Greiz: Flüchtlinge wünschen sich Frieden

Die Greizer sind freund­liche Leute, sagt Raed al Barghoth. Er ist einer der 53 Menschen im neuen Asylbewerberheim in Greiz-Pohlitz. Dort entschuldigte sich Landrätin Martina Schweinsburg (CDU) für Demo vom letzten Freitag.

Die syrische Flüchtlingsfamilie Rhula und Raed al Barghoth mit ihren Kindern während des Gedankenaustausches mit Landrätin Martina Schweinsburg (CDU) im Asyl­bewerberheim in Greiz-Pohlitz.Foto: Marius Koity

Die syrische Flüchtlingsfamilie Rhula und Raed al Barghoth mit ihren Kindern während des Gedankenaustausches mit Landrätin Martina Schweinsburg (CDU) im Asyl­bewerberheim in Greiz-Pohlitz.Foto: Marius Koity

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Greiz. Die Greizer sind freund­liche Leute, sagte Raed al Barghoth. In der Bushaltestelle am Zaschberg habe er zwei Frauen gefragt, wie er denn ins Stadtzentrum gelange. Und die Englisch­kenntnisse auf beiden Seiten hatten gereicht, dass er sein Ziel ohne Umwege fand. Lächelnd habe man sich von­einander verabschiedet.

Raed al Barghoth, seine Frau Rhula, seine Kinder Rahma, Rami und - der vor einem Monat in Deutschland geborene Säugling - Jusuf gehören zu den syrischen Flüchtlingen im Asylbewerberheim in Greiz-Pohlitz. Land­rätin Martina Schweinsburg(CDU) und auch Bürgermeister Gerd Grüner (SPD) versicherten dieser Familie - stellvertretend für alle Flüchtlinge in der Gemeinschaftsunterkunft -, dass das, was die Demo gegen das Asylbewerberheim am letzten Freitagabend zum Ausdruck brachte, keineswegs die Meinung der Allgemeinheit sei. "Es tut mir sehr leid für das, was Sie ertragen mussten", sagte Schweinsburg. "Die meisten Demonstranten stammten gar nicht aus Greiz, hier wird mit den niedrigsten Instinkten polemisiert", stellte Grüner verärgert fest. Sie seien über diese Demo "ein bisschen schockiert" ge­wesen, ließ Raed al Barghoth über die Dolmetscherin Alice Swaid ausrichten und er versicherte: "Wir wollen Frieden."

Unfrieden habe die Familie nämlich genug erlebt. Palästinensischen Ursprungs, habe sie eine Vertreibungsgeschichte, die bis 1948 zurückreiche, gaben Raed und Rhula al Barghoth zu verstehen. In Syrien haben sie zuletzt in der Hauptstadt Damaskus gelebt, er als Küchen­designer, sie als Medizinisch-Technische Assistentin. Irgendwann habe es danach ausgesehen, dass die Familie auseinan-dergerissen werden könnte, so dass sie sich nach Ägypten abgesetzt habe. Dort sei sie zwischen die Fronten des Bürgerkrieges geraten, so dass sie sich nach Italien bringen ließ. Dort wiederum sei sie an Be­trüger geraten, so dass man sich schließlich für Deutschland entschieden habe, zumal hier ein Bruder von Frau al Barghoth als Arzt tätig sei. "Wir wollen, dass es unsere Kinder besser haben", sagte Herr al Barghoth und re­sümierte: "Wir haben nur gute Erfahrungen in Deutschland gemacht."

Zwei Demonstrationen für Freitag angemeldet

Verpflichtung genug für die Landrätin, die Dienstag­mittag für den kommenden Freitagabend zwei Demo-Anmeldungen für das Umfeld des Asyl­bewerberheimes auf dem Tisch hatte. Während eine Gruppe gegen die Flüchtlinge ist, will die andere sie mit den Mitteln einer Kundgebung willkommen heißen. Spätestens am Donnerstag sollen die Versammlungsleiter ihre Bescheide erhalten.

Wie auch immer diese aus­fallen werden - Willy Weidner, Landesbeauftragter des Heim-Bewirtschafters Human Care, und seine Mitarbeiter sehen den Ereignissen gelassen entgegen. Weil sie 25 Jahre Erfahrung mit Asyl­bewerber- und Aussiedler­heimen hätten, wie sie sagen. In der Theodor-Storm-Straße 1 habe es bislang keinerlei Probleme gegeben. Und was die Demos am Freitag betrifft: "Wir haben die Be­wohner darüber belehrt, wie sie sich verhalten sollten."

Nebst muslimischen Syrern seien auch christliche in der Gemeinschaftsunterkunft - die ersten hätten schon den Gottesdienst in Greiz-Pohlitz besucht. Roma, auf die sich die Bürger­initiative gegen dieses Asyl­bewerberheim verbal so ein­geschossen hat, seien definitiv nicht unter den 53 Flüchtlingen, versicherte der zuständige Landratsamts-Dezernatsleiter Harry Eigenrauch.

Schweinsburg wiederum erklärte erneut, dass dieses Asyl­bewerberheim nur "temporär" sei, und belegte das mit dem Entwurf des nächsten Landkreis­haushaltes, in dem lange vor der aktuellen Situation für das Jahr 2014 ein Abriss des Gebäudes vorgesehen sei. Schweinsburg will außerdem prüfen lassen, ob und inwiefern Flüchtlinge besser im Landkreis verteilt werden könnten. Dieser unterhält zurzeit drei Gemeinschaftsunterkünfte - alle drei in Greiz mit insgesamt 143 Asylbewerbern.

Schließlich sagte Schweinsburg, dass man durchaus überlegt habe, in Greiz-Pohlitz eine Einwohner­versammlung im Hinblick auf das Asylbewerberheim anzubieten. Dann hätten sich die Ereignisse aber überschlagen, so dass für die Vor­bereitung einer solche Ver­anstaltung keine Zeit mehr gewesen wäre. In der jetzigen angespannten Situation werde sie keine Ein­wohnerversammlung anbieten. Sie werde Extremisten keine Plattform bieten.

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