Debatte

SUV in der Kritik: Warum die FDP die Geländewagen verteidigt

Berlin.  Nach dem Unfall eines SUV in Berlin mit Toten ist eine Debatte über Geländewagen in Städten entbrannt. Die FDP verteidigt die Autos.

Nach einem schweren Unfall in Berlin mit einem SUV ist eine Debatte über die Geländewagen in Städten entbrannt. (Symbolbild)

Nach einem schweren Unfall in Berlin mit einem SUV ist eine Debatte über die Geländewagen in Städten entbrannt. (Symbolbild)

Foto: Sina Schuldt / dpa

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Nach dem schweren Verkehrsunfall in Berlin mit vier Toten hat sich die FDP gegen die anschwellende Kritik an Geländelimousinen (SUV) gestellt. „Die Ermittlungen zum Unfallhergang sind noch nicht einmal abgeschlossen, da wird schon ein Urteil gefällt: SUVs sind schuld“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Bundestagsfraktion, Marco Buschmann, unserer Redaktion.

„Es wird martialisch von panzerähnlichen Autos und Obergrenzen gesprochen, wie man es sonst nur von der AfD kennt. Diese Rhetorik ist unwürdig und zeigt, wie ideologisch das Auto mittlerweile bekämpft wird.“ Es sei erschreckend, wie der fürchterliche Verkehrsunfall in Berlin von Grünen und Deutscher Umwelthilfe instrumentalisiert werde, fügte Buschmann hinzu.

SUV-Unfall in Berlin – Bezirksbürgermeister spricht von „panzerähnlichen Autos“

Trotz der laufenden Ermittlungen hat der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Stephan van Dassel (Grüne), bereits SUVs als Schuldige ausgemacht. „Solche panzerähnlichen Autos gehören nicht in die Stadt“, sagte Stephan von Dassel (Grüne) laut „Spiegel“. „Es sind Klimakiller, auch ohne Unfall bedrohlich, jeder Fahrfehler wird zur Lebensgefahr für Unschuldige.“

Kritik kommt auch von Oliver Krischer, Vize der Grünen-Bundestagsfraktion: „Wir brauchen eine Obergrenze für große SUV in den Innenstädten“, forderte er im „Tagesspiegel“. Er stellt sich vor, dass Kommunen „bestimmte Größenbegrenzungen“ festlegen könnten. „Die Autos brauchen immer breitere Parkplätze in Städten, wo der Raum immer knapper wird. Sie sind eine Gefahr gerade für Fußgänger und Radfahrer“, sagte er der Zeitung weiter.

Unfallforscher: SUV sind nicht pauschal eine Gefahr

Ein Unfallforscher der Versicherungswirtschaft hatte „Bild“ erklärt, dass man SUV nicht pauschal zur Gefahr erklären könne – manch Kleinwagen sei beim Aufprall durch die Bauweise gefährlicher, ohnehin führe „alles jenseits von 50 Stundenkilometern Aufprallgeschwindigkeit“ bei Menschen „mindestens zu lebensgefährlichen Verletzungen, häufig zum Tode – unabhängig vom Fahrzeugtyp.“

Der Automobilclub ADAC indes hält ein Verbot von Sportgeländewagen (SUV) weder für umsetzbar noch für sinnvoll. „Entscheidend für die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern ist vielmehr das verantwortungsvolle Führen von Kraftfahrzeugen“, teilte ein ADAC-Sprecher am Montag mit.

Das gelte vor allem für die Faktoren angepasste Geschwindigkeit, Alkohol und Ablenkung. „Insofern lässt sich Unfallvermeidung nicht mit dem Verbot einer Fahrzeugklasse lösen, sondern durch mehr Rücksichtnahme.“

Am Freitagabend war ein Porsche-SUV in Berlin auf einen Bürgersteig gerast. Dabei kamen vier Passanten ums Leben, der Fahrer des SUVs und seine beiden Mitfahrer wurden verletzt. Nach dem Porsche-Unfall in Berlin hatten die Grünen eine SUV-Obergrenze gefordert.

Der SUV-Boom auf dem deutschen Automarkt hält ungebrochen an. Im Juni stiegen die Neuzulassungen bei den Sportgeländewagen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 6,2 Prozent auf rund 68.500 Fahrzeuge, wie das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg am Freitag mitteilte.

Das Segment Geländewagen legte um 2,5 Prozent auf rund 30.500 Autos zu. Insgesamt wurden wie bereits bekannt 325.000 Wagen neu zugelassen. Der SUV-Marktanteil stieg auf 21,2 Prozent, der der Geländewagen auf 9,4 Prozent. Das KBA unterscheidet zwischen den Segmenten SUV und Geländewagen, dies hat mit optischen und technischen Merkmalen zu tun. Die Hersteller vermarkten die Fahrzeuge aber meistens als SUV. (les/fmg/dpa)

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