Greiz. Am Greizer „Reißberg 04“ protestierten am Freitagabend gut 130 Gegendemonstranten gegen die AfD-Veranstaltung.

  • Überfüllter Saal: Rund 260 Menschen erleben Auftritt von AfD-Landeschef Höcke in Greiz.
  • Rund 130 Gegendemonstranten formiert das Bündnis „Kolibri“ zu buntem und lauten Protest.
  • AfD-Ideologie scheidet die Geister selbst in Greizer Familien.

Rund 100 Teilnehmer einer bunten Gegendemo hatten Aufstellung genommen gegenüber dem Eingang der Gaststätte „Reißberg 04“ in Greiz. Der Grund: Thüringens AfD-Landeschef Björn Höcke, der auch in Greiz zur Landtagswahl antritt, hatte zu einem „Bürgerdialog“ in das Gasthaus eingeladen, in dem regelmäßig auch andere Parteien und politische Gruppen tagen. Auf der Unterseite der Gaststätte hatten noch weitere Demonstranten Aufstellung genommen und skandierten ihren Unwillen, die AfD als normale Partei zu akzeptieren – teilweise auch mit etwas fragwürdigem Vokabular. Laut tönten „Die Ärzte“ aus den Boxen: „Deine Gewalt ist nur ein stummer Schrei nach Liebe, Deine Springerstiefel sehnen sich nach Zärtlichkeit...“.

Nur genehme Medien finden in Greiz Zugang zu Höcke-Auftritt

Springerstiefel hatten die AfD-Anhänger jedoch gar nicht an. Mit rund 260 Personen waren Saal und Gaststätte hoffnungslos überfüllt. Eine Traube Sympathisanten der AfD, darunter auch Kandidaten der Wahllisten zur Kommunalwahl, mussten draußen bleiben. Auch das Ersuchen der OTZ auf Einlass wurde abschlägig behandelt, ebenso der Versuch eines ARD-Kamerateams. Eine Security-Dame in weißer Bluse verwies darauf, dass ihre Chefin den Saal geschlossen habe. Ein Vertreter der AfD-nahen Alternativmedien hingegen schlüpfte ganz selbstverständlich in den vollen Saal. Man wollte wohl unter sich bleiben. Unkontrollierte Medien und deren Berichterstattung scheinen nicht so sehr das Ding der Partei zu sein.

Polizei sichert angemeldete Gegendemonstration des Bündnisses „Kolibri“ Greiz ab

Zwischen 130 und 150  Gegendemonstranten folgten dem Aufruf des neu formierten Bündnisses „Kolibri“ und wurden laut gegen die AfD und deren politische Agenda.
Zwischen 130 und 150  Gegendemonstranten folgten dem Aufruf des neu formierten Bündnisses „Kolibri“ und wurden laut gegen die AfD und deren politische Agenda. © Funkemedien Thüringen | Ingo Eckardt

Die Polizei sicherte mit einem Großaufgebot von mindestens fünfzig Beamten die Veranstaltung der angemeldeten Gegendemo des Bündnisses „Kolibri“ ab, das binnen dreier Tage nach Polizeiangaben rund 130 Menschen gegen die AfD-Veranstaltung mobilisiert hatten – Veranstaltungsleiter Marcel Buhlmann (parteiloser Stadtrat der Linken und zur Kommunalwahl Kandidat der Grünen) sprach von 150 Teilnehmern und wertete die Demonstration als Erfolg. Auch Ines Wartenberg, Bürgermeisterkandidatin von SPD/Aktiv für Greiz, war unter den Demonstranten. Polizeieinsatzleiter Michael Schrader sprach von einer angemessenen Polizeipräsenz und davon, dass es keine besonderen Vorfälle gegeben habe.

Riss bezüglich der AfD geht auch in Greiz durch Familien

Vor dem „Reißberg 04“ stand eine Traube an Menschen und begehrten Einlass in den bereits überfüllten Saal.
Vor dem „Reißberg 04“ stand eine Traube an Menschen und begehrten Einlass in den bereits überfüllten Saal. © Funkemedien Thüringen | Ingo Eckardt

Unter jenen, die keinen Einlass zur Höcke-Veranstaltung erhielten, war auch Heike Leipe aus Greiz. „Ich will mir selbst eine Meinung bilden, es ist schade, dass ich hier nicht reinkomme“, ärgert sich die Frau. Ihre Tochter steht derweil im Gegenprotest auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Sie kommt über die Straße und sagt zu ihrer Mutter: „Das kannst Du doch nicht machen.“ „Und ob ich das kann“, gibt die Mutter zurück. Die junge Frau schüttelt den Kopf und reiht sich wieder in den Gegenprotest ein. Die Sicht auf die AfD zerreißt wohl nicht nur die Gesellschaft, sondern auch Familien.

Höcke-Rede im überfüllten Saal in Greiz kommt scheinbar bestens an

Vor der „Reißberg 04“-Gaststätte stehen derweil immer noch rund dreißig Menschen. Männer, Frauen, Jugendliche, Kinder. Am Einlass heißt es gegenüber dem OTZ-Vertreter: „Die Bürger werden ohnehin den Medien vorgezogen, Sie berichten ja nur, aber die Bürger sollen wählen.“ So bleibt nur der Blick durch die Fensterscheiben. Höcke spricht augenscheinlich, ist in AfD-blaues Licht getaucht dabei. Durch die Fenster sieht man applaudierende und johlende Menschen, die meisten sind eher älteren Semesters – augenscheinlich trifft die Rede den Nerv der Besucher. Eine Frau kommt aus dem Saal: „Boah, da drin ist es heiß, wie in der Sauna.“ Was gesprochen wird, bleibt unklar.

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Gegendemonstration in Greiz: Organisator sieht Aktion als gelungen an

Marcel Buhlmann und seine Mitdemonstranten ziehen gegen 19.30 Uhr ab. „Wir haben gezeigt, dass wir für Demokratie und Menschenrechte einstehen und nicht für Hass und Menschenfeindlichkeit, wie sie die AfD propagiert. Die rechte Szene des Kreises Greiz ist ja auch da. Das ist für mich der Beleg, wie anschlussfähig Höcke an die extreme Rechte ist“, so der Demo-Organisator.