„Das versteht keiner“: Verwirrung über Entscheidungen bei Corona-Infektionen in Erfurt

Erfurt.  Corona als reine Auslegungssache? In Erfurt herrscht Unverständnis über Entscheidungen zu Quarantäne und Covid-Tests. Leser teilen ihre Erlebnisse zum Umgang mit Infektionsfällen.

Auch in der Polyklinik in der Erfurter Melchendorfer Straße gibt es eine Abstrichstelle bei Verdachtsfällen auf Covid19.

Auch in der Polyklinik in der Erfurter Melchendorfer Straße gibt es eine Abstrichstelle bei Verdachtsfällen auf Covid19.

Foto: Marco Schmidt

„Hat die Stadt Erfurt diese Allgemeinverfügung heimlich auf den Weg gebracht?“, fragt unser Leser Ulrich Rasch zur Nachricht vom gestrigen Donnerstag, dass jene Regelung seit dem 17. November bereits gelte . Normalerweise müsse sie doch in der Presse gedruckt werden. Es sei „so eine Auslegungssache“, so Pressesprecher Daniel Baumbach. Alle aktuellen Infos im kostenfreien Corona-Liveblog .

„Das versteht kein Mensch“

„Wir sagen, sie gilt ab Veröffentlichung im Internet bei erfurt.de“, und verweist noch auf die Anzeige in dieser Zeitung – am Donnerstag. Klar ist damit, die neue Allgemeinverfügung gilt. Unklar ist aber inzwischen etlichen Erfurtern, wie beim Gesundheitsamt mit Quarantäne und Testmöglichkeiten umgegangen wird. Dabei sei es doch wichtig, wie OB Andreas Bausewein und Gesundheitsamtschefin Winnie Melzer stets betonen, Infektionsketten zu durchbrechen.

„Das versteht kein Mensch“, so die Reaktion von Frau N.*, deren Sohn am Edith-Stein-Gymnasium lernt. Dort sei eine Lehrerin positiv getestet worden und in Quarantäne geschickt worden. Die Schüler, die im gleichen Klassenraum saßen, aber nicht. Aber: Als eine Schülerin einen positiven Test erhielt, musste die Klasse nach Hause. Gesundheitsamtschefin Melzer kennt einen solchen Fall und hat eine Erklärung: „Die Schulen sind mit ihren Hygienekonzepten gut aufgestellt.“ Zudem komme es auf die konkreten Gegebenheiten an.

Grundlegend anderes Handeln der Gesundheitsämter in Jena und Erfurt

Verwirrung hinterließ bei einem anderen Leser die Entscheidung des Erfurter Amtes nach einem Erstkontakt. Vier Familienangehörige besuchten gestaffelt Frau K.* in einer Pflegeeinrichtung. Jeweils länger als 30 Minuten im geschlossenen Raum. Gut 24 Stunden später kommt die Nachricht von über 20 Corona-Fällen in der Einrichtung. Drei Tage später die Nachricht vom Positiv-Test der Besuchten. Laut Richtlinien des Robert-Koch-Instituts ist das klar ein Erstkontakt.

Ein Jenaer Angehöriger berichtet: „Das Gesundheitsamt hat für mich sofort Quarantäne anordnet, übermorgen gehe ich zum Test.“ Für den Ehemann der 80-jährigen Erfurterin ist das Amt in Erfurt zuständig. Die mündliche Auskunft: keine Quarantäne nötig, auch kein Test.

Herr K.*, zu dem auch der Pflegedienst kommt, will das erst nicht glauben. Versetzt sich aber selbst in Quarantäne, er meldet den Pflegedienst ab und lässt sich über seinen Arzt testen. „Ich habe das Beste getan, um die Infektionskette zu durchbrechen.“ Wie in zwei Städten so verschieden gehandelt werden kann, das sei ihm ein Rätsel.

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* volle Namen und Schriftwechsel liegen der Redaktion vor.