Viele Wünsche, wenig Raum: Erfurt fehlen Sporthallen

Erfurt  Den Mangel an Hallenkapazität spürt gerade insbesondere der Thüringer HC. Der siebenfache deutsche Handball-Meister wüssten gern, wo und wann er mit Schuljahresbeginn trainieren kann. Damit steht er nicht allein.

Die Erfurter Riethsporthalle erlebt in diesem Jahr Spitzenhandball. Der Thüringer HC um Trainer Herbert Müller trägt in dieser Saison seine Heimspiele in der Landeshauptstadt aus, weil die Salza-Halle in Bad Langensalza umgebaut wird.

Die Erfurter Riethsporthalle erlebt in diesem Jahr Spitzenhandball. Der Thüringer HC um Trainer Herbert Müller trägt in dieser Saison seine Heimspiele in der Landeshauptstadt aus, weil die Salza-Halle in Bad Langensalza umgebaut wird.

Foto: Sascha Fromm

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Der Raum ist knapp, die Dichte nimmt zu. Mit dem nach Erfurt ausweichenden Handball-Bundesligisten Thüringer HC, den Bundesliga-Volleyballerinnen von Schwarz-Weiß Erfurt und dem Basketball-Drittligisten Erfurter Löwen wird in dieser Saison Woche für Woche Sport auf hohem Niveau in der Riethhalle geboten. Alle drei Teams tragen dort ihre Heimspiele aus. Die geballte Ladung an Klasse wird zur logistischen Mammutaufgabe. Näher zusammenzurücken heißt für die Vereine wohl auch, zurückstecken zu müssen. Denn der Sportraum in Erfurt ist begrenzt, aktuell kleiner denn je.

An die nächste Woche denkt Maik Schenk mit Sorgen. Gestern ist der Geschäftsführer mit der THC-Mannschaft aus dem Trainingslager in Most (Tschechien) zurückgekehrt, die Vorbereitung geht in die letzte Phase. Wo und wann der siebenmalige deutsche Meister ab dem nächsten Montag in Erfurt trainieren kann, weiß er noch nicht.

„Wir haben von der Stadt Erfurt bisher keine verwertbare Information bekommen“, beklagte der Manager Ende der vergangenen Woche. Weder, was den Ort beträfe, noch die Zeiten, kann der Verein planen, wie er mit Beginn des neuen Schuljahres das Training organisiert und die nötige Regeneration einbettet.

„Es ist reichlich spät“, merkt Michael Panse an. Als Präsident des SWE-Volleyteams hätte er sich im Interesse seiner gut 160 Vereinsmitglieder ebenso gern ei­ne Auskunft vom Erfurter Sportbetrieb (ESB) über die neuen Trainingszeiten gewünscht.

In dieser Woche sollen die Vereine informiert werden, kündigt Jens Batschkus an. Der Werkleiter des Sportbetriebes räumt ein: „Ja, wir hätten ein bisschen besser planen können.“ Die Verzögerung sei der Gesamtlage geschuldet, fügt er erklärend hinzu. Erst vor drei Wochen sei die Meldung vom Amt für Bildung gekommen, wie viele Zeiten der Schulsport beansprucht.

Die Vereine hängen in der Warteschleife, und der ESB steckt in Nöten. Im Rahmen des Sanierungsprogramms sind aktuell drei der 44 Sporthallen in Erfurt dicht, im Laufe des Schuljahres werden drei weitere saniert. Die Folge: Der Schulsport muss auf die zur Verfügung stehenden Hallen verlagert werden. Für Vereine bedeutet das, mitunter erst später als bisher in die Sportstätten zu kommen, die Zeiten schrumpfen. „Für manche Sporthallen wurden doppelt so viele Nutzungszeiten beantragt, wie dem Sportbetrieb zur Verfügung stehen“, teilte der ESB mit und wirbt für Verständnis. Dass der THC die Bundesligaspiele wegen des Umbaus der Salza-Halle in Erfurt austrägt, bringt ein Thüringer Aushängeschild in die Landeshauptstadt, verschärft auf der anderen Seite die Lage. Gerade, was die hoch frequentierte Riethsporthalle angeht, treffen viele Wünsche auf begrenzten Nutzungsraum.

Für die Spiele haben die Vereine in enger und konstruktiver Zusammenarbeit, wie alle betonen, Lösungen gefunden. Die Erfurter Bundesliga-Volleyballerinnen tragen ihre Heimpartien am Samstagabend im Wechsel mit den in Elxleben trainierenden Basketballern aus (18 Uhr). Die Handballerinnen spielen sonntags (15 Uhr). Eine Reihe von Mittwochspielen sind nötig.

Dass abends gespielt werden muss und die Halle wegen des Verlegens eines sportartspezifischen Bodens für Volleyball oder Basketball an so einem Tag blockiert und für den Schulsport tabu sein wird, ist für Volleyteam-Präsident Mi­cha­el Panse Ausdruck fehlender Hallen.

Noch größere Probleme sieht er im kommenden Jahr, wenn sich die Sommerferien in Thüringen um zwei Wochen nach hinten verschieben. Gemäß der üblichen Schließzeiten während der Ferien blieben die Hallen dann bis Ende August zu.

Ohnehin steht Michael Panse dem Schließen der Hallen in den Ferien kritisch gegenüber. „Alle, die Wettkampfsport betreiben, wollen im August trainieren“, betont der Vereinschef.

Der THC kann das nur unterstreichen. Er ist froh darüber, dass unbürokratisch ein Weg für das Bundesliga-Team gefunden wurde, um den Hauptteil seiner Vorbereitung in der kleinen Halle in der Mittelhäuser Straße zu absolvieren. Was diese Woche betrifft, hat der Verein anderswo suchen müssen. Weil die Trainingshalle wegen einer Grundreinigung geschlossen und keine andere offen ist, können die Handballerinnen am Dienstag zwar noch einmal darin trainieren. Für einen Tag aber müssen sie nach Mühlhausen. Je 70 Kilometer hin und zurück, um zwei Stunden zu trainieren. Warum sie dafür nicht in die Riethhalle hätten gehen können, verwundert. Die Schwarz-Weiß-Volleyballerinnen trainieren dort seit vergangener Woche täglich.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.