Der Weihnachtsbrunch wurde auch schon abgesagt

Ilm-Kreis.  Gastronomen und Hoteliers im Ilm-Kreis leiden unter dem erneuten Lockdown. Trübe Aussichten für das Weihnachtsgeschäft.

Der zweite und ab Montag geltende vierwöchige Lockdown trifft Matthias Lorenz, den Wirt des Gasthauses „Zum schwarzen Hahn“ in Elxleben hart. Er hatte die Gaststätte erst im Februar diesen Jahres, also kurz vor dem ersten Lockdown, übernommen. Nun muss er zum zweiten Mal dichtmachen. „Keine gute Nachricht, das Wasser steht uns jetzt weit über Oberkante Unterlippe“, sagte er Mittwochabend kurz nach Bekanntwerden der Regelungen. Und nun? Er wird wieder seinen Service am Sonntag – bei dem er Mittagessen außer Haus verkauft – anbieten, um wenigstens etwas zu verdienen. Im Frühjahr stand er außerdem fast täglich vor dem Gasthaus am Rost. Das wird er wohl jetzt auch wieder tun – Kälte und Regen hin oder her. „Irgendwie über die Runden kommen“ lautet seine Devise. „Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.“

Auch bei Maurice Schönfeld, dem Chef des Fitnessstudios „Positiv Fitness“ auf dem Arnstädter Rabenhold hält sich die Begeisterung nicht nur in Grenzen: „Es ist die totale Sch…“, sagt er. Professionell geführte Fitnessstudios seien fast die einzigen gewesen, durch deren digitale Mitgliedererfassung man Infektionsketten hätte nahtlos nachverfolgen können, wenn es denn nötig gewesen wäre. War es aber nicht, „es gibt keinen einzigen bekannten Fall, wo eine Ansteckung in einem Fitnessstudio weiter gegeben wurde.“ Klar gebe es einige wenige schwarze Schafe, bei denen jeder ohne Aufsicht und mit wie vielen auch immer zusammen machen könne, was er wolle, „aber jetzt werden wir alle über einen Kamm geschert“. Schönfeld sagt auch: „Der Frust bei den Menschen nimmt zu, und der wird seit Mittwochabend auch bei uns abgeladen.“

Beide – Lorenz und Schönfeld – werden wohl wieder nicht in den Genuss der Mittwoch versprochenen Hilfen kommen, denn beide eröffneten erst dieses Jahr und hatten demzufolge im November 2019, der die Berechnungsgrundlage für die neuen 10-Milliarden-Hilfe ist, keinen Umsatz.

350 Reservierungen für Weihnachten

Als Mittwochabend die Schließung von Gaststätten und Restaurants für Montag angekündigt wurde, lief bei Peter Ehrlicher im Ilmenauer Hotel „Tanne“ das Telefon heiß. „Viele haben für das Wochenende im Restaurant reserviert und wollen noch einmal Essen gehen“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter der „Tanne“.

„Wir wissen noch nicht genau, wie die neuen Vorschriften aussehen“, so Ehrlicher weiter. Der Hotelier sagt, dass sein Haus zum Glück auch von Geschäftsleuten lebt. „Noch ist unklar, ob Tagungen durchgeführt werden dürfen oder wir dem Geschäftsgast abends auch ein Essen im Restaurant anbieten können.

Den Brunch für Weihnachten und Silvester hatte die „Tanne“ bereits abgesagt. Laut Ehrlicher gab es bereits 350 Reservierungen. „Wir sind beim Umsatz ein Drittel hinter dem, was voriges Jahr war.“ Und das, obwohl das Geschäft gerade durch Urlauber im August, September und Oktober wieder gut angelaufen war. Was bleibt, sagt Ehrlicher, ist die Unsicherheit. „Das ist das Schlimmste.“

Ein Passant in Ilmenau sagt zur Situation: „Corona spaltet wie Trump. Man muss aufpassen, dass man in der Familie noch zusammen Kaffee trinken kann.“ Dass die Händler nicht schließen müssen, freut auch Verkäuferin Gabriele Acker im City-Kaufhaus Ilmenau. Man setzte ja hier auch konsequent ein Hygienekonzept durch, an das sich auch die Kunden halten. Es wird schließlich Weihnachten, das bekomme man im Kaufhaus auch schon zu spüren. „Ehe ich gar nichts mehr kaufen kann.“ Der ehrenamtliche Beigeordnete der Stadt Ilmenau, Eckhard Bauerschmidt (Linke) meint: Um die Gastronomie tut es mir leid, auch um mein Fitnessstudio.“ Im Kreis könnte ja von den Zahlen her noch alles so bleiben, wie es ist, man müsse aber auch die Nachbarn im Blick haben.