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Trump will TikTok-Verbot – Wende durch Microsoft-Deal?

Washington.  Donald Trump hat angekündigt, die App TikTok in den USA verbieten zu lassen. Nun könnte ein Geschäft mit Microsoft eine Wende bedeuten.

Microsoft will US-Geschäft von Tiktok übernehmen

US-Präsident Donald Trump hat damit gedroht, die Videoplattform Tiktok in den USA verbieten. Jetzt strebt Softwarte-Gigant Microsoft eine Übernahme des US-Geschäfts von Tiktok an.

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Nachdem US-Präsident Donald Trumps in der Konfrontation mit China angedroht hat, die chinesische App TikTok in den Vereinigten Staaten verbieten zu wollen, zeichnet sich nun eine mögliche Wende ab. Am Freitag war bereits bekannt geworden, dass Microsoft an einer Übernahme des US-Geschäfts von TikTok interessiert sei – nun meldete sich der Konzern erstmals selbst. Das könnte Präsident Trump zum Umdenken bewegen.

Donald Trump wollte die Videoplattform TikTok in den USA eigentlich verbieten lassen. „Was TikTok betrifft, so verbannen wir sie aus den USA“, sagte Trump mitreisenden Journalisten zufolge am Freitagabend (Ortszeit) in seinem Regierungsflugzeug Air Force One. „Nun, ich habe diese Macht. Ich kann es mit einer Präsidentenverfügung oder damit (einer wirtschaftlichen Notstandsermächtigung) machen“, sagte er.

TikTok ist die internationale Videoplattform des chinesischen Unternehmens ByteDance, das in China die zensierte Version Douyin betreibt. Wegen Sicherheitsbedenken und der Kontrolle durch Chinas Behörden spürt das populäre TikTok schon länger politischen Gegenwind in den USA und in Europa.

Seiner Ankündigung zufolge wollte Trump bereits am Wochenende gegen die Videoplattform vorgehen. Passiert ist bisher allerdings nichts. Nun könnte ein Übernahmemanöver des Software-Giganten Microsoft das angedrohte Verbot sogar noch verhindern.

Trump und Microsoft: Erste Gespräche über TikTok-Ankauf

Microsoft bestätigte am Sonntag (Ortszeit) erstmals, den Zukauf des US-Geschäfts von TikTok anzustreben. Konzernchef Satya Nadella und Trump hätten sich darüber ausgetauscht, nun wolle Microsoft weitere Gespräche mit dem chinesischen TikTok-Eigentümer ByteDance führen. Ziel sei es, bis zum 15. September einen Deal zu vereinbaren. ByteDance steht unter hohem Druck, das US-Geschäft von TikTok zu verkaufen.

Die US-Regierung fürchtet, dass über TikTok Daten von US-Bürgern und -Bürgerinnen in die Hände der Kommunistischen Partei in China geraten. Trump will Pekings Einfluss in den USA mit aller Macht zurückdrängen. Sollte jedoch ein US-Unternehmen TikToks Geschäft in den Vereinigten Staaten übernehmen, könnte die App dort weiter eine Zukunft haben.

Microsoft erklärte, die Einwände Trumps ernstzunehmen, den Übernahmeplan aber nach einem Gespräch zwischen Vorstandschef Nadella und dem Präsidenten weiter zu verfolgen. Das deutet auf ein Entgegenkommen Trumps und eine mögliche Einigung hin. Zuvor hatte das „Wall Street Journal“ noch unter Berufung auf Insider berichtet, dass die Verhandlungen zwischen Microsoft und ByteDance wegen des Widerstands aus dem Weißen Haus vorerst gestoppt worden seien.

Microsoft will TikTok in mehreren englischsprachigen Ländern übernehmen

Trump selbst hat zunächst nicht auf die Microsoft-Mitteilung reagiert. Sein Finanzminister Steven Mnuchin hatte zuvor lediglich gesagt, es herrsche überparteilich Einigkeit darüber, dass TikTok in der jetzigen Form nicht in den USA bestehen bleiben könne.

US-Außenminister Mike Pompeo sagte am Sonntag dem Sender Fox News, Trump werde „in den kommenden Tagen Maßnahmen in Bezug auf ein breites Spektrum nationaler Sicherheitsrisiken ergreifen, die durch Software in Verbindung mit der chinesischen Kommunistischen Partei entstehen“.

Microsoft betonte, dass eine Übernahme nur im Einvernehmen mit der Regierung sowie klarer Belege für einen Nutzen der US-Wirtschaft infrage käme. Die Verhandlungen seien zudem in einem vorläufigen Stadium und es gebe noch keine Sicherheit darüber, ob eine Einigung erzielt werde. Der Dialog mit der Trump-Regierung solle während der weiteren Gespräche mit ByteDance in den kommenden Wochen fortgeführt werden. Microsoft will zudem das Geschäft in Kanada, Australien und Neuseeland übernehmen.

Trump will TikTok verbieten – App international umstritten

Nicht nur in den USA ist TikTok umstritten. Erst vor kurzem warnte das lose organisierte Hacker-Kollektiv „Anonymous“ öffentlich vor der Kurzvideo-App des chinesischen Herstellers Bytedance und rief Smartphone-Nutzer und -Nutzerinnen eindringlich dazu auf, die Anwendung zu löschen. In einem Twitter-Post bezeichnete Anymous Tiktok als chinesische Späh-Software.

In Indien wurde die Plattform bereits verboten. Wegen des Argwohns im Ausland bemüht sich das Unternehmen schon länger, seine internationale Plattform von der chinesischen Version zu trennen.

TikTok hat weltweit fast eine Milliarde Nutzer und Nutzerinnen

Zuvor hatte Außenminister Mike Pompeo eine Sperre von Tiktok in den USA nicht ausgeschlossen. Nach seinen Angaben könnten damit private Informationen in die Hände der Kommunistischen Partei Chinas gelangen.

Die Ankündigung fällt in eine Zeit, in der das Verhältnis zwischen den USA und China ohnehin zerrüttet ist. Zuletzt hatten beide Staaten Konsulate der anderen Seite schließen lassen und sich auf mehreren Ebenen zerstritten. Lesen Sie hier: USA und China: So gefährlich ist der Streit der Supermächte

TikTok ist vor allem bei jungen Menschen beliebt und hat weltweit fast eine Milliarde Nutzer und Nutzerinnen. Die Videoplattform entstand 2017 durch die Zusammenlegung mit der Mitsing-App Musical.ly, die mit einer Lippensynchronisierungsfunktion für selbstgedrehte Videos erfolgreich wurde.

TikTok – Mehr zum Thema

Besonders unter jungen Menschen ist TikTok die wahrscheinlich populärste Social Media-App. Doch wie sicher ist die App für ihre jungen Nutzer und Nutzerinnen? TikTok-App: Das sagt der Chef zum Umgang mit Polit-Inhalten.

(dpa/AFP/ba/reb)

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