Weimar. Im Weimar-Podcast spricht der SPD-Kandidat André Störr über Tourismus, bezahlbaren Wohnraum oder die Ansiedlung von Gewerbe.

Zum dritten Podcast der Weimarer Lokalredaktion zur Kommunalwahl am Sonntag begrüßt Redaktionsleiterin Susanne Seide den Kandidaten der SPD zur Oberbürgermeisterwahl. André Störr ist im Wahlkampf bereits mit mancher unkonventionellen These aufgefallen. Etwa, wenn es um Tourismus geht. Weimar zählte im vergangenen Jahr rund 750.000 Übernachtungen in Häusern ab zehn Betten. Hinzu kommen Übernachtungen in Privatunterkünften oder in kleineren Ferienwohnungen. Die meisten dieser Übernachtungen, so Störr, resultieren aber aus Verwandtschaftsbesuchen, sind also keine Urlaubs- oder Kultur-Reisende. Wie kommt er darauf?

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„Es sind nicht nur Verwandtenbesuche, sondern auch Geschäftsreisende“, ordnet Störr ein und beruft sich auf statistische Erhebungen, etwa den „Wirtschaftsfaktor Tourismus für Thüringen“. „Wirtschaftlich ist es aber nicht wichtig, warum die Menschen kommen. Wichtig ist, dass sie kommen“, sagt er. Und gerade hier könne angesetzt werden. „Wenn wir wissen, es kommen viele Menschen, weil sie zu Tagungen und Meetings gehen, können wir die Anzahl der Reisenden erhöhen.“ Denn, so die These des SPD-Kandidaten: Wer in Weimar einmal war, der komme wieder.

André Störr ist schon vor 17 Jahren aus Jena nach Weimar gekommen. Zusammen mit seiner Familie. Mittlerweile hat er vier Kinder, allesamt schon größer. „Deswegen traue ich mich jetzt auch zu kandidieren“, so Störr. In freien Minuten verbringe er seine Zeit gerne im Ilm-Park, weiterer Lieblingsplatz sei das ACC-Café, zumindest wenn das Wetter passt. Nach Weimar führte ihn der Weg damals auch, weil Wohnen hier günstiger gewesen sei.

Verteilungsproblem statt Wohnflächenmangel

Nun habe sich aber einiges geändert: Auch aus Sicht des SPD-Kandidaten ist der gestiegene Mietpreis das dominierende Thema im Wahlkampf. Allerdings: „Das kann eine Stadtverwaltung isoliert nicht lösen“, so Störr vorweg. „Aber sie muss bereit sein, die ersten richtigen Schritte einzuleiten.“

Schlüssel sei einerseits die kommunale Wohnungsgesellschaft – die Weimarer Wohnstätte – die rund 20 Prozent der Wohnungen unterhält und damit Preissignale setzen könne. Andererseits gehe es um die Frage des richtigen Wohnraums in der richtigen Lebensphase. Es mangele nicht an Wohnfläche, es gebe ein Verteilungsproblem. Umzüge seien aber schlicht zu teuer.

Eine Bebauung des Merketals erachte Störr daher – und aus Klimagründen – ebenfalls nicht als zielführend, auch entgegen der Meinung seiner Partei. Stattdessen könne eine bürgerschaftlich mitgetragene Wohnungsagentur helfen, in der sich Verwaltung, Stadtgesellschaft sowie Makler zusammensetzen und Menschen einen Umzug in eine neue Wohnung ermöglichen.

Weimars Stadtgrenzen vergrößern

Zwangsläufig notwendig sei hingegen die Erschließung neuer Gewerbeflächen als Einnahmequellen. Ansiedeln, sofern in der Stadt kein Platz, wolle er diese in Kooperation auch in Nachbargemeinden. Zudem müsse darüber nachgedacht werden, das Stadtgebiet zu vergrößern. „Wir müssen die hübsche Braut sein, die man heiraten möchte.“

Die Anzahl solcher sprichwörtlichen Hochzeiten könne sich aber schon ab September verringern, sollte es einen Rechtsruck im Land geben. Störrs Sorge ist wie bei den anderen Kandidaten, groß. „Das würde ein Klima schaffen, das viele Menschen hier wegtreibt“, verdeutlicht er. Noch ist das aber in der Hand der Wählerinnen und Wähler. Im Kommunalwahlkampf sei es hingegen auffällig, dass prioritär bundespolitische Themen die Weimarer interessieren, lokale Themen erst auf den zweiten oder dritten Blick. „Das ist ein gutes Zeichen. Das heißt, dass hier vor Ort vieles funktioniert.“

Alle vier Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl in Weimar im Podcast