Ernstes Thema kurzweilig verpackt – sehenswertes Theater im Burghof

Kapellendorf  Premierenerfolg: Kunstbühne Kurz&Klein spricht Umweltfragen an und sorgt für Nachdenken und Amüsement zugleich

Kurz&Klein Kunstbühne Jena in der Wasserburg Kapellendorf: In „Mach nicht so'n Theater oder Der Countdown läuft“ werden Umweltthemen

Kurz&Klein Kunstbühne Jena in der Wasserburg Kapellendorf: In „Mach nicht so'n Theater oder Der Countdown läuft“ werden Umweltthemen

Foto: Dirk Lorenz-Bauer

Auf der Wiese ist es gefährlich – zumindest auf der von Herrn Meyer. Arnd Vogel gibt den eifrigen Vorsitzenden der Kleingartensparte „Schöne Ranunkel“, der die Satzung wahrscheinlich im Schlaf herbeten kann. Meyer tuckert auch regelmäßig und gern mit dem Rasentraktor ohne Software-Update übers Grün. Dabei, es musste ja irgendwann so kommen, fährt er vor den Augen des Publikums eine Hummel über den Haufen, dass die gelb-schwarzen Fetzen nur so fliegen.

Dass es die letzte Hummel ihrer Art gewesen sein soll, ahnt Meyer zu dem Zeitpunkt nicht. Fortan nehmen die Dinge ihren juristischen Lauf. Der konservative Kleingärtner wird vor Gericht gestellt, wo von Gabriele Reinecker als kecke Richterin umgehend nichts weniger als „Die Welt gegen Herrn Meyer“ verhandelt wird. Nach einigem Hin und Her wird der dazu verdonnert, ersatzweise bestäubenderweise Hummelarbeit auf den Apfelblüten zu verrichten.

Dass er zu seiner Verteidigung angibt, die Großen – die Aktienhalter dieser Welt und die Agrarindustrie – trügen an all dem Umweltelend weitaus mehr Schuld, interessiert die Perückenlady in der Robe nicht. Immer auf die Kleinen, beklagt Meyer.

Arnd Vogel indes wäre nicht Arnd Vogel, würde er nicht das Urteil annehmen und frisch ans Werk gehen, seine Schuld abzutragen suchen. Dabei nimmt er wie gewohnt – im seinem dicklichen Hummelkostüm wunderbar anzusehen – direkt Kontakt zum Publikum auf. Dabei sortiert er gleich mal frech als „verblüht“ aus, wer seiner Ansicht nach rein optisch noch für eine Bestäubung durch seinen Staubwedel infrage kommt. – Das Ganze ist höchst unterhaltsam.

All das passiert im neuen Stück der Jenaer Kurz&Klein- Kabarett-Kunstbühne, die nach der gelungenen Premiere am Freitag noch bis 31. August im Hof der Wasserburg gastiert. Unter dem Titel „Mach nicht so‘n Theater. Oder: Der Countdown läuft“ wird das Thema Umwelt, Wissen, Nicht-Wissen und Halb-Wissen von den „richtigen Internetseiten“ darum exemplarisch in dieser provinziellen Kleingartenanlage widergespiegelt.

Die teils nachdenklich stimmenden Gedanken zu aktuellen Problemen sind gewollt. Zu ernst nämlich ist das Thema, wenngleich es Reinecker & Co. verdaulich, ja sehr kurzweilig verpacken. In der Anlage, die quasi die Welt bedeutet, treffen jedenfalls Steingärten und Katastrophenbunker, Liebende auf Regenwürmer beschwörende und Nachtfalter besingende Trommel-Ökos, die Radau gegen den Klimawandel machen und dabei rhythmisch auch noch Treibhausgase furzen.

Gereimt wird natürlich auch wieder viel, Kostprobe: „Es liegt in unserer Art, dass ein Nachtfalter sich paart . . .“ Etliches wird in witzigen Dialogen verpackt. Das Stück bereitet einfach Freude. Dass die vier Schauspieler Arnd Vogel, Gabriele Reinecker, Stefan Töpelmann und Ilka Flegel schnell wechselnd in zahlreiche Rolle schlüpfen, darf als zusätzliche Herausforderung gesehen werden, die das Quartett meistert.

Am Ende bleibt angesichts der drohenden Umweltkatastrophe ein ungutes Gefühl in jedem zurück, zumal irgendwie alles zu bleiben scheint, wie es ist. Hummel-Meyer wird weggesperrt – im Tierheim.

Und am Ende reißt sich die Richterin seine Parzelle mit Pool unter den Nagel – und den Spartenvorsitz gleich mit.

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