Elmar Otto über einen Riss in der Thüringer Sozialdemokratie

Ein zerstrittener Haufen wird nicht gewählt. Das wussten auch die Delegierten beim SPD-Landesparteitag und kürten ihren Landesvorsitzenden Georg Maier vor gut vier Wochen beim Parteitag mit einem guten Ergebnis zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl.

Doch die zur Schau gestellte Geschlossenheit hielt nicht lange. Bereits im Vorfeld wurde gemosert, dass Maier seine Kabinettskollegin Heike Taubert mit einem undankbaren zwölften Listenplatz abspeiste. Doch die Finanzministerin und einstige Spitzenkandidatin ergab sich nach kurzem Kampf in ihr Schicksal.

'Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Anders der linke Parteiflügel. Die Arbeitsmarktpolitikerin Diana Lehmann und der Sozialexperte Denny Möller sind nicht nur persönlich gekränkt, weil sie trotz guter Fraktionsarbeit ebenfalls auf der Liste vergleichsweise weit hinten einsortiert wurden. Sie attestieren auch einen krassen Rechtsruck unter Maier und bescheinigen ihm zudem Führungsschwäche. Der traditionell linke Parteinachwuchs sieht das ebenso.

Wer den Kritikern des Vorsitzenden nun vorwirft, wegen ihrer offenen Worte der SPD nicht gerade Rückenwind zu bescheren, mag Recht haben. Allerdings muss sich Maier vorhalten lassen, die Parteilinke aus ihrer Sicht zu sehr gedemütigt und ihren Frust unterschätzt zu haben.

Damit die SPD bei den anstehenden Wahlen nicht in der Bedeutungslosigkeit verschwindet, sollten sich alle Beteiligten noch zusammenraufen.