Bank und Mülleimer in Gotha demoliert

Klaus-Dieter Simmen
| Lesedauer: 3 Minuten
Vorm Amtsgericht Gotha musste sich ein ehemaliger Kurierfahrer verantworten, der beim Wenden seines Transporters eine metallene Bank und einen Müllbehälter demoliert und davongefahren war.

Vorm Amtsgericht Gotha musste sich ein ehemaliger Kurierfahrer verantworten, der beim Wenden seines Transporters eine metallene Bank und einen Müllbehälter demoliert und davongefahren war.

Foto: Peter Riecke

Gotha.  Aus dem Gerichtssaal: Ehemaliger Kurierfahrer berichtet vom enormen Druck in seiner Branche

Weil er zu schnell mit seinem Auto unterwegs war, hat der Mann schon mehrfach tief in die Tasche greifen müssen. Sein Punktestand in Flensburg zeigt ebenfalls, dass er wenig von den Regeln der Straßenverkehrsordnung hält. Bis zu jenem Tag im April dieses Jahres blieb es jedoch bei Ordnungswidrigkeiten.

Jetzt aber muss sich der 48-Jährige wegen einer Straftat vorm Amtsgericht in Gotha verantworten. Ihm wird vorgeworfen, mit seinem Transporter beim Wenden eine metallene Bank und einen Müllbehälter demoliert und auf und davon gefahren zu sein, ohne sich um den Schaden zu kümmern. Und der ist mit mehr als 3000 Euro nicht gerade ein Pappenstiel. Das stimme leider, gibt der Angeklagte zu. Er habe schon gehört, dass sein Fahrzeug an irgendetwas entlang geschrammt sei. Warum er allerdings weitergefahren sei und nicht einmal einen Blick auf mögliche Schäden geworfen habe, könne er sich auch heute nicht erklären. Er wisse, dass er falsch gehandelt habe.

Richterin Wera Luckhardt will erfahren, ob der Schaden mittlerweile reguliert sei. Das weiß der Angeklagte nicht, er ist längst nicht mehr in dem Unternehmen als Kurierfahrer beschäftigt.

Vor Gericht wird deutlich, dass alle seine Vergehen im Straßenverkehr während der Zeit passierten, als er beruflich mit dem Transporter unterwegs war. Er berichtet vom gewaltigen Zeitdruck, der auf ihm lastete. Auch an dem Tag, als er Bank und Müllbehälter beschädigte. Da habe er Corona-Schnelltests für Schulen ausgefahren.

Richterin Luckhardt bringt eine Einstellung des Verfahrens ins Gespräch, verbunden mit einer Geldstrafe. Hat der Angeklagte sie bezahlt, geht er mit weißer Weste aus diesem Verfahren heraus. Das ist für den Verteidiger jedoch keine Option, weil da immer noch droht, dass seinem Mandanten der Fahrerlaubnis entzogen wird. Und damit, so der Anwalt, auch die Möglichkeit seiner Arbeit nachzugehen. Zwar sitzt dieser nicht mehr als Kurierfahrer hinterm Lenkrad, doch als mobiler Hausmeister, der sich um mehrere Objekte kümmern muss, sei der Angeklagte darauf angewiesen einen Fahrerlaubnis zu haben. Und der schiebt gleich hinterher, dass sein Chef im deutlich zu verstehen gegeben hat, er sei ohne Fahrerlaubnis für das Unternehmen nutzlos.

Die Staatsanwältin lässt in ihrem Plädoyer keine Zweifel daran, dass der Angeklagte für sie nicht geeignet zum Führen eines Kraftfahrzeuges ist. Deshalb spricht sie sich für einen Einzug des Fahrerlaubnis und eine sechsmonatige Sperre aus, ehe der Mann ihn erneut erwerben kann. Im Übrigen beantragt sie eine Geldstrafe in Höhne von 30 Tagessätzen zu jeweils 40 Euro.

Am Sachverhalt, so der Verteidiger, sei nicht zu rütteln. Sein Mandant habe ja auch ohne Wenn und Aber zugegeben, dass er schuldig ist. Für ihn ist es jedoch nicht angemessen, wenn der Angeklagte für sein Vergehen mit dem Verlust seines Arbeitsplatzes bestraft wird. Deshalb plädiert er für ein Fahrverbot anstatt den Fahrerlaubnisentzug. Auch sei aus seiner Sicht der Druck in Betracht zu ziehen, unter dem sein Mandant als Kurierfahrer stand.

Dieser Argumentation vermag Richterin Luckhardt zu folgen. Sie verurteilt den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 1200 Euro und einem dreimonatigen Fahrverbot.