Gedanken zum Wochenende: Pastor Ralf-Detlef Ossa von der Evangelisch Freikirchlichen Gemeinde.

Wenn Bananen-Eddi oder Aal-Hans auf dem Markt ihre Waren anbieten, dann brüllen sie schon mal, reißen Witze und feilschen mit den Kunden. Sie wissen: So gewinnen wir Aufmerksamkeit. So bringen wir unsere Waren an die Frau und den Mann. Können sie sich vorstellen, dass Gott und seine Kirche unter die Marktschreier gehen?

Die Bibel erzählt davon. Der Prophet Jesaja wurde Gottes Marktschreier. Er rief: „Her, wer Durst hat! Hier gibt es Wasser! Auch wer kein Geld hat, kann kommen! Kauft euch zu essen! Es kostet nichts! Kommt, Leute, kauft Wein und Milch! Zahlen braucht ihr nicht!“ (Jesaja 55,1 GNB)

Was war denn mit Gott und seinem Propheten los? Wer Gott und Kirche im Gedanken mit dem moralischen Zeigefinger verbindet, rechnet eher mit einer Vorladung, als solch einer Einladung. Es gibt nicht nur Wasser und Brot, sondern Milch und Wein im Angebot. Es steht für das Leben mit Gott. Aber wieso pries der Prophet Gottes Gemeinschaft wie ein Sonderangebot an?

Hat Gott das nötig, oder haben wir es womöglich nötig? Will Gott nicht tatenlos zusehen, wenn unser Lebensdurst ungestillt bleibt? Will er zeigen, dass er als Ziel hinter unserer Sehnsucht nach Leben steht?

Jesaja sprach Menschen an, die politisch und wirtschaftlich schwere Jahre erlebten. Manch eine(r) empfand: „Das Leben ist wie eine Zitrone. Man musst es auspressen, damit es was hergibt!“ Doch nun rief ihnen Gott durch seinen Propheten zu: „Her zu mir, ihr Lebensdurstigen!“ Ich höre das so: „Kommt alle zu mir, die Ihr Euch nach Gesundheit, Hilfe, neuem Lebensmut und Rückgrat sehnt! Kommt zu mir mit Eurer Sehnsucht nach Gemeinschaft und Anerkennung, Eurem Hunger nach Geborgenheit und Liebe, Gerechtigkeit und Frieden! Ich will Euren Hunger und Durst nach Leben stillen.“

Sind Sie skeptisch? Gott ermutigte durch Jesaja zu prüfen: „Warum gebt ihr euer Geld aus für Brot, das nichts taugt, und euren sauer verdienten Lohn für Nahrung, die nicht satt macht? Hört doch auf mich, dann habt ihr es gut und könnt euch an den erlesensten Speisen satt essen!“ (Jes 55,2 GNB)

Ist das so? Karriereportale, Mode-, Freizeit- und Urlaubsindustrie verdienen gut am Lebensdurst ihrer Kunden. Mit jedem „Schluck“ werden die Konsumenten durstiger, wie wenn sie Salzwasser getrunken hätten.

Ist das bei Gottes Angebot anders? Ja, denn er lädt zuerst in die Beziehung zu sich ein. Das, was wirklich wertvoll ist, können wir uns nicht kaufen. Wir können es uns nur schenken lassen: Wertschätzung, Treue, Vergebung, Liebe, das Leben. Gott lädt ein, ihn beim Wort zu nehmen und sich von ihm beschenken zu lassen.

Erscheint Ihnen dieses Angebot wie eine „Fata Morgana“ in der Wüste? Dazu eine kurze Geschichte: Zwei Beduinen finden einen Verdursteten direkt neben einer Oase. „Wie konnte das passieren?“, fragt der eine. Darauf der andere: „Er war ein moderner Mensch. Die Oase konnte für ihn nichts anderes als eine Fata Morgana sein.“

Gott weiß um unsere Zweifel. Darum gab er seiner Zusage in Jesus Christus Hand und Fuß. Jesus griff die Worte Jesajas auf: „Wer Durst hat, der komme zu mir. Wer an mich glaubt, von dem werden Ströme lebendigen Wassers fließen.“ Darauf ließ Jesus sich am Kreuz von Golgatha festnageln. Wer dachte, damit ist sein Anspruch widerlegt, bekam zu hören: Jesus ist vom Tod auferstanden! Er lebt. Gottes Liebe ist stärker als der Tod. Die Gemeinschaft mit ihm ist das Leben, nach dem wir uns sehnen.