Bad Langensalza. Die Bundesliga-Handballerinnen des Thüringer HC reißen in einem nervenaufreibenden Verfolger-Duell mit Blomberg-Lippe das Ruder noch einmal herum.

Ausfall der Anzeigetafel, lange im Hintertreffen, viele Strafen, eine Rote, aber enorm wichtige zwei Punkte in einem nervenaufreibenden Schlüsselspiel: Die Handballerinnen des Thüringer HC haben zwei Spieltage vor Ende der Bundesliga das Startrecht für die European League in der kommenden Serie klargemacht. Mit einem 33:27 (15:18) bauten sie im Verfolgerduell mit HSG Blomberg-Lippe den Vorsprung auf die Gäste aus und können nicht mehr vom vierten Platz verdrängt werden.

Gut zwei Minuten vor dem Ende machte Lydia Jakubisova den Sieg mit dem 32:27 endgültig sicher, Sonja Frey stellte in ihrem 200. Pflichtspiel für den THC den Endstand her, der in dieser Form lange Zeit nicht abzusehen war. Über mehr als 40 Minuten hatten die Thüringerinnen zurückgelegen, zum Teil mit sechs Toren. Angeführt von einer einmal mehr herausragenden Johanna Reichert (14 Tore), einer nach der Pause immer besser haltenden Nicole Rothe sowie mit großem Willen gelang die Wende. Eine weitere Saison im europäischen Wettbewerb ist damit sicher.

Blombergs Coach vermisst den Lucky Punch

Der vierte Bundesliga-Rang bedeutet den letzten der drei noch zu vergebenden Plätze für die Euro-League. Bislang steht Metzingen als Pokalsieger fest. Infolge der beiden Final-Four-Teilnahmen im vergangenen Jahr durch Dortmund und den THC hat die Bundesliga vier Plätze statt zuvor drei erhalten.

„Ich bin froh und stolz“, sagte THC-Trainer Herbert Müller nach der engen Zitterpartie. Seine Gegenüber Steffen Birkner zollte seinem Team Anerkennung. „Wir haben uns nichts vorzuwerfen. Wir haben über 60 Minuten sehr viel investiert. Uns hat der Lucky Punch gefehlt“, meinte er.

Eine Saison ohne Spiele auf europäischer Bühne bezeichnete Herbert Müller als Drama. Im vorletzten Heimspiel ließ seine Mannschaft jedoch zunächst einige Wünsche offen. In der Abwehr bekamen sie zu selten Zugriff auf die beherzt angreifenden Gäste um Top-Werferin Ona Vengué i Pena (7 Tore) und taten sich gegen die aggressive Deckung selber schwer. Einzig Johanna Reichert kam zum Erfolg. Hatten sich die Gäste besser auf sie eingestellt, fehlte dem THC die Wucht. Dafür kassierte er schnelle Gegentreffer. Die Folge: Nach einem vermeintlich guten THC-Start (3:1) riss der Fünfte mehr und mehr das Spiel an sich, ging in Führung und baute diese kontinuierlich aus. Beim 18:12 (27.) betrug der Abstand bereits sechs Treffer.

Reaktion kommt, wenn auch verzögert

Herbert Müller wechselte, stellte um. Nach zwei Auszeiten kämpften sich sein Team immerhin auf 15:18 heran. Die Zuschauer hatten für den klaren Rückstand nicht zuletzt die Unparteiischen verantwortlich gemacht. Die griffen mit sieben Zeitstrafen in den ersten dreißig Minuten durch, die Attacke gegen den Kopf von Kathrin Pichlmeier kurz vor der Pause hingegen blieb ungeahndet.

Der THC brauchte eine Reaktion. Und sie kam, wenn auch verzögert und dann, als die 1220 Zuschauer durch die ausgefallene Anzeigetafel das Zeitgefühl verloren hatten. Zweimal hatten die Thüringerinnen erfolglos Maß genommen und durch Ida Gullberg wegen eines Kopftreffers im versiebten Gegenstoß auch noch eine Strafe kassiert, ehe Reichert den Ausgleich herstellte. Mehr noch: Kurz darauf warf die Rückraumschützin mit dem 25:24 (48.) die erste Führung nach 40 Minuten heraus. Befeuert von zwei Paraden Nicole Roths legten Lydia Jakubisova (50.) und Sonja Frey (51.) nach.

27:24, noch neun Minuten und fast vier davon in Unterzahl, nachdem Josefine Hanfland die dritte Strafe, damit Rot gesehen hatte und auch Vilma Matthijs Holmberg auf die Bank musste. Viel Hektik, eine Klapptafel, die im Spiel Spitz auf Knopf den Zwischenstand abbildete. Doch das Polster hielt in der Hektik, auch weil Johanna Reichert immer weiter traf und ihr Team Nervenstärke bewies.