Kunst zwischen Demut und Provokation

Bad Tabarz.  Die Galerie Grahn in Bad Tabarz stellt Plastiken von Petra Arndt und Druckgrafiken von A. R. Penck aus.

Plastik von Petra Arndt und Grafik von A. R. Penck stellt die Bad Tabarzer Galerie Grahn seit Sonntag aus. Petra Arndt mit der Skulptur "Der Fragen Frucht" vor A. R. Pencks Steindruck "Kleine Liegende".

Plastik von Petra Arndt und Grafik von A. R. Penck stellt die Bad Tabarzer Galerie Grahn seit Sonntag aus. Petra Arndt mit der Skulptur "Der Fragen Frucht" vor A. R. Pencks Steindruck "Kleine Liegende".

Foto: Dieter Albrecht

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Zwei Künstler, die ihre Berufung als Autodidakten gesucht und gefunden haben: Hier der Grafiker, Plastiker, Lyriker, Essayist und zeitweise unterm Pseudonym A. R. Penck auftretende DDR-Dissident Ralf Winkler (1939 - 2017) – dort die Schlotheimer Plastikerin, Grafikerin und Lyrikerin Petra Arndt (geb. 1958). Und doch könnten beide nicht unterschiedlicher sein. In einer kontrastreichen Ausstellung stellt sie jetzt der Bad Tabarzer Galerist Volker Grahn, gleichsam im Dialog der Formen, einander gegenüber.

A. R. Penck war weltanschaulich wie künstlerisch kompromisslos. Logisch, dass er trotz mehrmaliger Bewerbungen nie Kunst studieren durfte und nie in den Verband Bildender Künstler der DDR aufgenommen wurde. In seinen Bildern verwendete er archaische Zeichen – Strichmännchen und grafische Bildzeichen, die an Höhlenmalerei, asiatische Kalligrafie und Graffiti erinnern: Jeder sollte seine visuellen Botschaften durchdringen können, so wie man Verkehrsschilder und Warenzeichen auf den ersten Blick versteht.

Ist sein „Italienisches Mädchen“ (1993), ein Steindruck-Akt mit zarten weißen Konturen auf schwarzem Grund, weitgehend realistisch gestaltet, so geht „Mut zu Reformen“ (1994) ein ganz anderen Weg: Ein roter, grob plakativer Frauenakt auf weißem Grund vor einer „Wand“ von Phantasie-Symbolen – und alles umringt von acht Fragezeichen.

Von starker Wirkung sind A. R. Pencks „Vier analytische Porträts“ von 1991: Stark stilisierter Realismus und sehr ausdrucksvoll – man glaubt den Porträtierten direkt in die Seele zu blicken. Dass der stets suchende A. R. Penck auch einen Sinn fürs Dadaistische hatte, zeigt seine „Animal Watch“ – eine kleine Armbanduhr in riesigem Passepartout. Die Zeiger haben das Zentrum verlassen und weisen zickzackförmig ins Unberechenbare ...

Petra Arndts Skulpturen dagegen sind unendlich weit entfernt von Provokation und Skurrilität. Und ganz tief verstehen kann man ihre Plastiken in ihrer originären Menschlichkeit wohl nur, wenn man auch die Gedichte der Künstlerin kennt. Stets ist sie auf der Suche nach dem göttlichen Kern des Menschen hinter der Fassade diesseitiger Geschäftigkeit. Entweder blicken ihre Gestalten staunend durch das „Offensichtliche“ hindurch oder sie sind mit geschlossenen Lidern in ihr Inneres versunken – achtsam und andächtig meditierend.

Dementsprechend fallen auch die Titel der Werke aus, etwa „Verbindung mit dem Transzendenten“, „Imago Dei“ (Abbild Gottes), „Hommage an Górecki“. Letztere hat Petra Arndt unterm Eindruck der „Sinfonie der Klagelieder“ des polnischen Komponisten Henryk Górecki (1933 - 2010) geschaffen. Will man die Skulptur ganz verstehen, muss man also die Musik innerlich mithören ...

Typisch für Petra Arndts Figuren ist dieses merkwürdige Mit- und Ineinander von realistischer Darstellung und eigenwillig individualisierter Formensprache. So scheinen die Hälse der Frauen sich in der Manier des Italieners Modigliani gen Himmel zu recken, und doch nimmt man als Betrachter diese Dehnung des Raums auf der Fläche als absolut harmonisch wahr. Bei der Plastik „Der Fragen Frucht“ wiederum stehen die Haare in Form bewurzelter Früchte in eigentümlichem Nebeneinander von materieller Gestalt und philosophischem Grübeln. Immer aber sprechen, wie es Laudatorin Diana Trojca formulierte, aus den Figuren der Künstlerin „Sensibilität, Demut, Grazie und Anmut“.

Galerie Grahn. Bad Tabarz, Heinrich-Hoffmann-Str. 6a, Plastiken von Petra Arndt und Druckgrafiken von A. R. Penck bis Ende März 2020, Dienstag bis Freitag 14 bis 18 Uhr, Samstag 10 bis 13 Uhr;

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