Erfurt. Der Theater-Skandal wird zum Demokratieproblem, schreibt ein Leser. Und braucht es eine neue Satzung zur Fassadengestaltung? Außerdem: Was könnte gegen den Buchsbaumzünsler helfen? Welche Themen die Erfurter gerade beschäftigen.

Axel Espenhahn aus Erfurt kritisiert Oberbürgermeister Andreas Bausewein: „Seit einem halben Jahr schwelt in Erfurt ein Theaterskandal, der längst zu einer peinlichen Provinzposse geworden ist - und für mich ein Demokratieproblem. Es gab 2021 für kulturinteressierte Erfurter keinen plausibel kommunizierten Grund, den im Laufe von 20 Jahren zunehmend durch „Unregelmäßigkeiten“, Rechtsstreitigkeiten und unerfreuliche Allüren auffallenden Intendanten Montavon noch eine siebenjährige Verlängerung seiner anscheinend unkontrollierten Herrschaft zu verschaffen.
Zu verantworten hat das der Oberbürgermeister, der den üppigen Montavon-Vertrag durchgesetzt und unterschrieben hat. Das rächt sich nun. Ob OB Bausewein ein Freund des Erfurter Theaters ist, mag in der Sicht des Betrachters liegen. Als das Philharmonische Orchester 2021 sein 125-jähriges Bestehen beging, fiel er jedenfalls durch Abwesenheit auf. Andernorts unvorstellbar.

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Im April 2022 aber unternimmt der bekennende Nicht-Opernfan Andreas Bausewein eine Vergnügungstour nach Monte Carlo. Eingerahmt von Nobelkarossen posiert er mit Guy Montavon vor dem Spielkasino und gönnt sich nebenan in der Oper einen Auftritt der umstrittenen Diva Anna Netrebko. Und das in einer Inszenierung, die der OB auch in Erfurt hätte erleben können. Solche Eskapaden schaffen natürlich Abhängigkeiten, die jeder Politiker tunlichst vermeiden sollte. Die Folgen erleben wir jetzt.
Dass der recht auskömmlich bezahlte OB diese dienstferne Lustbarkeit auch noch als Dienstreise abrechnete, überschreitet für mich die Grenzen des Anstands. Inzwischen verursacht Bausewein vor allem Kosten: die stattliche Gehaltsfortzahlung des „freigestellten“ Generalintendanten, die Mandatierung verschiedener Großkanzleien, Gutachten über Gutachten. Wie klärt er den ach so unerwarteten 3-Millionen-Fehlbetrag unter Montavon?

Ob die Gleichstellungsbeauftragte Fehler gemacht hat, werden leider Gerichte entscheiden müssen. Jedenfalls hat sie anscheinend längst überfällige Untersuchungen in Gang gesetzt für diverse fragwürdige Vorgänge (Näheres wird dem Wahlvolk vorenthalten), die sonst eher unter den Teppich gekehrt worden wären. Dafür gebühren ihr Dank und Respekt.
Die Stadtspitze übt sich sich indes in Vernebelung. Als Normalbürger vermisst man nach immerhin sechs Monaten stabile, seriöse Fakten und ein zügiges entschlossenes Handeln des Oberbürgermeisters. Das hat er allerdings nur gegenüber der Gleichstellungsbeauftragten an den Tag gelegt. Das undurchsichtige Taktieren und Hinhalten des OB ist mit Blick auf den Wahltermin erklärlich. Als Erfurter Wähler, der alle sechs Jahre über den Oberbürgermeister abstimmen darf, beschädigt das mein Demokratieverständnis. Das Volk ist zwar der Souverän, wirklich ernst genommen, offen und ehrlich informiert wird es aber nicht. Das fördert Demokratieverdrossenheit, die wir nicht brauchen und nicht wollen. Vielleicht erfahren die Erfurter wenigstens nach dem Wahltag mehr.
Was Andreas Bausewein für seine -vierte- Amtszeit plant, bleibt ungewiss. Die 18 Jahre der Ära Bausewein sind durch gigantische Lagerkomplexe auf Ackerland geprägt. Im Niedriglohnsektor. Vergleichbare ostdeutsche Großstädte punkten mit Hightech-Ansiedlungen und Forschungs-Instituten - in Erfurt Fehlanzeige. Wie will er Erfurt in einer vierten Amtszeit zukunftsfähig machen?

Ich erkenne es auf seinen Plakaten nicht. Stattdessen nutzt er das offizielle Amtsblatt der Landeshauptstadt recht ungeniert zur Eigenwerbung.“

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Mehr zum Erfurter Theater

Fassaden in Grau sind keine Option

Helga Cierpka aus Erfurt äußert sich zur Fassadengestaltung Sahnetorte: „Hurra, ein Machtwort vom Bürgermeister. Seit 2009 gibt es die Hauswandgestaltung „Sahnetorte“. Gegen Graffiti beschmierte Fassade, zum Beispiel in der Leipziger Straße, prangen großflächige Graffiti an der Fassade. Hoffentlich wird eine „neue“ Gestaltungssatzung und Werbesatzung für die Stadt erarbeitet, keine Option sind Fassaden in Grau.“

Große Leistung der jungen Schausteller in der Schotte

Helmut Rook aus Erfurt schreibt seine Gedanken zum Theaterstück „(K)eine Anleitung zum Unglücklichsein“. „Was das Jugendtheater „Die Schotte“ gegenwärtig auf die Bühne bringt, ist sehens-, hörens- und nachdenkenswert. Der große Psychoanalytiker Paul Watzlawick hat typische Grundmuster menschlichen (Fehl-) Verhaltens schon 1983 in seinem Büchlein “Anleitung zum Unglücklichsein“ verarbeitet. Es hat mich damals begeistert und war wie ein Spiegel der Selbsterkenntnis, in dem auch ich mich wieder fand. In kleine Geschichten verpackten haben die jungen SchauspielerInnen den Stoff nun mit Witz, Charme aber auch mit Tiefsinn auf die Bühne gebracht. Die kleinen Episoden unseres (Fehl-) Verhaltens sind ein unterhaltsamer und lehrreicher Spiegel unserer selbst.
Über den Stoff hinaus ist die Spielfreude dieser jungen Menschen ein faszinierendes und ganz eigenes Erlebnis. Sehr empfehlenswertes Stück - nur leider oft ausverkauft.“

Tipps gegen den Buchsbaumzünsler

Hobbygärtner Bernd Raidl rät folgendes im Kampf gegen den Buchsbaumzünsler: „Ich habe Ihren Bericht über die Probleme der Gärtner mit dem Befall gelesen. Wir haben selbst 60 Buchse; viele Hecken und Kugeln im Garten und jedes Jahr massiven Befall.

Die Gärtner machen alle denselben Fehler .

1 . Zu spät mit Xentari zu spritzen, meist erst, wenn die Raupen schon groß sind.

2. Nicht konsequent spritzen: Gleich im Frühjahr zwei bis drei Mal und Kontrolle.

3. Zu wenig Dünger: Die Pflanzen sind geschwächt.

4. Pheromonfallen zur Kontrolle, wann die nächste Generation entsteht: Wenn Falter in der Falle sind, sollte man ein bis zwei Wochen danach wieder spritzen.

Bei Einzelpflanzen und schweren Befall eine schwarze Folie über die Pflanze, einen Tag warten, die Raupen sterben (bei Sonne)„

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