Boxkampf-Schlägerei in Erfurter Messe: Beweisaufnahme steht vor dem Ende

Erfurt  Promoter nährt Spekulationen. Zeugen können nichts über Auslöser des Streits sagen.

Nach Kampfende kam es außerhalb des Boxringes zu einer wilden Schlägerei bei der auch mit Stühlen aufeinander eingeschlagen wurde.

Nach Kampfende kam es außerhalb des Boxringes zu einer wilden Schlägerei bei der auch mit Stühlen aufeinander eingeschlagen wurde.

Foto: MGT

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Im Prozess am Amtsgericht Erfurt gegen fünf Angeklagte, denen gefährliche Körperverletzung vorgeworfen wird, neigt sich die Beweisaufnahme dem Ende zu. Am dritten Prozesstag sind vor dem Schöffengericht sieben Zeugen gehört worden, die Licht ins Dunkel der Umstände bringen sollten, die zu einer Schlägerei im April 2017 in der Erfurter Messehalle geführt haben könnten.

Gelungen ist ihnen das nicht. Weder die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes noch die befragten Journalisten haben über den Auslöser der Schlägerei berichten können, in deren Ergebnis der Boxer Karo Murat verletzt wurde. Die Schlägerei ist nach dem Boxkampf zwischen Arthur Abraham und Robin Krasniqi dokumentiert.

Bezüge zu armenischen Mafia-Strukturen gelten als sicher

Brisant ist das Verfahren deshalb, weil die Geraer Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Organisierte Kriminalität es führt. Die Angeklagten stehen in Verbindung mit der Spielhallen-Schießerei von Erfurt vor fünf Jahren. Bezüge zu armenischen Mafia-Strukturen gelten als sicher. Das haben MDR-Recherchen offengelegt. Der Promoter von Karo Murat nährte gestern vor dem Amtsgericht zumindest Spekulationen darüber, dass hinter der Auseinandersetzung weit mehr steckt, als eine normale Schlägerei. So habe sein Schützling zunächst gar nicht nach Erfurt kommen wollen. Geplant gewesen sei aber, dass am Rande des Kampfes ein großer Kampf von Murat verkündet werden sollte. Warum er nicht kommen wollte? Das konnte oder wollte Erol C. gegenüber dem Gericht nicht weiter ausführen.

Spannend auch: Nach Aussage von C. wollte sein Schützling, der Verletzungen davon trug, die Polizei nicht einschalten und habe ihm, C., gegenüber gesagt, dass er die Angreifer nicht kenne. Er habe ihm, sagt C. als Zeuge, das aber nicht abgenommen.

Murat wurde lange verdächtigt

Indizien legen nahe, dass Murat und mindestens ein Teil der Angeklagten einander bekannt sind. Denn am ersten Prozesstag kam es bei der Vernehmung von Karo Murat zu Wortgefechten mit einem Teil der Angeklagten. Abgesehen davon wurde Murat auch lange verdächtigt, an der Schießerei 2014 beteiligt gewesen zu. Später nahm die Polizei aber seinem Bruder die Aussage ab, dass dieser mit dem Handy seines Bruders in Erfurt gewesen sei. Der Anwalt eines der Angeklagten zieht das nach wie vor in Zweifel.

C. gab dann gegenüber dem Gericht an, dass er einen der Angeklagten zweifelsfrei identifizieren könne. Es ist einer derjenigen, die auch schon mit der Schießerei in Verbindung stehen.

Allerdings: C. hatte zunächst erklärt, keinen Angeklagten zu erkennen und dann eher spontan einen Erkenntnisgewinn während der Befragung durch das Gericht erzielt.

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