Sondershausen: Eine Gartenanlage mit bewegter Geschichte

45-Jahr-Feier des Vereins Glückauf Sondershausen wird nachgeholt.

45 Jahrfeier KGV Glückauf Sondershausen wird nachgeholt. Judith Blinzler ist begeisterte Kleingärtnerin. 

45 Jahrfeier KGV Glückauf Sondershausen wird nachgeholt. Judith Blinzler ist begeisterte Kleingärtnerin. 

Foto: Thomas Leipold

Sondershausen. Zum 45-jährigen Bestehen hatte man im Kleingartenverein Glückauf Sondershausen ein großes Sommer- und Vereinsfest vorgesehen und geplant, doch dann kam Corona.

Ein solches Fest in gewohnter Art derzeit in unserem Verein auch mit Hygiene-Konzept so durchzuführen, ist kaum machbar, soll bei einem solchen Fest doch auch ein gemütliches Beisammensein unserer Mitglieder möglich sein. Unter Einhaltung des Mindestabstandes von 1,50 Metern kaum vorstellbar. Deshalb hat man sich im Vereinsvorstand dafür ausgesprochen, das Fest ins nächste Jahr – dann hoffentlich nach Corona – zu verschieben.

45 Jahre Glückauf, das ist eigentlich nur die halbe Wahrheit, denn Gärten gab es auf dem heutigen Gelände von Glückauf auch schon vorher und viel früher. Theoretisch konnte man eigentlich in diesem Jahr bereits ein 83-jähriges Bestehen feiern.

Wie kommt das? Sie sind sicher auch etwas irritiert, oder? Die Aufklärung folgt auf dem Fuße: Die Fürsten von Schwarzburg ließen um 1836 unterhalb des Schlosses in Sondershausen auf der südlichen Flussseite der Wipper einen Park anlegen. Im Wald am nördlichen Wipper-Flussufer entstand ein Gehege zur Zucht von Fasanen – die Fasanerie. In der Wirtschaftskrise nach 1929 wurden viele Gartenanlagen gegründet.

So wurden 1937 auf dem Territorium der ehemaligen Fasanerie der Schwarzburg-Sondershäuser Fürsten die Waldbäume gerodet, um eine Gartenanlage für das Personal des Schlosses zu errichten. Sie erhielt später den Namen „Fasanerie“. Diese riesige Fläche und Anlage erstreckte sich dann bis wieder zurück über die Wipper hinaus in Richtung Süden bis hinter die Kiesgrube.

Daraus ergaben sich auch zunehmende Probleme bei der Organisation und Verwaltung einer solchen Riesen-Gartenanlage. Im Jahre 1975 wurde die Sparte Fasanerie deshalb in zwei selbstständige Sparten aufgeteilt. Der östliche Teil wurde als Fasanerie weitergeführt, und der westliche Teil zwischen Flutgraben und Wipper-Brücke in Stockhausen wurde als Kleingartensparte Glückauf durch die Kleingärtner Fritz Heckert und Wolfgang Emmelmann in der Gaststätte Stille Liebe gegründet.

Und diese Ausgründung aus der großen Fasanerie heraus ist nun 45 Jahre her. Momentan hat Glückauf 102 Mitglieder bei 157 Parzellen, davon momentan 45 freie Gärten. Auch in diesem Jahr konnten freie Gärten, insbesondere auch an junge Familien, vermittelt werden. Das Kita-Projekt mit der Kita Arche Noah in Stockhausen wird erfolgreich weitergeführt.

Im Zwergengarten hat es einen Trägerwechsel gegeben. Durch die FAU (Gemeinnützige Fördergesellschaft Arbeit und Umwelt mbH) in Sonderhausen wird diese Fläche von Teilnehmern des Projektes nun als Tafel-Garten bewirtschaftet. Projekte und Angebote der „essbaren Stadt“ gibt es hier, wo sich die Vereinsvorsitzende Judith Blinzler besonders engagiert.

Im Herbst gab es auch seit Längerem als festen Bestandteil im Gartenverein eine Pflanzentauschbörse – ob dies in diesem Jahr in gewohnter Wiese möglich sein wird, ist offen. Thomas Leipold, Sondershausen

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