Strom aus Wasserkraft für 300 Haushalte

Die historische Dreyse-Mühle in Sömmerda macht mit imposanten Details auch insgesamt Eindruck.

Die historische Dreyse-Mühle in Sömmerda macht mit imposanten Details auch insgesamt Eindruck.

Foto: Jens König

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Sömmerda. 200 Jahre Industriegeschichte hat Sömmerda im Vorjahr gefeiert – so mit einer mehrteiligen und zum Teil auch außerhalb der Stadt präsentierten Ausstellung. Ein Zeitzeuge, dessen Vorläufer sogar noch (mindestens) 100 Jahre älter sind, ist die Dreyse-Mühle – Stadtbild prägend hinter Rathaus und Bonifatiuskirche zum Stadtpark hin den Blick einfangend und durch ihren jetzt vom neuen Fischaufstieg geprägten Geräuschpegel plätschernd ins Ohr dringend.

Die Mühle könne auf eine wechselvolle Geschichte blicken, Urkunden belegten, dass es sie schon 1721 gab, ist nachzulesen. Das Wasserrad (ca. 1825) sei fast so alt wie die Mühle. Das Hauptgebäude erstrecke sich über sechs Etagen.

1841 baute Nicolaus von Dreyse, in der erwähnten Ausstellung als prägende Person des industriellen Werdens und Aufschwungs gewürdigt, die Walk- und Ölmühle zu einem Rohrhammerwerk für Gewehrläufe um. Anfang des 20. Jahrhunderts diente die Mühle als Wasserkraftwerk zur Stromerzeugung.

In jüngster Zeit ist Alexander Werner, ein Metallbau-Unternehmer aus dem Eichsfeld, der neue Dreyse-Müller – und hat umfänglich investiert, in die Sicherung des Technischen Denkmals, des Radhauses und des Sechsgeschossers, in Fassaden-, Zimmer- und Tischlerarbeiten, in Dachabdichtung, Blitzschutz, Einfriedung und vieles mehr. Auch in die erwähnte Fischaufstiegsanlage und das Gegenstück, den Fischabstieg, sowie einen Rechenreiniger. Letzterer rettet als „Abweiser“ die Fische vorm Weg durch das im Durchmesser 7,50 Meter messende und 3,50 Meter breite Mühlrad und verwehrt auch vom Wasser mitgeführtem Treibgut und Unrat diesen Zugang.

Zuletzt hat Werner nun auch noch eine neue Turbine einbauen lassen. Das ist seinen Angaben zufolge zwischen dem 23. November 2018 und dem 20. November 2019 erfolgt, in der Zeit, in der die Stadt die dafür erforderliche Trockenlegung des Mühlgrabens zu dessen Säuberung nutzte – inklusive des Fundes von Weltkriegsmunition Anfang April (Panzerfaustkopf und Handgranate).

Mit einem Spezialtransport wurde die Turbine in Teilen von Jeging, dem Standort des österreichischen Herstellers, nach Sömmerda gebracht und eingebaut. Die Firma Jank ist nach eigenen Angaben ein mittlerweile in vierter Generation geführtes Familienunternehmen mit über 100-jähriger Tradition.

Die 16 Tonnen schwere Sömmerdaer Turbine ist für den Fall der Fälle an ein schnell schließendes, hydraulisch bedientes, 5,5 Tonnen schweres stählernes Notfalltor gekoppelt, das das Wasser umleitet.

Die Turbine der Dreyse-Mühle speist sauberen, wasserkraftgenerierten Strom ins Netz ein. „Unser Strom reicht, um 300 Haushalte in Sömmerda mit Elektrizität zu versorgen“, sagt Alexander Werner.

Partner in Sachen Mühlenstrom ist die Sömmerdaer Energieversorgung GmbH (SEV). „Dazu gibt es feste Verträge“, betont Alexander Werner. Fördermittel seien für das Wasserkraftprojekt nicht geflossen.

Die Stadt Sömmerda will in diesem Jahr im Zuge des Schöpfwerkbaus den nächsten Mühlgrabenabschnitt säubern. Auch Werner hat Pläne. Das Müllerhaus soll saniert werden und zwei Ferienwohnungen entstehen, eine davon barrierefrei. Ferien im Mühlenhof sollen technikinteressierte Kinder mit ihren Eltern anlocken.

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