Linkspolitisches Projekt "Veto" in der Trommsdorffstraße eröffnet

Zwei Jahre nach der Räumung des Besetzten Hauses an der Weimarischen Straße gibt es in Erfurt wieder einen Platz für gesellschaftspolitische Gegenentwürfe. Diesmal ist er legal.

Das neu eröffnete Projekt "Veto" gilt auch als bevorzugter Aufenthaltsort für recht unterschiedliche Alters- und Interessengruppen. Foto: Mario Gentzel

Das neu eröffnete Projekt "Veto" gilt auch als bevorzugter Aufenthaltsort für recht unterschiedliche Alters- und Interessengruppen. Foto: Mario Gentzel

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Erfurt. Es hat lange gedauert, bis Christian und Pascal wieder einen politischen Anlaufpunkt hatten. Die beiden jungen Männer sitzen in einem kleinen Raum in der Trommsdorffstraße 5 und wollen ihre Nachnamen lieber nicht in der Zeitung lesen. "Veto" sei eben ein politisches Projekt, sagen sie. Ihre Identität möchten sie deswegen vor Nazis oder der Polizei schützen.

Seit Anfang April gibt es das "Veto", vom Anger sind es keine fünf Minuten zu dem kleinen Laden. Politische Gruppen wie der Infoladen Sabotnik, ehemalige Hausbesetzer und einzelne Personen betreiben das Projekt. Den Mietvertrag hat einer der Privatleute unterschrieben. Nach der Räumung des Besetzten Hauses sei in Erfurt ein Loch für die linke Szene entstanden, erzählt Pascal. "Mit dem ’Veto’ können wir das hoffentlich auffüllen."

Ein Ersatzprojekt für das ehemalige Topf- und-Söhne-Gelände sei der neue Laden aber nicht. In dem neuen Projekt würden zum Beispiel keine Konzerte stattfinden und es lebe auch niemand dauerhaft in den Räumen. "Das hat schon einen ganz anderen Charakter", sagt Pascal. Vor allem aber ist der Laden legal angemietet. Für mindestens eineinhalb Jahre läuft der Vertrag.

"Für mich ist das Projekt ein Platz, von dem aus die Gesellschaft kritisiert werden soll", sagt Christian über die Ziele der "Veto"-Nutzer. Es gehe darum, einen Gegenpunkt aufzumachen. "Zu allen Dingen, die uns stören." Um die "Gegenpolitik" zu organisieren, treffen sich alle Nutzer zu einem monatlichen Plenum. So solle auch die Vernetzung der einzelnen Gruppen vorangebracht werden.

Wie die politischen Entwürfe der Gruppen aussehen, lässt sich an der kleinen Bibliothek ablesen, die die "Veto"-Betreiber eingerichtet haben. "Radikal" steht auf ein paar Ordnern, an der Fensterscheibe kleben Antifa-Plakate.

Nicht überall trifft das auf Gegenliebe. Am Wochenende seien die ersten Rechtsradikalen vor dem Laden aufgetaucht, erzählt Christian. "Wir hoffen, dass hier keine Scheiben eingeschlagen werden oder sowas."

Zunächst haben die Betreiber aber andere Probleme. "Wir brauchen noch ein Regal für Poster", sagt einer. Ein anderer erzählt von Lärmbeschwerden. Auch Christian und Pascal müssen los. In ein paar Minuten redet ein Referent über die Flüchtlinge im Mittelmeer.

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