Eichsfeld: Wahlkrimi in Heiligenstadt – Erstmals Bürgermeisterin in Sonnenstein

Eichsfeld  Amtsinhaber Spielmann behält mit 56,6 Prozent der Stimmen den Rathausstuhl in Heiligenstadt.

Thomas Spielmann (BI) gewann die Bürgermeisterwahl in Heiligenstadt. Gefeiert wurde gleich nach Bekanntgabe des Ergebnisses auf dem Marktplatz.

Thomas Spielmann (BI) gewann die Bürgermeisterwahl in Heiligenstadt. Gefeiert wurde gleich nach Bekanntgabe des Ergebnisses auf dem Marktplatz.

Foto: Eckhard Jüngel

Es war ein Krimi, was den Ausgang der Bürgermeisterwahlen in der Kreisstadt anging. Nachdem der erste Stimmbezirk ausgezählt war, führte Amtsinhaber Thomas Spielmann (BI) mit fast 70 Prozent.

Aber als der zweite Stimmbezirk in der Statistik erschien, kehrte sich das Bild komplett um: 61,6 Prozent für Thadäus König (CDU). Mit Zittern und Bangen verfolgten die Christdemokraten im Norddeutschen Bund und auch die Mitglieder der BI im Ratskeller die neuesten Zahlen.

Es zerrte an den Nerven in beiden Lagern. Gegen 18.30 Uhr wieder ein anderes Bild. Die Kandidaten rückten zusammen, Spielmann lag wieder mit 54,6 Prozent vorn. Da war die Hälfte der Bezirke ausgezählt. Fünf Minuten später konnte Spielmann den Vorsprung um eine Kleinigkeit auf 54,7 Prozent ausbauen. Die Nerven lagen in allen Lagern blank. Dann kam der Jubel aus dem Ratskeller. Um 19.16 Uhr stand es fest: Thomas Spielmann bleibt mit 56,6 Prozent der abgegebenen Wählerstimmen Bürgermeister in Heiligenstadt. Die Wahlbeteiligung lag in Heiligenstadt immerhin bei 58,0 Prozent.

58 Prozent der Kreisstädter wählten

Er dankte all jenen, die ihn unterstützt haben und im Wahlkampf nicht nur auf der Straße, sondern im Alltag Überzeugungsarbeit geleistet hätten. „Sie haben gesagt: Vertraut auf euer Bauchgefühl, guckt euch die Dinge an, hinterfragt sie.“ Bei der Wahl 2012 seien die damaligen etwa 53,6 Prozent Vorschusslorbeeren gewesen, jetzt die 56,6 Prozent Vertrauen. Aber ihm ist auch klar, dass Thadäus König 43,4 Prozent an sich binden konnte. „Knapp die Hälfte hat mich nicht gewählt. Mir ist bewusst, dass wir damit einen Auftrag haben. Wir werden uns zusammensetzen und besprechen, wie man ohne persönliche Befindlichkeiten gemeinsam an der Zukunft der Stadt arbeitet.“

Enttäuscht vom Ausgang der Wahl war Herausforderer Thadäus König. Aber: „Das Ergebnis hat gezeigt, dass fast die Hälfte der Leute eben nicht mit der Arbeit von Thomas Spielmann zufrieden sind.“ Die CDU habe in den vergangenen Wochen und Monaten ein gutes und geschlossenes Bild abgegeben und vor allem einen sauberen Wahlkampf geführt.

„Wir haben keine Blättchen mit persönlichen Angriffen verteilt“, so König. Seiner Meinung nach sei es auch kein gutes Ergebnis für einen Amtsinhaber. Er wollte aber als fairer Verlierer dem Gewinner noch am Abend gratulieren. „Politisch arbeite ich weiter.“ Vielleicht auch mit einer Kandidatur für den Stadtrat. Ob er sich in sechs Jahren erneut zur Bürgermeisterwahl stellt, das mochte König nicht beantworten.

Relativ eindeutig dagegen konnte der Wahlverlauf in Dingelstädt verfolgt werden. Andreas Fernkorn (CDU) trat für seine Partei an. Gegen 18.30 Uhr, als die Ergebnisse von zwei der fünf Stimmbezirke vorlagen, führte er mit stolzen 96,9 Prozent. Am Ende brachte er es auf 96,5 und freute sich über das Ergebnis – auch wenn die Wahlbeteiligung in der Unstrutstadt mit 37,2 Prozent nicht die höchste war. „Ich möchte mich bei allen bedanken, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben. Ein Bürgermeister möchte ich für alle sein, auch für die, die mich heute nicht gewählt haben“, sagte Fernkorn nach der Bekanntgabe des Ergebnisses.

Einen Zukunftsplan für Dingelstädt und das Zusammenwachsen der Stadt mit Helmsdorf, Silberhausen, Kefferhausen und Kreuzebra zu einer Landgemeinde hatte er im Wahlkampf zu seinen Haupthemen gemacht und damit gepunktet. Besonders freute er sich darüber, dass unter den Gratulanten, die in den „Eichsfelder Hof“ zur anschließenden Party kamen, die Bürgermeister beziehungsweise Stellvertreter der neuen Landgemeindeorte waren. „Das ist ein schönes Signal“, meinte Fernkorn.

Derweil hat die Landgemeinde Sonnenstein nun erstmals eine Bürgermeisterin: Margit Ertmer. Die parteilose Holungerin, die für die Freien Wähler kandidierte, wird Peter Trappe (CDU), der nicht wieder antrat, im Amt folgen. Von den 3931 wahlberechtigten Bürgern gaben 2388 ihre Stimme ab. Die Wahlbeteiligung lag bei 60,7 Prozent. Die 51-Jährige, die im Landwirtschaftsamt arbeitet, setzte sich gegen die ebenfalls parteilose Weißenbornerin Evelyn Hansmann durch, die von der CDU nominiert worden war.

„Ich freue mich sehr über das Votum der Bürger und einen demokratischen Beitrag geleistet zu haben. Es war eine offene Wahl, mit dem Ergebnis habe ich nicht gerechnet. Überzeugt haben die Wähler meine Besuche in den Orten, die Bürgernähe und meine bisher geleistete Arbeit“, sagte Ertmer. Sie geht davon aus, dass „es eine Personenwahl war“, sich die Wähler für die Person entschieden haben, nicht für CDU oder die Freien Wähler. Mit Freunden und Familie wurde der Sieg gefeiert, erste Gratulanten waren die Schwiegermutter und der Ehemann, mit denen Margit Ertmer am Computer die einlaufenden Ergebnisse verfolgt hatte.

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