Retter der Alten Oper in Erfurt feiern mit Horror-Show

Erfurt  Vor 15 Jahren belebte der Unternehmer Wolfgang Staub das einstige Stadt-Theater ohne jede Subvention als Gastspielstätte neu.

Hanna, Wolfgang und Benjamin Staub freuen sich über das Jubiläum, das sie mit der Alten Oper feiern können. Sonntag, 15. September, gibt es zur Feier mit der Eigenproduktion „Rocky Horror Picture Show“ noch Karten.  

Hanna, Wolfgang und Benjamin Staub freuen sich über das Jubiläum, das sie mit der Alten Oper feiern können. Sonntag, 15. September, gibt es zur Feier mit der Eigenproduktion „Rocky Horror Picture Show“ noch Karten.  

Foto: Frank Karmeyer

Ein doppeltes Jubiläum wird am Wochenende mit der „Rocky Horror Picture Show“ in der Alten Oper gefeiert: Vor 125 Jahren am 15. September 1894 wurde das Haus in der Theaterstraße 1 eröffnet und fortan mit Opern, Operetten, Schauspiel und Ballett bespielt. 1997 dann die Schließung – aufgrund baulicher Mängel – und die Entscheidung, im Brühl einen Neubau zu errichten. Es folgen: Leerstand, vergebliche Verkaufsabsichten und großes allseitiges Bedauern über das Ende des einstigen Stadt-Theater-Hauses. Bis Wolfgang Staub kommt und schließlich vor 15 Jahren, wiederum am 15. September, das Gebäude als „Alte Oper“ wiedereröffnet.

Wie er das gemacht und geschafft hat, ist wohl die häufigste Frage, die dem Intendanten des geschichtsträchtigen Hauses noch heute gestellt wird: Baufällig das Haus, unbespielbar gewissermaßen und schon zum Abriss freigegeben, aus der öffentlichen Hand keinen Cent der Förderung. Am Anfang, so erinnert sich Wolfgang Staub, stand der Wunsch zur Rettung des Hauses, wie sie in jener Zeit vielleicht viele gehabt haben, deren Herz an der Alten Oper hing. „Schließlich gehört die für viele wie der Dom zur Stadt“, erinnert sich Staub. Der Wunsch reifte zur Idee, neben den Spielstätten Dasdie Live und Brettl eine weitere dem eigenen Portfolio an Veranstaltungsorten hinzuzufügen.

Die Stadt, den massiv geförderten Opernneubau im Brühl im Blick, hatte das Gebäude schon aufgegeben. Es ausgeschrieben zum Verkauf, selbst zum Abriss und als Platz für einen Neubau eines Supermarktes oder Altenheimes freigegeben, wie sich Staub erinnert. Mit Oberbürgermeister Manfred Ruge suchte Staub daraufhin das Gespräch und fand einen Befürworter für seine Idee, das Gebäude zunächst für 20 Jahre zu pachten. Heute hat eine moderne Schließanlage den mächtigen Schlüsselring mit vielen Dutzend Schlüsseln ersetzt, der ihm damals als neuem Hausherren übergeben wurde.

Die Optik des Gebäudes hatte unter der Zeit und dem Leerstand gelitten, die Substanz aber fand Staub in Schuss. Allein der Brandschutz verlangte ihm gehörige Investitionen ab, die er heute gar nicht mehr beziffern kann. Eine Zuschauerdecke aus Stahlbeton wurde eingezogen, ein Löschwasservorrat von 50.000 Litern vorgehalten, der Stuck an der Decke aufbereitet – dann konnte das Haus wieder öffnen.

Da das Haus nur aus Bühne, Zuschauerraum, Garderoben und einer kleinen Kellerwerkstatt bestand, war es für einen modernen Opernbetrieb mit 400 Beschäftigten untauglich, sagt Staub. Erweiterungen an Ort und Stelle waren nicht machbar, der Opern-Neubau daher angeraten. Für sein Gastspielhaus-Konzept aber war und ist die Alte Oper ideal.

Etwa 640 Veranstaltungen stemmt Staub mit seinem Team von 50 Festangestellten und 100 Pauschalkräften jedes Jahr in allen Veranstaltungsstätten, etwa 120.000 Zuschauer werden pro Spielzeit gezählt. Bereichert wird das Angebot jedes Jahr durch Eigenproduktionen: Die Jubiläums-Rocky-Horror-Picture-Show ist eine solche, aber auch Winter-Varieté und -Travestie und das eigene Kabarett Puffbohne gehören dazu.

Kinder rücken in die Fußstapfen des Vaters

Wolfgang Staub setzt darauf, dass seine Kinder Hanna und Benjamin den Spielbetrieb fortsetzen. Von klein auf hat er sie herangeführt, haben sie erst die Garderobe gemacht und nun den Wareneinkauf und die Bilanzen. Steffen, der dritte Sohn ist Architekt geworden – und bringt sein Wissen nun bei den Umbauten der neuen Staub‘schen Spielstätte ein: Das ehemalige Spot am Nordstrand baut Staub aus zum Konzertsaal für 2500 Besucher. Nordstrand-Arena soll das neue Projekt samt Freilichtbühne heißen. Die Investition in neuen Putz von Bühnenhaus und Werkstätten muss daher warten – auch auf eine Pachtverlängerung seitens der Stadt, damit sich die Investition auch lohnt.

Helene Fischer und Andrea Berg, Bülent Ceylan, Mario Barth und Sascha Grammel – diese und viele Künstler mehr sind einst in Staubs Häusern aufgetreten, ehe ihnen die Veranstaltungsorte zu klein wurden und nun Messehallen ausverkauft werden. Auch dies ist ein Grund für eine neue, größere Spielstätte.

Viele Stars kommen immer wieder gern: Karat beispielsweise, Ute Freudenberg oder Tom Pauls sind Dauergäste. Oder Schlagersängerin Michelle. Die hatte mit einem Schwächeanfall, erlitten auf der Bühne der Alten Oper, das Haus gleich bundesweit in die Schlagzeilen gebracht. „Zack, fällt sie um“, erinnert sich Staub. Mitten im Lied „Ein Engel wird kommen“ war das. Staub ist froh, dass es ihr längst wieder besser geht – und sie am 19. September wieder zu Gast ist in seiner Alten Oper.

Zu den Kommentaren