Parlamentswahl

Neuseeland: Historischer Wahlerfolg für Jacinda Ardern

Wellington.  Jacinda Ardern ist als Corona-Krisenmanagerin extrem erfolgreich und gewinnt die Parlamentswahl in Neuseeland mit großem Abstand.

Jung, smart, populär und überaus erfolgreich als Corona-Krisenmanagerin: Jacinda Ardern, Premierministerin von Neuseeland, strahlte schon in der Wahlnacht Zuversicht aus. Zurecht.

Jung, smart, populär und überaus erfolgreich als Corona-Krisenmanagerin: Jacinda Ardern, Premierministerin von Neuseeland, strahlte schon in der Wahlnacht Zuversicht aus. Zurecht.

Foto: David Rowland / dpa

Ihr Motto: „Go hard, go early.“ Hart und früh. So rigoros, so entschieden ging Jacinda Ardern gegen das Corona-Virus in Neuseeland vor. Bisher mit Erfolg. Der Lohn dafür: Die Premierministerin steht vor ihrem bislang größten Sieg. Bei der Parlamentswahl ist er ihr kaum noch zu nehmen.

Nach Auszählung von mehr als 50 Prozent der Stimmen kam Arderns Labour-Partei sogar auf die absolute Mehrheit von 65 der 120 Sitze hoffen. Das wäre für den Inselstaat ein Linksrutsch.

Jacinda Ardern hat Corona zwei Mal besiegt – jedenfalls fast

Es gibt sie, die fast coronafreien Länder, nicht zufällig gerade Inselstaaten. Taiwan gehört dazu und eben Neuseeland. Heute verzeichnete es drei Neuinfektionen mit Covid-19. Die Zahl der aktiven Fälle gibt die internationale Datenbank „Worldometer“ mit 40 an. Insgesamt wurden seit Beginn der Pandemie 1883 Fälle gezählt. Zum Vergleich: Für Deutschland meldete das Robert-Koch-Institut heute über 7800 Fälle.

International beachtet wurde die 40-Jährige Politikerin schon nach dem Anschlag eines Rechtsextremisten auf zwei Moscheen in Christchurch im März 2019. Damals starben 51 Menschen. Was machte Ardern? Am Tag darauf trug sie als Zeichen der Solidarität mit den Opfern ein islamisches Kopftuch. Auf einer Welle der Popularität reitet sie aber erst, nachdem sie die Corona-Pandemie zwei Mal unter Kontrolle brachte: beim Ausbruch und abermals, als die zweite Welle kam.

Corona: Das Virus kam erst spät nach Neuseeland

Allerdings waren die Ausgangsbedingungen günstig. Die Inseln am anderen Ende der Welt sind dünn besiedelt und haben das Virus erst bekommen, nachdem es schon in Asien gewütet hatte. Die 40 Jahre alte Regierungschefin musste nicht reagieren - sie konnte früh agieren. Sie hatte die Zeit dafür.

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Eine der gefälligsten Thesen der letzten Monaten lautet, in der Corona-Krise hätten weltweit besonders Frauen Führungsstärke bewiesen – gerade in Vergleich mit Männern, die das Virus auf die leichte Schulter genommen haben wie Donald Trump, Jair Bolsonaro oder Boris Johnson. Zu dieser besonderen Frauenriege gehörte neben Angela Merkel stets auch die Kümmerin aus Neuseeland.

Neuseeland: Wähler stimmen auch über Marihuana ab

Auch die größte Konkurrenz der Labour-Partei wird freilich von einer Frau geführt: Judith Collins von der konservativen Nationalpartei, die deutliche Verluste hinnehmen muss. Sie kommt den vorläufigen Resultaten zufolge nur auf etwa 35 Sitze im Parlament.

Zeitgleich stimmten die Wähler darüber ab, ob die Sterbehilfe zugelassen und Marihuana legalisiert werden sollte. Als Ardern in einer TV-Debatte gefragt wurde, ob sie schon einmal Cannabis konsumiert habe, antwortete sie: „Ja, vor langer Zeit.“ Die Ergebnisse der Volksbefragungen sollen erst Ende Oktober veröffentlicht werden. Dann wird sich zeigen, ob die Neuseeländer zu Marihuana eine genauso entspannte Haltung haben wie ihre Regierungschefin.