Münster. „Der Adler erhebt sich“, steht auf den Trikots der Aufstiegshelden aus Münster. Das passt zum Höhenflug des Bundesliga-Gründungsmitglieds. Die Zweitliga-Rückkehr nach 33 Jahren sorgt für Euphorie.

Das „Wunder von Münster“ beeindruckte selbst den Bischof. Der Durchmarsch der heimischen Preußen von der Regionalliga in die 2. Fußball-Bundesliga verwandelte die Stadt über Pfingsten in ein schwarz-weiß-grünes Fahnenmeer. Die Aussicht auf künftige Duelle mit einstigen Fußball-Giganten wie dem FC Schalke 04, dem Hamburger SV und dem 1. FC Köln sorgte für große Euphorie und Vorfreude. Bischof Felix Genn zählte zu den ersten Aufstiegs-Gratulanten: „Das ist ohne Übertreibung ein sporthistorischer Moment nicht nur für den Verein, sondern für die Stadt Münster und für das ganze Münsterland.“

„Geschichte geschrieben“

Nach 33 Jahren kehrt das Bundesliga-Gründungsmitglied in das Fußball-Unterhaus zurück. Mit dem 2:0 (2:0) am Samstag gegen die Spielvereinigung Unterhaching vor fast 13.000 Zuschauern im renovierungsbedürftigen Preußen-Stadion krönte das Team von Trainer Sascha Hildmann eine beeindruckende Aufholjagd von Platz 12 am Ende der Hinrunde bis auf Rang zwei. Von Mitte Februar bis Anfang April gab es sieben Siege in Serie.

Rund um den Empfang von Oberbürgermeister Markus Lewe am Sonntag im Friedenssaal des Historischen Rathauses, wo sich das Team in das Goldene Buch der Stadt eintrug, herrschten großer Andrang und prächtige Stimmung. „Wir haben Geschichte geschrieben, wir haben das Wunder von Münster geschafft. Hier geht wirklich jeder für jeden durchs Feuer“, rief Erfolgscoach Hildmann tausenden Fans unter tosendem Applaus zu.

Mit Gesangseinlagen auf der eigens aufgestellten Bühne auf dem Prinzipalmarkt heizte die Mannschaft nach kurzer Nacht die Stimmung zusätzlich an. „Wenn das zur Gewohnheit wird, müssen wir nächstes Jahr ja wieder hier stehen“, scherzte Vereinspräsident Bernward Maasjost in Anspielung auf die bereits zweite Aufstiegsfeier der Preußen binnen zwölf Monaten.

Heiratsantrag auf der Bühne

Die lange Party hatte bereits im Anschluss an das Duell mit Unterhaching begonnen. „Der Adler erhebt sich“, war auf den Aufstiegstrikots der Preußen-Spieler zu lesen. Trainer Hildmann war schon vor dem Schlusspfiff auf der Bank in Tränen ausgebrochen. Bis tief in die Nacht herrschte in den zahlreichen Kneipen der Stadt Ausnahmezustand.

Für einen emotionalen Höhepunkt des Party-Marathons sorgte Alexander Hahn, als er seiner Freundin Hannah auf der Bühne einen Heiratsantrag machte. „Erst auf der Fahrt im Doppeldecker hierhin habe ich mir auf einmal gedacht, dass heute der ideale Tag dafür ist“, kommentierte der Abwehrspieler mit breitem Lächeln.

Bei aller Euphorie kam jedoch auch Wehmut auf. So wurde der von den Fans als Kult-Keeper verehrte Maximilian Schulze Niehues (35) verabschiedet, der gegen Unterhaching einen Elfmeter parierte und im Herbst seinen neuen Job als Lehrer antritt. Noch schwerer dürfte der Verlust von Sport-Geschäftsführer Peter Niemeyer fallen. Der 40-Jährige wechselt als neuer Leiter Profifußball zum Bundesligisten Werder Bremen und gilt als Architekt des Erfolges.