Auf der Michelshöhe fliegen die Weihnachtsbäume ein

Sömmerda.  Waren Kugeln und Lametta zu Weihnachten ein Zier, sind sie jetzt eine Last. Im Baum- und Strauchschnitt ist beides höchst unerwünscht.

Betriebsleiter Jan Daume zeigt einen Weihnachtsbaum, der diese Woche in voller Montur auf der Sammelstelle für Baum- und Strauchschnitt  auf der Michelshöhe gelandet ist.

Betriebsleiter Jan Daume zeigt einen Weihnachtsbaum, der diese Woche in voller Montur auf der Sammelstelle für Baum- und Strauchschnitt auf der Michelshöhe gelandet ist.

Foto: Jens König

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„Er war gut versteckt“, sagt Jan Daume, Betriebsleiter des Abfallwirtschaftlichen Zentrums des Landkreises Sömmerda auf der Michelshöhe. Die Rede ist von einem Weihnachtsbaum samt Plastekugeln und Lametta, den seine Kollegen in dieser Woche auf der Sammelstelle des Baum- und Strauchschnittes fanden. Ein Einzelfall sei das nicht, versucht werde das immer wieder. „Ich bin froh, dass unsere Kompostierer ein Auge darauf haben“, sagt Daume.

Hochsaison für ausgediente Weihnachtsbäume

Tatsächlich herrscht gerade neben dem Alltagsgeschäft für ausgediente Weihnachtsbäume Hochsaison auf der Michelshöhe. „Schon am 27. Dezember sind die ersten Bäume eingeflogen. Kunden rufen oft zwischen den Jahren an und fragen, ob sie ihre Bäume bringen können“, berichtet Daume. Bis März und April werden nun Blaufichten, Nordmanntannen und Co ihren Weg zur Michelshöhe finden. Viele bringen ihre ausgedienten Bäume selbst, schließlich fallen die Weihnachtsbäume unter Baum- und Strauchschnitt. Damit ist die Annahme kostenlos. Bewohner des Landkreises können sie aber auch direkt neben die Biotonne zur Abholung stellen. „Um abtransportiert zu werden, müssen die Bäume komplett abgeputzt sein. „Sonst lassen wir sie stehen“, erklärt Daume. Aufwendig ist die Sortierung. Die mit dem Biomüll angelieferten Bäume müssen vor Ort wieder fein säuberlich vom Rest getrennt werden.

Während der Biomüll erst in sogenannten Rottboxen thermisch behandelt werden muss, werden die Bäume geschreddert und im Anschluss auf offene Mieten geschichtet. Wie Daume berichtet, werden sie ein halbes Jahr gelagert und alle zwei Monate umgesetzt. Aus dem Baum- und Strauchschnitt wie auch aus dem behandelten Biomüll entsteht Kompost. Im Jahr sind das an die 1800 Tonnen. Der Betriebsleiter spricht von einem gestiegenen Aufkommen. Noch vor fünf Jahren waren es 800 Tonnen Kompost, die pro Jahr hergestellt wurden. Das Groß an Baum- und Strauchschnitt komme im Frühjahr, meist Ende Februar, wenn die Gärten startklar gemacht werden. Und auch im Herbst, wenn die Parzellen winterfest gemacht werden. Den Kompost verkaufen die Mitarbeiter als Gütegemeinschaftskompost an Landwirte, aber auch an Kleinkunden wie Kleingärtner.

Mikroplastik: Kampf gegen Windmühlen

Kein Geheimnis macht der Betriebsleiter daraus, dass die Auflagen hoch sind. So fordern die neuesten Richtlinien 0,01 Mikrogramm Plastik pro Tonne. „Aktuell liegen wir bei zwei Prozent“, sagt Daume und sieht sich hier einem Kampf gegen Windmühlen ausgesetzt. Dabei zeigt er auf unzählige Plastiktüten, die nach wie vor im Bioabfall landen. Dieser Müll wird mitsamt den Fremdbestandteilen auf Mieten aufgeschichtet, mehrmals umgelagert und gesiebt.

Bei jeder dieser Umschichtungen entstehen kleinere Plastikfetzen und -stückchen, die mit dem Müll verkleben. „Was durchs Sieb fällt, bleibt im Kompost“, erklärt er das Problem. Er rät, den Müll in Papiertüten oder Zeitungspapier einzuwickeln. „Zeitungspapier ist in drei Tagen zersetzt“, so der Fachmann.

Wie er weiß, hätten Sanktionen, mit denen andere Bundesländer Umweltfrevler das Handwerk legen wollten, nichts gebracht. Viel mehr hofft Jan Daume auf die Einsicht der Bürger. Hier könne jeder einen Schritt gegen Mikroplastik und damit für mehr Umweltschutz leisten.

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