rund 150.000 Mitgliedern forderte in den Verhandlungen vor Beginn der Streiks Mitte September zuletzt eine Erhöhung der Einkommen um 36 Prozent über vier Jahre verteilt. Die ursprüngliche Forderung lag bei 40 Prozent - weil in dieser Größenordnung die Einkommen des Top-Managements der großen Autokonzerne gewachsen seien. Die Autobauer waren zu Zuwächsen von bis zu 20 Prozent über eine Laufzeit von viereinhalb Jahren bereit.