Neue Hirntumor-Therapie am Hufeland Klinikum gibt Hoffnung

Mühlhausen.  Arbeiten am Hirntumorzentrum des Mühlhäuser Hufeland-Klinikums sind abgeschlossen. Neue Technik ermöglicht Behandlung bösartiger Hirntumore mit Wärme.

Chefarzt Johannes Wölfer vom Mühlhäuser Hufelandklinikum zeigt den neuen Nano-Activator.

Chefarzt Johannes Wölfer vom Mühlhäuser Hufelandklinikum zeigt den neuen Nano-Activator.

Foto: Daniel Volkmann

Die Arbeiten am neuen Hirntumorzentrum des Mühlhäuser Hufeland-Klinikums sind abgeschlossen. In den vergangenen Monaten wurde hier ein Nano-Activator zur Wärmebehandlung von Hirntumoren samt neuer Raumstruktur und der dazugehörigen Ausstattung errichtet.

Wie Johannes Wölfer, er ist Privatdozent und promovierter Chefarzt für Neuro- und Wirbelsäulenchirurgie am Hufeland-Standort in Mühlhausen erläutert, sei auch das Genehmigungsverfahren, welches die elektrische und medizinische Sicherheit zertifizieren muss, positiv beendet worden. Derzeit erwarte man noch das Zertifikat, danach könne man laut Wölfer mit der Behandlung von Patienten beginnen. Demnach kann man jetzt Patienten mit wieder aufgetretenen bösartigen Hirntumoren mit der neuartigen Nano-Technologie behandeln.

Behandlung kann das Immunsystem schärfen

Das Tückische an einer bösartigen Hirntumorerkrankung sei, dass die Tumore nach erfolgter Erstoperation sehr häufig zurückkehren. Ab diesem Punkt gibt es laut Chefarzt keine Standardtherapie mehr und man könne die Nano-Therapie beginnen.

Hierzu sei ein weiterer Eingriff nötig, der auch minimalinvasiv mit einer Nadel durchgeführt werden kann. Nanopartikel, ein eisenhaltiges und zähflüssiges Material, werden an den einstigen Tumorrändern platziert. In gut 90 Prozent aller Fälle würden die Tumore genau an diesen Stellen nachwachsen, erläutert der Mediziner. Für die Therapie mit dem Nano-Activator müsse man nicht durchgehend im Krankenhaus bleiben. Je nach Therapieplan werde drei Wochen nach der Operation zweimal wöchentlich für eine Stunde bestrahlt.

Die Idee dahinter: Die Ränder werden mit den Nanopartikeln bestrichen und später mithilfe des Nano-Activators erhitzt. Erhitzt werden ausschließlich die Nanopartikel. „Weiter gibt es Anzeichen dafür, dass die Hitze nicht nur das bösartige Gewebe verbrennt, sondern auch das Immunsystem gegen den Tumor wieder scharfmachen kann.“

„Betroffene können zu uns in die Sprechstunde des medizinischen Versorgungszentrums kommen. Wir stellen Fragen. Passt alles und der Patient ist zur Behandlung mit dem Nano-Activator geeignet, wird er dem Tumorboard vorgestellt“, sagt Johannes Wölfer. Das Tumorboard, eine Art Konferenz unter Fachleuten wie Strahlentherapeuten, Chirurgen, Onkologen, Pathologen und Internisten, tage einmal wöchentlich. Es diene dazu, dem Patienten eine Sicherheit zu geben und das Krankheitsbild von unterschiedlichen Seiten zu beleuchten. Weiter sei es so, dass bei dieser Art von Therapie bisher noch keine feste Kostenerstattung mit den Krankenkassen vereinbart worden ist.

Bislang gibt es vier Geräte in Europa

Dies sei, so Wölfer bei neuen Methoden nichts Außergewöhnliches und oft ein organisatorischer Akt, der auf Einzelfallbasis geprüft und genehmigt werden muss. Nach der Inbetriebnahme in Mühlhausen ist es dann der europaweit vierte Nano-Activator zur Behandlung von Hirntumoren. Auch deshalb sei es das Ziel des Klinikums, die neue Behandlungsmethode überregional bekannt zu machen.

Die Menschen informieren sich heutzutage im Internet. Daher sei es laut Johannes Wölfer wichtig, die Internetpräsenz des Hufeland-Klinikums zu überarbeiten, erste Gespräche dazu liefen bereits. Die Erkrankungen, die mit der Nano-Therapie behandelt werden können sind bis heute nicht heilbar und führen in einem Zeitraum zwischen einem und zwei Jahren zum Tod. „Alles, was wir im Augenblick tun können, ist das Leben möglichst gut zu verlängern“, erläutert Wölfer. Die Kosten für den neuen Klinikbereich, der auch eine eigene Zufahrt besitzt, belaufen sich auf rund 1,5 Millionen Euro.