Erfurt. Beharrlicher Einsatz für Demokratie und gegen Rassismus und Antisemitismus gewürdigt

Erfurt. Es brauche Mut und die Fähigkeit zur Hoffnung, wenn ein Mensch mit dieser Lebensgeschichte auch das Gespräch mit rechtsextremen Straftätern sucht, sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster über Reinhard Schramm. Und Hoffnung täte gerade in diesen Tagen gut.

Mut und Hoffnung, aber auch Konsequenz und die Bereitschaft zur Beharrlichkeit, die schon mal unbequem sein kann: So würdigten die Gratulanten am Mittwoch den Mann, der seit zwölf Jahren die jüdische Landesgemeinde führt und am Mittwoch 80 Jahre alt wurde. Von Akteuren aus Politik, dem öffentlichen Leben bis zu Vertretern religiöser Gemeinschaften: Die Breite der Gästeliste erzählt schon einiges über das Wirken Reinhard Schramms. Er habe die Gabe, Menschen unterschiedlicher Überzeugungen zusammenzuführen: So beschrieb ihn Landtagspräsidentin Birgit Pommer (Linke).

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Eine laute Stimme auch für andere Minderheiten

Reinhard Schramm und seine Mutter waren die einzigen Überlebenden der jüdischen Familie nach dem Holocaust. Eine schmerzende Wunde bis heute, man merkte es ihm an, als er an diesem Tag auch darauf zurückblickte. Und es prägt seine Überzeugungen bis heute, dazu gehört als Konsequenz nicht nur der beharrliche Verweis auf aktuellen Antisemitismus, sondern auch der Einsatz für andere Minderheiten. Es war daher keine Frage des Protokolls, dass zu den Rednern des Tages auch der Vorsitzende des Zentralrats deutscher Sinti und Roma, Romani Rose und Murad Murad von der jesidischen Gemeinschaft in Thüringen gehörten. Er setze sich immer auch für die Erinnerung an die von den Nazis ermordeten Sinti und Roma ein und biete Rückhalt und Hilfe, wenn es um die Auseinandersetzung mit gegenwärtigem Antiziganismus geht, betonte Romani Rose.

Lebendiges jüdisches Leben sichtbar machen

Auf diesen Einsatz verwies auch Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke). Reinhard Schramm gehöre zu denjenigen, die unsere Demokratie verteidigen. Ramelow erinnerte an den Hamas-Terror am 7. Oktober, seitdem leben viele Menschen jüdischen Glaubens in Angst, auch in Thüringen. Reinhard Schramm gebe Jüdinnen und Juden eine selbstbewusste Stimme. Und er dankte ihm für seine Konsequenz, mit der er würdige Erinnerungskultur anmahnt und sich gleichzeitig für lebendiges jüdisches Leben der Gegenwart starkmacht. Für Berkach mit seiner alten Synagoge zum Beispiel, das von der fast vergessenen Geschichte jüdischer Gemeinden auf dem Land zeugt. Oder für die Neugestaltung des KZ-Häftlingsfriedhofs in Berka/Elster. Ohne der Mitwirkung der jüdischen Landesgemeinde wäre der Erfolg von Vorhaben wie dem Themenjahr 900 jüdisches Leben in Thüringen nicht möglich gewesen.

Man schätze seinen Humor, sein deutliches Wort und seine Bereitschaft zum Zuhören, bemerkte Bischof Ulrich Neymeyr, der mit Landesbischof Friedrich Kramer für die beiden christlichen Kirchen des Landes gratulierte. Man werde nicht aufhören, auch über christliche Wurzeln des Antisemitismus nachzudenken.

'Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Und Reinhard Schramm selbst an diesem Tag? Er sei froh über das Wachsen der jüdischen Gemeinde nach 1990. Der 7. Oktober 2023 sei zur Zäsur jüdischer Nachkriegsgeschichte geworden. „Und doch darf und wird dieser Schock uns Juden nicht lähmen.“

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