Arnstädter Milchhof: Abwägung zwischen Denkmalschutz und Machbarem

Arnstadt  Arnstadt. Ein Kolloquium im alten Arnstädter Milchhof diskutierte über das Thema „Denkmalpflege und die Bauten der Moderne“.

Der Arnstädter Milchhof – seit Jahren eine Ruine – soll mit Leben gefüllt werden. Er ist ein historisch wertvolles Baudenkmal, gebaut in den Jahren 1928/29. Foto: Robert Schmidt

Der Arnstädter Milchhof – seit Jahren eine Ruine – soll mit Leben gefüllt werden. Er ist ein historisch wertvolles Baudenkmal, gebaut in den Jahren 1928/29. Foto: Robert Schmidt

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"Denkmalpflege und Bauten der Moderne" hieß das Thema eines Kolloquiums, zu dem gestern in den Milchhof in Arnstadt eingeladen wurde. Geredet wurde dabei über Denkmalpflege und Städteplanung, und zwar anhand der Beispiele des "Haus am Horn" in Weimar, des "Haus des Volkes" in Probstzella, des Wartburgpavillons in Eisenach und eben des Milchhofes in Arnstadt. Ein Kolloquium in einer Ruine war für alle Beteiligten – auch für Landeskonservator Holger Reinhardt – ein Experiment. So viel vorweg: Es war ein gelungenes.

Der Berliner Architekt Walther Grunwald ist vom Milchhof begeistert, seit fast genau einem Jahr beschäftigt er sich mit dem Objekt. Begeistert ist er vor allem von der Substanz, die zwar teilweise erhebliche Schäden aufweise, was zum Glück keine schwerwiegenden statischen Probleme mit sich bringt, zum anderen auch vom Umstand, dass das Gebäude nie zweckentfremdet genutzt wurde.

"Ein ungewöhnliches Bauwerk und ein ungewöhnliches Baudenkmal", so Grunwald. Der hat sich in Thüringen schon einen Namen gemacht, und zwar durch die Restaurierung der 2004 abgebrannten Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar.

Er beklagte gestern mit Blick auf den Milchhof den "Eigentümervandalismus" – sprich den der Vorgänger der heutigen Besitzer, der "Baudenkmal Milchhof Arnstadt GmbH" in Person von Jan Kobel und Judith Rüber.

So hätte irgendwer vor Jahren alle auch nur irgendwie verwertbaren Eisenteile abgebaut und verscherbelt und damit dem Bauwerk viel mehr Schaden zugefügt, als er Geld für den Schrott bekommen habe. Und natürlich hat dem Milchhof auch der jahrelange Leerstand nicht gutgetan, Schäden durch eindringende Feuchtigkeit sind nur eine der negativen Folge.

Ökologische und ökonomische Vernunft

Ein Glücksfall seien dagegen viele andere Funde, die Grunwald während der Bestandsaufnahme gemacht habe. So etwa ein altes Sprossenfenster, nach dessen Vorgaben man nun alle anderen fertigen könne, erhaltene Türen im Obergeschoss oder noch originale Fußböden.

Und: Im Landesamt für Denkmalpflege sind Originalpläne von 1928 gefunden worden – ein Umstand, der die Planungen für die Sanierung natürlich wesentlich erleichtert.

Nach der jetzt erfolgten Bestandsaufnahme geht es in erster Linie darum, den Spagat zwischen Denkmalschutz und neuer Nutzung zu bewältigen.

Im Arnstädter Milchhof sollen sich einmal ortsansässige Firmen präsentieren, Künstler ausstellen oder Veranstaltungen wie eben dieses Kolloquium stattfinden können. "Da muss man zum einen schauen, ob die Statik es zulässt, dass sich zum Beispiel Hundert oder mehr Menschen in einem Raum aufhalten, zum anderen ist es auch eine Abwägung zwischen Denkmalschutz und finanziell Machbarem", so Grunwald gestern. Dabei seien immer auch Kompromisse notwendig – von Seiten des Eigentümers, des Denkmalschutzes und natürlich auch vom Architekten.

Diese "ökologische und ökonomische Vernunft" im Umgang mit alten Gebäuden forderte auch Landeskonservator Reinhardt – auch mit Blick auf den Milchhof. Solche Gebäude seien auch gesellschaftliche Werte, deren Erhalt dann eben auch eine gesellschaftliche Aufgabe sei. Der Arnstädter Milchhof könne hier als durchaus positives Beispiel gelten. Weitere Themen des gestrigen Kolloquiums waren noch der Umgang mit den eher ungeliebten Plattenbauten der 60er- bis 80er-Jahre und "100 Jahre Bauhaus – Zwischen Fehlerkorrektur und Denkmalpflege". Auch über "Verbietet das Bauen" – eine Streitschrift von Daniel Fuhrhop und ein Plädoyer gegen den "Neubauwahn" und für den Erhalt von Altbauten, wurde von Architekten, Bauherren und Denkmalpflegern diskutiert.

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