Buga: Manfred Ruge ist enttäuscht über verworfene Petersberg-Ideen

Erfurt  Alt-OB Manfred Ruge spricht von einer „Buga der vertanen Chancen“. Oberbürgermeister Andreas Bausewein widerspricht vehement.

Eine Seilbahn als Verbindungs-Idee zum Egapark: Die Buga 2021 sorgt Monate vor der Eröffnung für steten Gesprächsstoff.

Eine Seilbahn als Verbindungs-Idee zum Egapark: Die Buga 2021 sorgt Monate vor der Eröffnung für steten Gesprächsstoff.

Foto: Archiv

„Wir wollten etwas mit den Bürgern für die Bürger machen - das war stets unser Ansatz. Das jedoch scheint nicht gewollt“, sagt Alt-OB Manfred Ruge frustriert. Er hat am Montag wie der Vereins-Chef Dieter Bauhaus hingeworfen und seinen Vorsitz im Verein der Freunde der Bundesgartenschau 2021 niedergelegt.

Beiden, oft als „Macher“ tituliert, war es nach eigenem Bekunden nicht genug, nur die Aktivitäten von Buga GmbH und Stadt „kritiklos zu begleiten und zu beklatschen“. Das sei aber dem Verein als Aufgabe zugedacht worden: „Dabei kamen wir uns vor wie nützliche Idioten“, sagt Ruge, der mit Bauhaus einen Schlussstrich gezogen hat.

Ruge schließt sich der über Wochen gewachsenen Kritik von Bauhaus an, der beklagt hatte, dass Buga-Projekte nicht umgesetzt würden und es an der Kommunikation der Buga-Akteure untereinander kranke. „Wir wollten Dinge bewegen und sind immer wieder gegen eine Wand gelaufen“, bilanziert Ruge. Kritik will er nicht an einer einzelnen Person namentlich festmachen, sondern „an der Frage der Gesamteinstellung“.

Kritik, zu der sich Buga-Chefin Kathrin Weiß auf Anfrage nicht äußern will.

Die Idee, die Türme der Peterskirche zu visualisieren, sei viel zu schnell zu den Akten gelegt worden, findet Ruge. Eine Frau aus den Reihen der Stiftung, zu der die Kirche gehört, habe das ganze Projekt stoppen können, so Ruge, der sich mehr vehementes Streiten der städtischen Verantwortlichen für die Sache gewünscht hätte. Stattdessen sei man viel zu schnell eingeknickt. In dem von ihm vorangetriebenen Projekt, Erfurt im Buga-Jahr vom Wasser aus erlebbar zu machen, will Ruge sich nicht mehr an die Spitze stellen.

Große Hoffnung setzen alle auf die Mitgliederversammlung Mitte November. Der verbliebene Vereinsvorstand, der zum Eklat ebenfalls schweigt, will die Zeit bis dahin als Chance nutzen, eine neue Vereinsspitze zu finden, wie es heißt.

Der Seilbahn zur Buga hätten 72 Eigentümer zustimmen müssen

Ruge ist überzeugt: „Wenn 2021 Besucher nach Erfurt kommen, werden sie eine gut aufgestellte Stadt erleben. Sie werden begeistert sein von der Ega als Buga-Ort und die Schönheit der Blumen genießen. Wir aber wissen, wie viele Chancen auf dem Weg dorthin vergeben worden sind“, adressiert Ruge, der sich nach Ende seiner Amtszeit bislang mit Kritik an seinem Nachfolger strikt zurückgehalten hat, seine Einschätzung an Bausewein.

„Ich bin mir sicher, dass die Buga zu einem Erfolg wird“, widerspricht der so energisch wie entnervt solchen „Mecker- und Nörgeleien“ und „persönlichen Befindlichkeiten“. Alle Ideen, die zur Buga eingebracht worden seien, wären intensiv geprüft worden: „Der Seilbahn von Petersberg zur Ega hätten 72 Eigentümer zustimmen müssen, über deren Häuser die Bahn geführt hätte. Das wäre nichts geworden. Und die Peterskirche gehört uns einfach nicht“, sagt Bausewein. Illusorisch nennt er den Wunsch, für 35 Millionen Euro die zwei Kirchtürme wieder errichten zu lassen: Geld, das an anderer Stelle besser verwendet sei. Besonders in der Geraaue, wo viel geleistet worden sei: „Für den Erfurter Norden ist es das wichtigste Bauprojekt“, betont Bausewein. Es werde nachhaltig investiert in Brücken, Radwege, Petersbergaufzüge - alles im Zeitplan. Vehement widerspricht Bausewein, die Bürger würden auf dem Weg zur Buga nicht mitgenommen: „Foren, Dialoge, Fragerunden - was sollen wir denn noch tun?“, empört er sich über ein „dauerndes Schlechtreden“ von Stadt, Verwaltung und der Vorbereitung der Buga: „Dabei geht es der Stadt so gut wie nie zuvor!“

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